Die New York Times und Trump, Die Mythenplagen und das Fest

Die letzten Tage verfolgte ich eine großartige Reportage und einen interessanten Film auf Arte:

Reportage-Link zu Mission Wahrheit, mit der New York Times auf den Spuren Trumps auf Arte Teil 1, Teil 2, Teil 3 , Teil 4 noch bis: 05/12/2018

Film-Link zu Der die Zeichen liest von Kirill Semjonowitsch Serebrennikow Der die Zeichen liest noch bis: 06/12/2018

Etwas schwieriger tue ich mich mit

Der Weg in die Unfreiheit: Russland, Europa, Amerika von Timothy Snyder

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ich verlinke hierhin Der Freitag, im MDR – mit anderen Worten, es reicht nicht hin, Putin zu dämonisieren oder alleinverantwortlich machen zu wollen (das wäre denn doch zu einfach)

– was in den Debatten der letzten Monate zu kurz kommt: der Konsumismus, die Sucht und mit ihr die Verführbarkeit, die Faszination für Lug und Trug, Chaos und Thrill, die Suche nach dem großen Plot. Vergessen, dass das eigene Immunsystem hin und wieder gestärkt werden muss. Die Membranen werden durchlässiger, die Empfindlichkeiten nehmen zu, es wird nicht mehr miteinander geredet, es wird gebrüllt. Homo Sapiens kurz vor Eskapismus (=Realitätsflucht) und Abflug. Das allein der übergeordneten Lenkung, Vernunft oder Führung (=Fügung) zuzuschreiben, ist schon auch Teil der Lust an der Show. Der Spaß am Boom und BigBang.

Snyder ist weniger vor der Intention, Putin alles anzulasten, lesbar, sondern vor dem Hintergrund der Selbstreferenz auf eine westliche Kultur, die trotz (oder gerade wegen?) der Moderne sich gern verführen und belügen und betrügen lässt.

Seele gesucht. Und Geist.

Die sittliche Erneuerung wartet seit mehr als 20 Jahren auf Inhalt. Da dieser auf politischer Bühne nur noch verrechnet wird in Haushaltsdebatten, entstehen zwangsläufig Leerräume jenseits der Zahlen und Tabellen, die sollen und werden mystisch gefüllt und hypnotisiert. Beobachtbar bei den Biedermeiern und völkisch Nationalen, die keine rationalen Vorschläge zur Arithmetik der Gesellschaft liefern, sondern sie mit einer Mythenplage überziehen, die sich in den Begrifflichkeiten Heimat, Volk, Nation – im Urschlamm der Archaik – ein Zuhause sucht. Die Urhütte ruft. Die Familie als Hort des Glücks. Das Private will seine Heiligkeit zurück. Ein einziger Schrei nach Liebe. Da kommt die Kirche und mit ihr die Religion gerade recht.

Die Renaissance der Macht des Klerus.

Dem Volk seinen Nebel, den Schleier, die Rituale, das Festessen oder das Abendmahl zurückbringen. Opium fürs Volk hieß es unter Marx, heute will der in der Moderne Heimatlose: dem Mammon frönen und diesen denen wegnehmen, die ihn angeblich in seine selbst verschuldete Unmündigkeit gebeamt haben, alles schon da gewesen.

Neu ist beziehungsweise hinzugewonnen wurde: lass ihn dir absegnen vom Geist (Gottes), denn Gott ist bei denen mit den Schnellfeuerwaffen. (Weite Teile der Katholiken in Italien bekunden offen ihre Sympathien für Salvini.) Neu daran ist: Faschismus, Autokratie und pyramidiale Systeme sind digital zu denken mit Einparteiensystemen und Monotheismus. Diesen Misstand hatte das Christentum mit der Reformation angefangen aufzulösen. Die Reformation führte die Westliche Welt zu einer Effizienz vieler ihrer Mitglieder, die vor der Digitalen Revolution noch ohnegleichen war, die digitale Revolution nun macht alle effizient, der reformatorische und aufklärerische Impetus scheint sich zu überholen, im Gegenteil, der Mensch scheint sich über die digitale Revolution selbst zu enteignen, die freie Zeit nimmt zu (die Freiheit nimmt reziprok dazu ab, sie wird überbestimmt durch die Freiheit der anderen), die Arbeit wird umverteilt bzw. im Idealfall abgeschafft, die Langeweile gewinnt Raum, das Prinzip Brot und Spiele wird reinstalliert, der Gesättigte trifft auf den Gesättigten und neidet ihm seine Grundstücke. Die Freiheit einiger erfährt  inzwischen den Wechsel zur Kleptomanie. (Die Kleptokratie folgt ihrer Freiheit.) Oder wie heißt es so schön abergläubisch: Hochmut kommt vor dem Fall. Diesmal allerdings wird daraus ein Kniefall aller vor den Wenigen?

