Rom, Träume – Räume – Bilder

… Mussolini, Faschismus und der Film Noir, Pasolini, Morante, Moravia, Gadda und die Zeit des Dolce Vita. Raffael, Leonardo, Michelangelo. Das alte Rom, das Kaiserrom, das Italienische Rom. Der Vatikan, die Via Alta, der Plaza del Popolo, die spanische Treppe. Zaha Hadid, Peter Eisenman, Bruno Zevi, Lucio Passarelli, Renzo Piano. Das die wenigen Begriffe und Namen, die spontan durch den Kopf geistern. Rom die ewige Stadt. Rom der Puls am Tiber. Rom die Touristen. Rom der Lärm. Rom die Ruhe. Die vielen Kapellen.

Rom, Räume – Mussolini

9783937834658Unbedingt empfehlen will ich das Buch von Maike Albath: Rom, Träume aus dem Berenberg Verlag 2013, damals gelesen, heute gelesen, zwei unterschiedliche Welten gesehen – jetzt wo ich vier Tage in dieser mehr als widersprüchlichen und lauten und schönen wie historisch überladenen Stadt war. Jetzt wo ich mich erinnere und noch einmal lese:

„Ein Volk, das Verbrechen seines Regierungschefs toleriert, wird zum Komplizen dieses Verbrechens. Schlimmer noch: Wenn es sie unterstützt und auch noch applaudiert, wird es sogar zum Verursacher dieser Verbrechen (…) Ob die Mehrheit des italienischen Volkes wusste: dass die meisten seiner Taten Verbrechen waren? Fast immer wusste es das, aber die Italiener sind so beschaffen, dass sie ihre Stimmen eher dem Starken geben als dem Richtigen, und wenn man sie zwischen Vorteil und Pflicht wählen lässt, entscheiden sie sich, auch wenn sie um ihre Pflicht wissen, für ihren Vorteil. Mussolini, ein mittelmäßiger Typ, grob, ohne jede Kultur, von vulgärer, aber effektvoller Beredsamkeit, war ein perfekter Spiegel der Italiener. Im Innersten schwach, aber Bewunderer der Stärke, entschieden, gegen seine Natur stark zu wirken. Käuflich, korrumbierbar. Ein Schmeichler. Ein Katholik, ohne an Gott zu glauben. Er bestach andere. Eingebildet. Eitel. Gutherzig. Eine simnple, berechenbare Sinnlichkeit. Ein guter Familienvater, aber mit Geliebter. Skeptisch und sentimental. Mit Worten gewalttätig, doch vor der Grausamkeit und der Gewalt floh er und zog Kompromisse, Korruption oder Erpressung vor. An der Oberfläche leicht zu rührern, doch nicht in der Tiefe. Wenn er Gutes tat, dann aus diesem Grunde oder aus Eitelkeit, um seine Macht zu ermessen. Er bezeichnete sich als volkstümlich, um der Mehrheit zu schmeicheln, tatsächlich war er ein Snob und verehrte das Geld. Er hegte tiefe Verachtung für die Menschen, aber ihre Bewunderung tat ihm gut. Wie eine Hure, die sich von einem alten Mann aushalten lässt und dann mit einem jüngeren Liebhaber über ihn lästert, polemisierte Mussolini gegen das Bürgertum und machte sich bei der Masse beliebt. Sie wie die Hure glaubt, von einem jungen Schönen geliebt zu werden, der sie jedoch nur ausnutzt und verlassen wird, wenn sie ihm nicht mehr nützt, verhielt sich Mussolini mit der Masse. Ihn blendete das Prestige bestimmter Begriffe: Geschichte, Kirche, Familie, Volk, Vaterland usw. Die Substanz der Dinge begriff er nicht, er verachtete sie aus Unverständnis. Die Substanz der Dinge begriff er nicht, er verachtete sie aus Unverständnis, aber auch aus Egoismus und Ungeschlachtheit.“

Zitiere ich aus Maika Albath, Rom, Träume – sie wiederum zitiert aus den Tagebüchern Elsa Morantes vom 1.Mai 1945, als Mussolini und seine Geliebte Clara Petacci von Partisanen hingerichtet wurde. Rom die Stadt der Gegensätze. Wo wir überall waren:

