Lieber Rainer. Nach dem, was ich seit Tagen verspüre, bin ich zum Ergebnis gekommen, dass es besser ist, wenn sich unsere Wege wieder trennen [eh sie nochmal zusammenfanden]. Es ist nicht recht, sich rundum zu belasten und die Fragen überhand werden zu lassen. Ich hoffe für Dich, dass Du Deinen Weg machst. Und ich wünsche mir, dass wir uns weiterhin in leichter statt schwerer Erinnerung sehen. Glaub‘ mir, es ist besser für beide –

in Liebe Rosa.

 

Alles … der ganze Scheiß … muss weg. Eine Planierraupe für das … wie zäh, langsam, bieder, gewollt … du musst es befreien von deiner Wut … bring endlich Sound rein … schon ist der Satz verloren. Alles weg hier … die Buchstaben … die Worte … nichts als Worte. Geh und hör den Vögeln beim Trillern zu.

 

Planung läuft nicht, Leute, sieht nicht professionell aus, was wir machen, die meinen, hier wird gebastelt … finden sie süß, dass hier gebastelt wird, wie aber sollen wir denen das erklären … die mit ganz anderen Nummern zu tun haben, die möchten, dass Oberguru mitkommt, man fühlt sich regelrecht umstellt von Obergurus, es sollen Finanzierungsmodelle geprüft werden, als könnte man da mitreden, vor allem, wenn‘s ums Geld geht, das liebe. Oberguru darf nicht sehen, dass hier gebastelt wird, vonwegen, Mensch, ne Küche habt ihr auch … macht der sich lustig? Klar macht der sich lustig … beruhigt ihn aber auch, er weiß, wir sind ehrgeizig … aber er ist der mit der Tasche, und wenn er sieht, dass wir basteln, hält er sie geschlossen … einen Moment für ein paar Groschen an die Jungs von der Bastelbude … Nein, wir sind nicht seine Hiwis, die ihm helfen, ein Projekt in Angriff zu nehmen, nicht wahr? Und dass er in jedem zweiten Satz mit dem Finanzamt kommt, find‘ ich verdächtig, meine nicht, dass wir keine Steuern zahlen … oder will er mir weißmachen, dass er sich jeden Tag mit dem Amt rumschlägt … als würde er darüber nachdenken, wie sich eine Welt ohne Finanzamt darstellt … was sage ich … bitte keinen Text jetzt, dass du weißt, wie das mit den Steuern funktioniert … ab dafür mit der Mehrwert-, Einkommens-, Körperschafts-, Vermögens- und Alkoholsteuer, Tabak-, Erdöl- und Umwelt- und Bund-, Länder-, Gemeinde-, Gewerbe- und Grundstücks- wie KFZ- und sowieso was denn noch für eine Dividenden- und Devisen- und verminderte und Kindergarten- Krankenhaus- und Brötchensteuer – geh‘ mir vom Hals mit der Steuer von der Steuer und der Versäumniszuschlagssteuer, und der Penetrationssteuer auf Hunde, der Rentenversicherungssteuer, und der Abgabe- vor der Zugabesteuer, das hat Oberguru alles auf der Pfanne, und driftet sein halbes Junggesellenleben zwischen diesen 95 Prozent reinem Alkohol umher, und schenkt mir seinen Verstand, damit wir ihn zu Text gefrieren innerhalb unserer Bunkerwelt … das ist Realität … sacht er dazu … nichts als die Wahrheit … als wäre die nicht gefüllt genug … und so landen diese Hinweise irgendwo auf Rille 42 der Festplatte … um dort für immer vor sich hin zu siechen, da hilft nur der große Magnet bei einer Razzia, die uns bevorsteht, sobald wir vergessen haben, die Mehrwertsteuervoranmeldung abzugeben … aber DJ macht das schon, mit dem Blei, das er an seinen Schuhen hat, nicht wahr?

DJ hängt unterm Kopfhörer und ist nicht ansprechbar.

Daher Rainer weiter schwadronieren darf vom bevorstehenden Obergurubesuch. Dass der sich lustig macht über uns, und es gleichzeitig lustig findet, wie wir sein Alterego mit neuen Geschichten aus der Kreativenkiste füttern – in einem Randgespräch hat er das mitbekommen.