Die Gesellschaften stehen an der Kipplinie zwischen einer Welt als Scheibe, von der die andere Hälte hinuntergestoßen werden kann und einer Welt als Kugel, in der man sich immer wieder begegnet (und verfolgt).

Bekannt ist: Monotheistische Religionen sind unverträglich mit Reformatorischem, unverträglich mit der Macht, die vom Volk ausgeht, unvereinbar mit demokratischer Vielstimmigkeit, der Monotheismus predigt Gott Vater Sohn und Heiligen Geist als Hirte der menschlichen Seele, das menschliche Sein ruft nach Selbstverwirklichung, Liebe und Besitz. Der Monotheismus und mit ihm seine Religionen versprechen das ewige Leben. Der menschliche Wille findet sein Ende im eigenen Ableben. Die Schere zwischen Wollen und Haben führt zur Ambivalenz zwischen denen die haben und denen die wollen. Da das unweigerlich zu Kämpfen und Krämpfen führt, das Toben und Streiten und Zanken gerade auch durch die Digitale Revolution zugenommen haben, werden die Rufe nach Ordnung, System und Ruhe lauter, da bietet sich der Dreieinigkeitsmythos der christlichen Lehre geradezu an – auch der väterliche Gedanke eines Allah, ganz zu schweigen vom in sich ruhenden Buddha.

„Wir wollen nicht ein Stück vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei.“

Auch wenn hinter all diesen Heilsversprechen eine noch gähnendere Leere winkt als es die Moderne per se anbietet. (Es sei denn Beten hilft.) Gleiches Recht für alle, gleicher Raum für alle, gleicher Überfluss an Vielfalt wird neuerdings verwechselt mit einem sozialistischen Raum der Gleichmacherei und der Einheitspartei – die Wirklichkeit wird ausgeblendet; die lautet: noch nie war die Welt in sich vielfältiger, ambivalenter, disparater, chaotischer, spannender. Da aber zur Angewohnheit gemacht wurde, die Welt nur noch zweidimensional durchs Smartphone zu betreten und zu erleben, wirkt plötzlich alles wie gleicher unter Ungleichen (die Unterschiede sich nur noch in der Smartphone-Marke erkennen lassen?!). Da rufen die Sakralen und Klerikalen nach Ordnung und Struktur, nach Form und Ritual, obwohl die Ordnung durch die 50 quadratzentimeter Glasscheibe des Smartphone hergestellt ist, nur das Chaos im Kopf nimmt zu, davon man sich hin und wieder abstrahieren will.

Lass es die anderen richten, heißt es plötzlich, wir brauchen wieder Diktat und genauso Stringenz, Steuerung und (noch mehr an) Effizienz. Alle Macht dem Wolf unter den Schafen. Alle Macht dem Einen. Monotheismus und Demokratie bleiben unvereinbar. Umso weniger erstaunlich, als all die neuen Autokraten sehr starke Gottverbundenheit an den Tag legen. Erste Amtshandlung Bolsonaros: vor dem Volk im Fernsehen zu beten. Ein Schuft der dabei Schuftiges denkt.

Da kann hundertmal die Wahrheit versucht werden, die Wirklichkeitsverzerrung feiert Konjunktur, tatsächlich stellt sich zunehmend die Frage, was wird aus dem Homo Sapiens, wenn er/sie trotz immer höherem IQ hinter jedem noch so abstrusem Geist hertrabt. Wo Fakenewsveranstaltungen mehr Aufmerksamkeit ziehen als jeder demokratische Diskurs?

Aufmerksamkeitsökonomie

Eigenartig auch: der Populist darf alles geschmacklos und emotional unbescholten von sich geben, sich als Rambo seinem italienischen Volk breitbarten und den freien Verkauf von Schnellschussgewehren proklamieren, während der sich der Wahrheit oder den Tatsachen verschrieben hat, (der Aufklärung oder der Reformation, dem Humanismus oder der Gerechtigkeit), von denen am Horizont auferstehenden Klerikalen (Messianischen) verlacht wird, verhöhnt und ermahnt, geradeso, als stünde am Horizont eine Allianz der Heiligen der orthodoxen Religionen wider deren Gespenster von der Humanität.

Jeder Versuch, die Neuen Klerikalen bei der Gründung ihrer Sekten zu ertappen, kann per Klick und Drop und Hashtag gegengetweetet werden, und stellt nicht etwa die, die verschleiern, entsäkularisieren oder quäkern und sektieren wollen, bloß, sondern die, die aufklären.

