Die Galerie aus dem Palast der Republik …

… gesehen im Museum Barberini Postsdam [noch bis 21.Mai 2018]

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Hans Vents „Menschen am Strand“, 1975

Ich war Ich sagen, zweimal
Ich Ich
kann mich wiederholen,
war Ich
geteilt durch die anderen.
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Ronald Paris: Unser die Welt – trotz alledem, 1975/76, Dispersion auf Hartfaser, 280 x 600 cm

 

Neulich stritt ich mich über Symbole mit einem, der nur Fakten zulässt. Fakten, weiß ich seitdem, wirken wie genormte Lügen. Schon berühre ich einen Allgemeinplatz für Figuren,

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Bernhard Heisig (*1925) Ikarus, 1975 Öl auf Hartfaser, 280 x 450 cm

Schaue Filme und spüre: die anderen, die ich war, sind fort. Du kannst die Namen der Filmemacher, Bildhauer, Musiker, Schriftsteller noch einmal aufsuchen, den anderen als Zeichen einer kulturellen Informiertheit mit auf den Weg geben, allein, sie sind fort. Der Weg ist das Ziel, hieß es, auch der hat sich losgemacht, will fort.

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Erhard Großmann (*1936) Tadshikistan, 1975 Tempera auf Hartfaser, 280 x 600 cm

Und lebe Abwesenheit. Was mir Wert war, ist anderen ein Zucken der Schultern. Ich zucke Schultern. Am Anfang war all das Nichts. Ich kann es mir wünschen, aber nicht aussuchen. Da saß heute ein schöner Mann im Büro, sagt Frau, und meinte mich, sie spricht aus, was ich nicht sehe. Sprachen in kryptischen Rätseln. Ich sah Gläubige. Hünen. Prediger. Der Diktator gewinnt, habe ich bei Benjamin gelesen. Umstellt von Begriffen.

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Willi Sitte (*1921) Die rote Fahne – Kampf, Leid und Sieg, 1975/76 Öl auf Hartfaser, 280 x 300 cm

Benjamin schreibt im Text von der Reproduzierbarkeit auch über Dadaisten, es scheint all das beim Blick auf die Verlautbarer einer Halluzination zu unterliegen, von aufrechten Falschwörtern. Es gibt plötzlich wieder die Guten die Bösen. Wie im Film manchmal, schreibt Benjamin, die Dadaisten sich der Begriffe ermächtigen und über sie stolpern, während Charlie Chaplin die Begriffe der Dadaisten in sich vereint und ebenfalls stolpert, stellvertretend für das Stolpern der Betrachter. Ein Spiegel auf alles Handeln und Tun.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/Wh9fvy2KmNs – Walter Benjamin gegen seine LIebhaber verteidigen

Im Bild wie im Film ist so manches, was sich als Chock erweist. Was am Anfang das Wort war, ist im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit ein statisches Bild, ohne Bewegung darin, nur den wenigen Liebhabern der Sprache ein Synonym für Bewegung und Spiel. Die mit der Kamera schießen wild Bilder. Und bebildern ihr Schießen. Werden flankiert von denen, die sie bewundern beweinen. Es wundert nun doch, dass plötzlich die Guten die Bösen im Sinn ihrer Zuweisung von Guten und Bösen wandeln, und sich dabei zum Verwechseln ähnlicher werden.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/WwdjcXJZ94Q – Walter Benjamin zum Gedächtnis 4 Teile

lese Walter Benjamins Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Noch einmal.

„Mit den Neuerungen der Aufnahmeapparatur, die es erlauben, den Redenden während der Rede unbegrenzt vielen wahrnehmbar und kurz darauf unbegrenzt vielen sichtbar zu machen, tritt die Anstellung des politischen Menschen vor dieser Aufnahmeapparatur in den Vordergrund. Es veröden die Parlamente gleichzeitig mit den Theatern. Rundfunk und Film verändern nicht nur die Funktion dessen, der sich selber vor ihnen darstellt, wie der politische Mensch es tut. Die Richtung dieser Veränderung ist, unbeschadet ihrer verschiedenen Spezialaufgaben, die gleiche beim Filmdarsteller und beim Politiker. Sie erstrebt die Ausstellbarkeit prüfbarer, ja überschaubarer Leistungen unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen wie der Sport sie zuerst unter gewissen natürlichen Bedingungen gefordert hatte. Das bedingt eine neue Auslese, eine Auslese vor der Apparatur, aus der der Champion, der Star und der Diktator als Sieger hervorgehen.“

 

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