Dann geb‘ ich unseren Jungs was zum Spielen, nicht wahr? Der meinte uns. Wir sind seine Jungs. Obwohl das gerademal der erste Auftrag für ihn ist, für uns, im Zusammenspiel mit dem Bundestag – ja klar doch, das muss man sportlich sehen. Du willst wissen, wie wir an den Auftrag gekommen sind – nun, kann ich dir nicht sagen, Staatsgeheimnis. Jedenfalls gibt er uns was zu spielen, das mag er, so ein bisschen bunt und durchgeknallt, und dann gleich so‘n riesen Ding. Wir sind noch jung, sacht er, obwohl über fünfzig. Wir müssen an die Kiddies denken, sacht er, obwohl über fünfzig. Immer noch Spieljunge, ein Kind, träumt ein bisschen von einer Höhle, hier, wo wir basteln. Das mag er, dass hier gebastelt wird. Sein Büro sei auch so’ne Pomeranze. So wird also gearbeitet, in Ranzbuden, in dieser sexy Stadt.

Das mit den Hochglanzmodellen können wir gerne bringen, keine Frage, das wird auch als Basteln bezeichnet, ist alles Basteln, was wir machen, sitzt da in seinem Selbstgeldschaum, und sagt: Wir basteln ein Museum. Einen vollwertigen Bunker für die Oimels der Welt … was ein Spaß. Dann hat er die ersten Animationen gesehen, Mensch, sacht er, habt ihr das auch gebastelt, fracht er und lacht sich scheckig.

Lacht uns aus, versteht ihr, lacht dich, Lutz, und dich, DJ, und mich, Rainer, aus. Mit seinem Backstuben- und Bastelgelaber. Das müssen wir vermeiden, das darf nicht wieder vorkommen, wir müssen unbedingt professioneller werden, Jungs. Habt ihr das?

Gut habt ihr.

Hey, DJ, hörst du bitte zu?

Das gilt auch für dich, pass auf.

Der Typ hat ne Oberklatsche, da muss man aufpassen, nicht dass der unseren Laden auf Acht dreht. Also, lieber Klappe halten, nicht aufreißen, man darf ihm nicht zu schlau kommen, das hab‘ ich. Bunt soll’s sein, Spaß machen, sonnengebräunt und ein bisschen Ballermann am Reichstag kann nicht schaden, sacht er, funktioniert doch auch mit dem Grabsteinfeld, sacht er, das mit den Hefeweizen und dem Gezische im Anblick der Grabsteine – die Dönerbude an die Börse bringen, sacht er dazu, verstehst?

Der sitzt vor mir in seinem Armanistreifen, und plaudert über die Spaßtempel der Stadt, die große Zukunft, wenn die nur endlich mal vorbeikäme, ich sach‘s euch, ständig die Hände in der Hose, in den Haaren, wieder in der Hose, als würd‘ ihm der Slip nicht richtig sitzen, oder sein Ladykracher mit am Tisch, der nimmt die bestimmt im Tanga, pfui, das hab‘ ich jetzt nicht gesacht, aber Sonnenbrille, Ibizabräune und eine Dauerwelle mit Gel, ein Weltmann von Kopf bis Fuß und wieder rauf, das Recht seiner vierzehn Anzüge, das Recht auf Brillen in allen Bauformen, das Recht auf Dividende, aber darum geht‘s ihm nicht. Er findet alles klasse, ist Spielzeug, das Sponsoring, ist Spielzeug. Alles. Haha.

Der Typ bastelt auch.

Sacht tatsächlich, wir müssen Oberguru zu euch in die Küche bitten, sacht er, der flippt noch aus, erinnert an die eigene Kindheit, ein Horror, sach ich, ein einziger Horror. Weißt du, worüber der sich lustig macht? Dass wir professionell sein wollen, es aber nicht sind. Er lobt uns auch, ist schön, was die Jungs jemacht haben, sacht er, mit dem Atrium, und dem Forum. Er hat in unseren Modellen was anderes gesehen, als wir zeigen wollten.

Wir verhandeln Ehren- wie Denk- wie Schandmäler, er sieht ein Forum. Wahrscheinlich sieht er ein großes Gehoppse da im Forum, er kommt jedenfalls nicht zurecht mit unserem Null-Raum, oder dem Raum Dreizehn, wie wir ihn genannt haben, da können ja mindestens zweitausend Leute abtanzen, sacht er, Manno Mann, dieses Forum mag er, ist zwar ein Null-Raum, und kein Forum, versteht er sowieso nicht.

Kann man das auch ein bisschen kleiner machen, fracht er, ist das nicht ein bisschen hoch?

Ich sach fünfzehn Meter, schön, sacht er, ist in Ordnung, wir müssen nur gucken, ob wir drei oder dreiachtzig brauchen als Geschosshöhe, der meint die Kapseln, die sollen auf dreizwanzig runter, soll er kriegen, dreizwanzig, hat er aufjeschnappt, wahrscheinlich Wohnbauexperte, ich kann euch sagen. Was ein Spaß.

 

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