Bisweilen ein Tweed um alte Rituale. Das Schwinden der Pyramide klerikalen Denkens beklagt den Verlust seiner (durchweg männlichen) Autorität und da das Versprechen der Partizipation aller an einer gerechteren Welt nach Diskurs der Aufklärer nicht für alle eingetroffen scheint, will die Autorität der Klerikalen und mit ihr die des Einen Gottes wiederhergestellt werden. Wo sich alle verarmt anfühlen, entsteht eine neue Dimension von Gerechtigkeit: macht die wenigen (Klerikalen) freier, und lässt alle anderen ärmer (bescheidener) werden, wenn wir dann noch von den Informationskanälen der Wenigen abgeschnitten würden, merkten wir als Arme dieser Welt nicht mehr, in welcher Welt wir leben. Lasst uns die Reichen der Welt nicht mehr sichtbar sein (vernehmen), lasst uns das Recht auf Erden durch Gott mitteilen, lasst uns die Wahrheit wegsperren, lasst uns zu jedem Tweed einen Gegentweed einfallen. Alles was ist, ist nur eine Sicht auf die Dinge. Alles andere ist, was ist, Fake.

Auch die Wahrheit nur ein anderes Wort für Fake.

Dass nun unter den neuen Autokraten Falschaussagen wie Wahrheiten verhandelt werden, scheint nicht mehr nur Methode zu haben, sondern verfängt insofern, als die Gegenargumente und Positionen nicht mehr zum Tragen kommen. (durch die Hohe Frequenz an Falschaussagen werden alle anderen Frequenzen überblendet) Man redet schnappatmend täglich und stündlich (Minütlich pro Sekunde!) aufs Neue über ihren Ungeist und ihre Unsitten, arbeitet und stellt die Menge ihrer Lügen heraus, und hat bald keine Kraft mehr, eigenen Überzeugungen zu folgen. (Du beschäftigst dich nur noch mit deren Lügen.) Wenn erst der Glaube an Humanismus, Aufklärung, Menschlichkeit schwindet … haben wir die Apokalypse der Johannesoffenbarung als Livemitschnitt hautnah zum Abendbrot mit Knalleffekt und Implosion – zum Brötchen mit Butter und Käse. (Zum Käse … s.u.)

… dass dem nun eine Verantwortung jedes Einzelnen vor dem Gesamten vorangestellt werden müsste, scheint zunehmend aus den Diskursen zu entweichen, die neuen Strategen arbeiten effizient: verwirre deine Gegner und marschiere weiter! (Möglichst in der Gruppe, im Sinn eines Gemeinschaftsgefühls! Das nennt sich neue Identität, gemeinsamer Wille und wenn das nicht hilft, greife zum Schwert – kauf dir ein Schnellschussgewehr.) Längst greifen keine Kontrollmechanismen – die Immunsysteme sind schon porös, allen voran fahren die Raumkapseln der Internetmonopole (die Sozialen Medien) ungebremst und ungezügelt dem nächstmöglich größten Blödsinn entgegen, sie nennen es Verschwörungstheorien, und spielen sich auf als Dämonen des freien Schlagabtauschs, als Gönner der Freiheit, ohne dafür in Haftung genommen zu werden. Am Ende der Demokratie es nichtmal einen Rechnungsempfänger mehr gibt für den Verlust der Freiheit.

Wenn erst die Internetmonopole in Sachen Freiheit und Demokratie das Gewaltmonopol innehaben, bzw. den Aufruf zur Selbstjustiz nicht unterbinden helfen, was bleibt da übrig?

Die Wahrheit, die Wahrheit! Macht Angst.

Das Nasegeweiß und Geplapper der anderen. (Ausnahme zur Regel: solange die Freiheit der Internetmonopole nicht beschnitten wird, ist auch das Feudale, Autokratische, Oligarchische oder Fürstliche der Initiatoren und Mentoren dieser Vernebelungswelten Programm (und kann ausgebaut werden).

Der Brainwash beginnt schon mit dem Hinweis: dass eine Demokratie diese Neudeutung der Freiheit wird aushalten müssen. (Die Freiheit einiger Weniger, alle anderen am Nasenring durch die Arena zu schleifen.)

Und eins kann man schon jetzt absehen: Die Demokratie kann es auf Dauer gegen Bits, Bytes, Bots und KI nicht aufnehmen, denn zur tragenden Säule der Demokratie gehört das Individuum, die Persönlichkeit, der Respekt des einen vor den anderen.

Die Persönlichkeiten aber stehen inzwischen einer Wand aus Bots und Fakes und künstlicher Intelligenz, auch Algorithmus genannt, gegenüber. Solange die Matrix (das Netz) in der Hand weniger ist, bleibt es ein Leichtes, die Bestechlichkeit der Vielen aufrecht zu halten. Durch die Verkrümmung und Verdrehung der Wirklichkeit. Die Realität des Einzelnen unter die Bedrohung der Anderen zu stellen. Der Wille zur Camouflage (=Verschleierung) führt in die Verzweiflung, der Lohn der Angst erzeugt Panik und Schauder mit hohem Unterhaltungswert, man könnte glauben, der letzte Tag bricht an. Täglich im Angesicht des Smart Phones. Big Brother ist keine Metapher mehr, sondern real gewordenes Diktat.

