Ichneumond

Die Musik ist verstummt. Es bleibt der Gastgeber, ein letzter Gast – sobald man sich hinsetzt, beginnt die Party, sich selbst zu erzählen – er nahm sich vor, seiner Frau zu erklären, dass er eine Grenze ziehen muss. Dazu legte er zwei Messer vor seinen Teller, sie sollte sich die angucken. Die Linie zwischen dir und mir. Sie lachte höhnisch. Dieses eine Mal noch, dachte er.

Ich lasse zur Abwechslung im Nebenzimmer das Licht an. Ich muss jetzt allein sein. Sollte ich das Licht im Nebenzimmer ausschalten, wärest du gleich wieder hier und wir würden uns auf diese eigentümliche Art und Weise miteinander unterhalten, wie seit Jahren. Ich habe gesagt, du sollst gehen, ich unterhalte mich noch immer mit dir, du aber sprichst mit mir nur durch das Tischlampenlicht, hinter dem ich dich im Halbschatten sitzend vermute und du mir sagen willst,, ich soll mir keine Gedanken mehr machen, du liebst mich noch immer.

Das habe ich mir doch nicht selbst erklärt – muss man sich alles erklären, oder erklärt sich alles von selbst?

stdtreisen

Du hast recht, ich muss mich um mein Kind kümmern. Aber schön wäre es, könnten wir mal reden … Rosa rief an, mir zum Geburtstag gratulieren, ich könnte sie wieder anrufen, sie habe einen gesunden Sohn zur Welt gebracht, Steißlage zwar, aber gesund. Ihre Brüste entzündeten sich noch, sie habe auch Fieber … scheinbar ein Appell, mich wieder mehr um sie zu kümmern. Nun habe ich mich seitdem erfolgreich darum gedrückt anzurufen, ich weiß nicht warum. Habe ich nicht genug der inneren Verbindungen zu ihr aufgebaut, indem ich mich stunden- nein tagelang um die vor Jahren entstandenen Texte bemühte? Die Stimme aus der anderen Umlaufbahn. Gewiss doch, ich der Jesus oder Pastor oder Heiliger dieser Geschichte. Sicher wird das Baby mein Herz erweichen. Wird die inzwischen drei Jahre alte Tochter mir den Beweis ihrer Pfiffigkeit und Begabung und Entdeckungslust antreten, und sicher würde ich sehen, dass die Kinder … mit mir nichts am Hut haben.

 

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