Renzo Piano,  Auditorium Parco della Musica

Pier Luigi Nervi, Palazzetto dello Sport

Palazzetto dello Sport

Zaha Hadid – Maxxi Museo Nationale

Derzeit eine absolut empfehlenswerte Ausstellung über Bruno Zevi noch bis zum September. Als über Architektur noch lebendig gestritten und diskutiert wurde. Btw man sich auch für Berlin wieder eine offene Diskussion wünscht und nicht immer nur Leitbilddebatten. Du am Beispiel Rom eine mehr als zweitausendjährige Schichtung ablesen kannst und verfolgen. Du sicher die Frage stellen kannst, wie es möglich ist, ein Forum Mussolini unkommentiert und frei von jeder Wertung öffentlich und nicht bewacht „auszustellen“ – oder zu zeigen. Selbst die Bodenmosaiken dem Duce Referenz erweisen. Oder, Höhepunkt: ein vorbeikommender Jogger sich vor der Duce-Säule bekreuzigt. Da ich im Museum keine Bilder von der Ausstellung geschossen habe, der Katalog mir auch nicht zusagte, hier ein paar Suchergebnisse zu den dort ausgestellten Architekten: Lucio Pasarelli Maurizio Sacripanti, Luigi Pellegrin, Franco Albini, Giovanni Michelucci, Mario Ridolfi and Carlo Mollino last but not least: Bruno Zevi

Foro Mussolini

DUx Mussolini

Ja, er bekreuzigte sich angesichts dieses steinigen Phallus. (der Schattenmann dort hinten … ;o) Dann das Skulpturenkabinett – was eine Groteske oder Satire auf den Faschismus – wo man es ernst meinte, des männlichen Stärkegefühls, sie stehen dort und schauen grimmig, manch einer wirft Steine. Foro Mussolini

der gleiche hercules im verbund

VIA APPIA Wiki

via alta

Goethe sitzt hier in Front des Grabmals der Caecilia Metella:

220px-johann_heinrich_wilhelm_tischbein_-_goethe_in_der_roemischen_campagna

VIA MARGUTTA Wiki

Aus Wiki: Die Gasse wurde 1953 durch das Paar Gregory Peck und Audrey Hepburn in Ein Herz und eine Krone bekannt. In der Via Margutta wohnten unter anderen Giulietta Masina, Anna Magnani, Federico Fellini, Renato Guttuso und Giorgio de Chirico. Früher malten noch in der Nähe Pablo Picasso, Gaspar van Wittel, Jusepe de Ribera, Nicolas Poussin, Pieter van Laer und Peter Paul Rubens.

Das Monumente Emanuele II Wiki, auch Schreibmaschine genannt, von niemandem geliebt, von allen mit Verwunderung bestaunt

Die Villa Farnesina – Raffael und die Renaissance Wiki

Tempietto di Bramante Wiki

Aus Wiki: „Er wurde über der vermeintlichen Kreuzigungsstelle des Apostels Petrus von dem italienischen Renaissance-Baumeister Donato Bramante errichtet, nach dem er auch benannt ist. Die Bedeutung dieses Kirchenbaus liegt in der Zusammenführung eines antiken Peripteros-Tempels mit neuen römischen Architekturelementen in harmonischen und eleganten Proportionen. Der Tempietto gilt als Schlüsselwerk der Architektur der Hochrenaissance, wie auch als Initialbau für den Typ der zentralen Grabeskirche.“

Hin und wieder eine Pasta, ein Spritz oder ein Bier aus der Provinz – der Rotwein – alles in allem eine Stadt, die sich dir auf den ersten Blick wuchtig, architektonisch und ebenso dicht wie kolossal darstellt, und im zweiten Blick erst erschließt, oder seine eigene Geschichte erzählt pro Ort und Straße. Im ersten Blick Menschen, viele, am Petersdom genauso wie in der Via del Corso, hin und wieder das Militär seine Soldaten abstellt, in der U-Bahn, am Plaza Spagna oder an der Villa Medici. Das Chaos im Parlament mit gescheiterter Regierungsbilung sich im Chaos der durch die Gassen quälenden Autos und Motorroller spiegelt, um am nächsten Tag schon eine erfolgreiche Gesprächsbereitschaft der Rechten mit den sogenannten Liberalen (die 5Sterne Bewegung) ohne Berlusconi zu verkünden. Das Gewusel auf den Straßen davon nichts mitbekommen hat. Anfangs wirkten die Römer auf mich unnahbar, städtisch gehetzt – kommst du ein paarmal am gleichen Ort vorbei, wird schon gegrüßt, stehen zwei oder drei zum Gespräch zusammen, ganz perdu. An Rom scheiden sich die Geister, heißt es, die Widersprüche sind unübersehbar. Um die Tiefen zu ersehen oder zu erblicken, werden wir ein zweites Mal hinfahren müssen.

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Petersdom und Vatikan sahen wir nur im Vorübergleiten – zu viele Eintrittssuchende. Michelangelo wurde von den Decken und Wandmalereien des Raffael in der Villa Farnesina mehr als kompensiert.

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Rom Stadtgrundriss:

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Berlin Stadtgrundriss:

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ein Zufall nur?

24-1

Beste Grüße in die Runde!