Scotty, beam me … bottomdown

Google will nichts dabei empfinden, China ein Google anzubieten, das im Sinne Chinas Zensur erlaubt. Facebook will nichts dabei empfinden, wenn Liebhaber des sog. 3. Reichs private Gruppen bilden und ihren Antisemitismus, ihren Rassismus und ihr Herrenmenschentum ausleben. Es gibt genug Leute, die nichts dabei empfinden, Server bereitzustellen, die Rassisten und Misanthropen anziehen. Was umso prekärer erscheint, als die Mischung aus Rassismus und Misanthropie vereinbar erscheint mit der Lehre von einem Gott, der Hirten als Stammeshäuptlinge einsetzt, die gegen Abtreibung sind, gegen Sex vor der Ehe, gegen Homosexualität, gegen Feminismus und gegen die, die Führerfiguren wie diese neuen Messianischen ächten – die ja nur Hirtenfiguren seien im Sinne Gottes als Seelenretter der Menschheit.

Beobachtbar ist auch: die Christlichnationalen oder Christlichfaschistoiden beherrschen inzwischen das Netz, und wenn man in weite Kreise der Wirtschaft hineinschaut, bekommt man das wahre Gefühl für Demokratie hautnah zu spüren: nach Diktat verreist.

(Das Märchen von erfolgreichem Wirtschaften, das nur unter demokratischen Verhältnissen möglich ist, wird ebenso gecancelt, China macht es vor.)

Das ist nichtmal mehr ein Punktsieg für die Autoritätsgläubigen, sondern ein „großer Sieg“ in der Fläche, in der Masse, der Breite, der Tiefe der Gesellschaft. Letzten Endes zieht das noch die Resignation jedes Einzelnen nach sich, oder es gibt bald eine Gegenbewegung … zu fürchten ist Ersteres … die Wahlergebnisse der Midterms zeigen es an. Wer, wie ich gehofft hatte, dass Trump einen Denkzettel verpasst bekommt, muss enttäuscht sein, wie viele diesem Dompteur (Eine Karikatur der Demokratie) noch immer ihre Referenz erweisen, und zu befürchten ist; diese Karikatur wird wiedergewählt in zwei Jahren (als Beweis für die Demokratie als Karikatur). Hoffnung macht, dass das Repräsentatenhaus bunter geworden ist, vielstimmiger, vor allem auch: weiblicher. Zu befürchten ist nun auch wieder: dies Bunte und Vielstimmige übertönt der Misanthrop mit einfachsten Mitteln. Zuckerbrot und Peitsche. Teile und Herrsche. So abgefrühstückt diese Begriffe auch sind, sie gelten noch immer. Es gegen das Bekannte nichts Unbekanntes einzuwenden gibt und umgekehrt, gegen Fakes sehen Wahrheiten bieder aus, uncool und so wenig Rock ’n Roll. Donald Trump ist der Auferstandene, der Messias, ein Jimi Hendrix im Vergleich zu Joni Mitchel. Mehr Gaga als Jazz. Mehr Punk als Klassik. Mehr Perücke als Glatze. Mehr wehender Mantel als Birkenstock. (Obwohl wer weiß.) Lasst uns beten.

Ein einziger Schrei nach Liebe

Da Trump Widerspruch kaum duldet, und aber beliebt sein will, besteht allerdings noch mehr Anlass zur Hoffnung: dass ihm, wenn seine vor allem männliche Gefolgschaft gesättigt ist vom ständigen Plot der Verwüstung, Zerstörung und Dekonstruktion, doch noch immunisiert und wieder auf Verantwortung, Respekt und Menschlichkeit zurückschaltet, ihm am langen Arm die Gefolgschaft schwindet, er schlussendlich nicht anders wird können als auf Präsidenten-Modus zu schalten, statt weiterhin Burger essend Wrestling und die Macht des Stärkeren zu promoten … er bald auch, das ist chaosimmanent in so einem verwüsteten Umfeld, Rivalen, Gegner und Dispositionen heranzüchtet, eigenartig ist auch: je mehr er auf der New York Times rumtrampelt, desto größer wird die New York Times. Ein fast schon entropisches Prinzip: Verunglimpfst du deine Gegner, vergrößert sich dein Schatten.

Aus der Schlusssequenz des Films Der die Zeichen sieht, prädikat sehenswert! (Da irrt ein Jüngling mit Bibelzitaten durch die Zeit, so entstehen etliche sehr eigenwillige Momente des Zusammenpralls von Wort und Gegenstand, oder anders: stell dir vor, du nimmst die Bibel wörtlich, und versuchst mit ihrer Hilfe die Wirklichkeit zu verstehen, zu deuten, zu interpretieren.)

„Ah … es gibt einen neuen Hirten? … Und wir sind die Schafe? Er sitzt da oben und wir sind alle unten. Und wer hat ihn gewählt? … Keiner. Das ist es ja. Niemand hat ihn gewählt. Das ist eine wunderbare Vorstellung. Eine wunderbare Vorstellung. Es gibt einen Vater, der sich um alles und jeden kümmert. Doch diese Vorstellung funktioniert nur, wenn wir Kinder sind. Wenn wir noch klein sind. Ein Vater, der wirklich alles sieht. Der nach seinem Gutdünken straft. Der irrational und grausam ist. Wieso verstehen Sie denn nicht, dass das eine totalitäre Diktatur ist?“

Weitere Empfehlungen:

Ein Blick auf dieses Interview in Brandeins – warum sich Tschaikowsky besser verkauft als Strawinski: Tschüss Tschaikoswky mit kleiner Liste der Komponisten aus der Romantik bis zur neuen Musik.

„Immer nur Käsekuchen macht keinen Spaß“: Berthold Seliger

Wer viel Zeit hat und Geduld und neugierig ist, wie sich die Sektiererei um die Bolschewiki und der Gottglaube im Sumpf Moskaus entfalten und gestalten ließ, dem sei dieses Monumentalwerk ans Herz gelegt, eine Rezension kann ich nicht anbieten, da ich es nur zum Frühstück lese, nie mehr als drei Seiten, das kann also noch eine Weile andauern. Yuri Sletzkine, das Haus der Regierung: Anbieten kann ich die Zeit, die Welt

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Außerdem, außerhalb der Reihe: „Papa, du musst jetzt gehen, damit wir in Ruhe frühstücken können“: aus dem Film Das Fest von Thomas Vinterberg. Ein entsetzlich starker Film, noch immer!

Mit besten Grüßen und Wünschen in die Runde.

 

 

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Ilse Aichinger – Die größere Hoffnung

Was eine Karussellfahrt, im Kreis geht es, vom Leben weg dem Tod entgegen, ins Blaue hinein, dem Morgenstern entgegen, am Rand stehen die roten Buchen und schlagen sich die Köpfe blutig – die Kinder kennen keine Scham, ihre Unmittelbarkeit geht über die Gefahr. Ein verstörendes Buch. Was tut man? Man sucht das Licht in dieser Kunst- wie Alltagssprache, die ist immer poetisch und klar. Ein Herz zerreißender Roman.

„Dein Haar ist schwarz und gekraust, du bist ein Fremder!“ Sie werfen sich auf das fremde Kind und wollen es verbrennen, da stellt sich heraus, es ist wohl David, König David, auf dem Weg ins Heilige Land, da wollen die Kinder auch hin, ein Spiel zwischen Himmel und Hölle, und die, die sind, so sagt er, sind immer und die nicht sind sind nie. Die aber sind, sind überall, und die nicht sind sind nirgends. Die glauben zu sein, sind nicht, nur die zweifeln an sich, dürfen landen, nur die gelitten haben.“

„Das Leben eine Zumutung, das Sterben auch.“ Sagt Ilse Aichinger, geb. 1921 in Wien, gestorben 2016 in Wein, 95 Jahre gelebte Gegenwart. Ein verstörendes Buch. Und so nah. Die Ellen, Kind zweier falscher Großeltern, die Kinder, mit denen sie spielt, sind Heimatlose, niemand verbürgt sich für sie, und versuchen zu fliehen, zu überleben, über geschlossene Grenzen hinweg. Die Nachricht „Es ist alles abgeblasen, die Deportationen nach Polen sind eingestellt“, erweist sich als frohe Botschaft die nicht stimmt.

Du bist in diesem Roman in unserer Zeit, hier heißen die Botschaften Fakenews, die Kreisfahrt der Erzählung ist die hundertachtzig Grad Kehre der ewigen Leugner, die Schreckensnachrichten sind real kaum in Sprache zu gießen, du wünscht dir über alles surreale Landschaften aus Friedenstüchern in Weiß, in leichtem Singsang, tatsächlich dröhnen die Schuhe und Rufe durch Straßen, dass du glaubst, das Abendland selbst ist wieder Rächer der Entgleisten. Es hat sich nicht gelohnt das alles zu erleben, zu erzählen, wenn zwei oder drei von denen meinen, es muss sich wiederholen. Wenn Deutschlands rechte Arme wieder steifgeworden zum Gruß Muskelkraft proben und Stimmengewalt.

Ilse Aichinger benennt den Faschismus nichtmal unmittelbar, sie lässt ihn in düsteren Bildern erstehen, und auch das ist nicht, was erzürnt oder erschreckt – das kennen wir: die Nationalsozialisten wurden schon bei Fallada zu Die Anderen, bei Erich Nossack ebenso. Auch bei Alfred Andersch Sansibar und der letzte Grund konnte ich das sehen. Selbst das Thema der Flucht ist kein neues, das hatten wir bei Franz Werfel in Jakobinsky, in Anna Seghers Transit, selbst das Surreale, oder besser Irreale kennen wir schon aus Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert, anders ist hier die Erzählerperspektive, das Kind. Das hat zwei falsche Großeltern. Die dürfen noch nicht deportiert werden, da das Kind noch Kind ist. In Aichingers Leben selbst wird dann bei Volljährigkeit der Ilse die Großmutter deportiert.

Was das Buch lesenswert macht, schamlos und gnadenlos: es ist aus ihrer Zeit wie für unsere Zeit. Das Surreale, Irreale, der Expressionismus, all das ist zurück, wir leben in Welten der Gegenwelten, jeder dreht dem anderen einen Bär auf, wo nichtmal ein Glimmstengel ist. Du bist in den Geschichten hoffnungslos dem Erzählstrom ausgesetzt, der innerhalb weniger Sätze wechselt zwischen hier wie dort jenseits wie diesseits, und ob da der Kraushaarige wirklich verbrannt werden will, kannst du gleich auch den Kinderphantasien zuschreiben, was zum Schluss jäh desillusioniert wird, denn das Kind, die Ellen, „wurde, noch ehe die Schwerkraft sie wieder zur Erde zog, von einer explodierenden Granate in Stücke gerissen. Über den umkämpften Brücken stand der Morgenstern.“

Und aus.

Zehn Kapitel hat der Roman, wenn du so willst, Erzählungen. Sie sind im Einzelnen scheinbar leicht zu lesen, wegen der einfachen Sprache, aber doch – aufgespasst – es ist mir vorgekommen wie ein schonmal geschriebenes Werk, auseinandergeschnitten und an beliebigen Stellen wieder zusammengesetzt, so wie Kinder erzählen, mal hier mal dort, es fliegen dir so manches Mal die Geschichten auseinander, und setzen sich nur im Kopf wieder zusammen – bist selbst eine andere Geschichte geworden.

ein Geflecht aus Traum, Märchen, Mythos und Historie. Monologe wechseln ab mit Dialogen, auktoriales Erzählen mit personalem *Florian Wille in der Süddeutschen 2007

Faszinierend der Wechsel zwischen Realem Stoff und dem Stoff im Traum. Furchtbar, was sie da spielen, furchtbar was sie phantasieren, und doch sind es nur Kinder, denkst du. Bedenkst du, dass Kinder Geisterkutschen vom Blau des Morgenhimmels heruntererzählen. Kinder haben keine Angst, auch das verlassene Kind hat keine Angst? Ilse Aichingers erster und einziger Roman, und jetzt, da Deutsche glauben, es sei an der Zeit, Kinderköpfe mit Schreckgespenstern ihrer Ahnen und Vorfahren zu stopfen, möchte man rufen: Gebt euren Vätern und Müttern ihr Leben zurück, schenkt es euren Kindern auch, oder wollt ihr ewig daran glauben, dass es gut sei, des anderen Menschen Leben zu stehlen?

Ein weiterer Aspekt dieses Romans: Für Schriftsteller*innen und solche die es gern sein wollen, ein großartiges Lehrbuch, wie du Wirklichkeit behandeln kannst, wenn du von ihr gefangengesetzt scheinst. Gilt auch für die, die glauben, von ihrer Phantasie verschlungen worden zu sein. Und aber auch: Ganz hohe Kunst! Nicht umsonst immer wieder hervorgeholt. Ich lese sie schon zum dritten Mal. Die Wirktiefe lässt keineswegs nach.

Wer will hier auch:
https://oe1.orf.at/artikel/455347 oder hier:

https://www.deutschlandfunk.de/unerkundbar-undurchschaubar.700.de.html?dram:article_id=85284

Als Taschenbuch:

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Ich beziehe mich auf ein Erbstück aus Mutters Sammlung mit einem Begleittext von Helmut Koopmann aus der Reihe Bibliothek des 20.Jahrhunderts herausgegeben von Walter Jens und Marcel Reich Ranicki.

Außerdem in der Reihe 1oo Bücher Bibliothek der Süddeutschen Zeitung Band 72.

 

 

 

Der Ghostwriter ist tot – RIP Philip Roth

Kaum ein Autor dessen Texte beim Lesen so nachhallen – Kann mich erinnern, wenn ich nicht weiterwusste mit dem Eigenen – Roth lesen, zwei Stunden, und das Gehirn, das Herz, der Bauch ist wieder gefüllt. Du kannst ihn aufschlagen wo du willst, es springt dir eine Geschichte entgegen:

S.149 Mein Leben als Mann:

Bevor ich meine Wohnung verließ, verbrachte ich allerdings mehrere Stunden mit dem Abfassen verschiedener Briefe an Susan, in denen ich ihr mitteilte, wohin ich reisen würde – und dann zerriss ich sie alle. Aber was, wenn Susan mich „brauchte“?

s. 67 Portnoys Beschwerden:

„Und gibt es, so wie die Dinge liegen, nicht genug ganze Worte, die man sich hinter geschlossenen Türen zuflüstern kann? Es gibt sie! O ja, es gibt sie! Hässliche und kalte Worte, die nach dem Äther und Alkohol der Krankenhausgänge riechen, Worte mit dem Charme steriler chirurgischer Instrumente, Worte wie Abstrich und Biopsie … Und dann gibt es jene Worte, die ich allein zu Hause, verstohlen im Lexikon nachschlage, nur, um dort zu sehen, als greifbare, augenscheinliche Gewissheit dieser entferntesten aller Wirklichkeiten gedruckt zu sehen, Worte wie Vulva und Vagina und Zervix, Worte, deren präzise Erklärung mir nie wieder als Quelle unerlaubter Lust dienen wird …“

s. 20 The Great American Novel

TOD

„Zehn Tage sind vergangen, vier davon unter einem Sauerstoffzelt, wo ich aus der Bewusstlosigkeit erwachte und mich in eine Frühgeburt verwandelt wähnte. Nicht nur ein ganzes Leben lag vor mir, sondern noch zwei Monate als Dreingabe dazu!“

Endlos kann man diese Bücher durchzitieren, es sind Wendungen und Windungen pro Satz, Richtungswechsel, Mehrfacherzählungen – Assoziationsströme und Bewusstseinsverlagerungen, kaum ein Autor beherrschte das Umfahren von Slalomstangen so gut wie der gestern im Alter von 85 verstorbene Autor Philip Roth!

Geeinigt hat sich die Literaturkritik auf seine Trilogie des Nathan Zuckerman „Der Ghostwriter“, „Zuckermans Befreiung“ und „Die Anatomiestunde“. – Und schließlich der Höhepunkt seiner Kunst: „Der menschliche Makel“ und „Verschwörung gegen Amerika.“ Als schämte er sich sogar für die Verschwörung gegen Amerika, da er schrieb, wie Charles Lindbergh, der berühmte Fliegerheld, Faschistenfreund und Antisemit, im Jahr 1940 einen erdrutschhaften Sieg über Franklin D. Rossevelt erlangt und sich Angst unter den Juden Amerikas ausbreitet, verkündete Philip Roth 2012, keine literarischen Werke mehr zu verfolgen:

„Der Kampf mit dem Schreiben ist vorbei … Jeden Morgen schaue ich auf diesen Zettel (am Computer festgemachter gelber Zettel), und das gibt mir sehr viel Kraft.

Ein Schock für die literarische Öffentlichkeit, ein Schock für mich. Jetzt, auf dem Höhepunkt der Umkehrung von Faktenlage zur reinen Spekulation und der vielfachen Verschwörungen lehnt er sich zurück und bestaunt sein eigenes Werk – dachte ich für mich – jetzt, wo alles gesagt scheint und aus sich herausgepresst, und die Weltgeschichte sich dem selbstprophezeiten Taumel ergibt – schweigt er. Jetzt wäre er nötiger denn je, dachte ich. Allein, es war schon geschrieben, sein Werk vollbracht. Wir können das alles noch einmal lesen.

S. 249 Sabaths Theater

„Jetzt begann sie über die Szene zu lachen, die er ihr so slapstickhaft vorspielte. „No“, sagte sie und tätschelte ihm missbilligend den Oberschenkel. „No loco.“

Diese Schnipsel – wie ich sie liebe. Pro Satz eine Geschichte …

Aus „Mein Mann, der Kommunist“, fällt mir dann eine Postkarte entgegen. Darauf steht: Hallo Du. Das Buch habe ich gefunden, laut Kritiken wäre es ziemlich zynisch. Musst mal sehen, ob du damit was anfangen kannst. Ich denk an dich und freue mich auf Freitag. Kuss … Ich. Wer war dieses Ich. Telefonnummer Gabriel kann ich noch erkennen – wer war Gabriel? Dass space-ige der Postkarte, eine grünglitzernde Spirale, lässt mich Rosa vermuten, vielleicht war es Mara – ich weiß es nicht mehr.

s.123 Mein Mann der Kommunist

„Ich habe Angst vor dir, Ira“, sagte Goldstine. „Ich hatte schon immer Angst vor dir. Du bist ein wilder Mann, Ira. Ich werde nicht warten, dass du mir antust, was du Butts angetan hast. Erinnerst du dich an Butts? Erinnerst du dich an den kleinen Butts? Steh auf und verschwinde, Eisenman. Und nimm den kleinen Arschkriecher mit.“

Typisch wieder. Ein treibender Erzähler, die Wendungen lassen dich erst ruhen, wenn du durch bist? Das Gleichgewicht wahren – die Extreme in einem Satz. Ein Jongleur ungleich schwerer Kugeln – und doch hat man nie das Gefühl, dass er die Balance nicht hinkriegt. Beispiele, Beispiele.

S.145 Amerikanisches Idyll

„Ihre ganze Energie, die Kraft des Widerstands, die sie zuvor anderwertig eingesetzt hatte, trat jetzt ungehindert zutage; und dadurch, dass sie die alte Behinderung einfach ignorierte, erlebte sie nicht nur zum ersten Mal in ihrem Leben das volle Gefühl der Freiheit, sondern auch die berauschende Macht der Selbständigkeit.“

Ich sag’s doch. Endlos zitierbar –

S.155 Der menschliche Makel

„Es machte ihm so viel Spaß, mit ihr zusammenzusein, dass eines Nachts die Wahrheit einfach aus ihm heraussprudelt. Er erzählt ihr sogar, dass er geboxt hat, und auch das ist etwas, dass er Steena nie sagen konnte. Bei Ellie ist das ganz leicht.“

Das Profane mit Sportlichem, das Lächerliche mit Überhöhtem, die Übertreibung mit Konkretem. Niemand konnte das so drängend, pausenlos und so einfach – trotzdem so, dass das Gehirn beim Lesen viele Löcher ausleuchtet, viele Schattenbereiche – wie gesagt. Die Tiefe, ja. Der Sexus. Ja. Die Selbstironie. Ja. Die Reflektion. Die Wandlung. Das Werden, die Charakterbildung, das Kämpfen um Worte – das alles ablesbar in einem mehr als dreißig Bücher dicken Werk. Unvergessen die Jungs, die um die Wette furzen und einem der Typen dabei Festland abging.

Und wenn von einem Namen nur der Ghostwriter bleibt – schon Nathan Zuckerman hatte es mit der Suche nach einer Vaterfigur – durch sich, durch seine Frauengestalten, durch jede Pore atmet oder schimmert ein Spiegel, in der die Täuschungen und Enttäuschungen nebeneinander zu stehen scheinen und zu erkennen sind wie all die inneren Bilder, die dich entweder betrügen oder neu aufstehen lassen. Ein Autor aus dem Vollen. Ein Autor, der es nicht scheute, Triviales wie Sport, Anstrengendes wie Familie und Hintergründiges der Literaten- und Kunstwelt mit der Verruchtheit der Präsidentensuite zu paaren oder zu verflechten. Er muss, sich selbst fortschreibend, beim Verfassen des einen Buchs schon ans nächste gedacht haben. Sich hinters Licht zu führen, um daraus wieder Stoff zu gewinnen.

Jetzt hat er das Licht ausgemacht. Man wird und darf gespannt sein, was der Nachlass hergibt. Das dürfte, bei dem Werk, ein sehr umfangreicher Zettelkasten sein – vielleicht täusche ich mich.

S. 77 Täuschung

„Also, folgende Situation. Zuckerman, meine Hauptfigur, stirbt. Sein junger Biograph isst mit jemandem zu Mittag, und er spricht über seine Schwierigkeiten, mit dem Buch in Gang zu kommen. Er ist auf einen krassen Mangel an Objektivität in der Reaktion der Leute auf Zuckerman gestoßen. Von jedem bekommt er eine andere Geschichte. Es gibt zwei Alpträume für einen Biographen, sagt er. Einer ist, dass du von jedem dieselbe Geschichte bekommst, und der andere ist, dass du von jedem eine andere Geschichte bekommst. (…)“

Nachdem vermute ich einen schlummernden Zettelkasten. Könnte aber auch sein, dass der einsame wilde Mann die letzten Ruhejahre genutzt hat, alle Spuren zu verwischen. Denn es gibt nur einen Zuckerman. Nur einen Philip Roth. Nur einen Ghostwriter. Ruhe Sanft du ständiger Begleiter. Wenn ich einen Autor wirklich hochgeschätzt habe, dann Philip Roth.

Life is just a short period of time in which you are alive.

— Philip Roth , Amerikanisches Idyll

 

Nachruf in der FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/nachruf-auf-philip-roth-ein-riese-unter-den-grossen-15602963.html

 

Rom, Träume – Räume – Bilder

… Mussolini, Faschismus und der Film Noir, Pasolini, Morante, Moravia, Gadda und die Zeit des Dolce Vita. Raffael, Leonardo, Michelangelo. Das alte Rom, das Kaiserrom, das Italienische Rom. Der Vatikan, die Via Alta, der Plaza del Popolo, die spanische Treppe. Zaha Hadid, Peter Eisenman, Bruno Zevi, Lucio Passarelli, Renzo Piano. Das die wenigen Begriffe und Namen, die spontan durch den Kopf geistern. Rom die ewige Stadt. Rom der Puls am Tiber. Rom die Touristen. Rom der Lärm. Rom die Ruhe. Die vielen Kapellen.

Rom, Räume – Mussolini

9783937834658Unbedingt empfehlen will ich das Buch von Maike Albath: Rom, Träume aus dem Berenberg Verlag 2013, damals gelesen, heute gelesen, zwei unterschiedliche Welten gesehen – jetzt wo ich vier Tage in dieser mehr als widersprüchlichen und lauten und schönen wie historisch überladenen Stadt war. Jetzt wo ich mich erinnere und noch einmal lese:

„Ein Volk, das Verbrechen seines Regierungschefs toleriert, wird zum Komplizen dieses Verbrechens. Schlimmer noch: Wenn es sie unterstützt und auch noch applaudiert, wird es sogar zum Verursacher dieser Verbrechen (…) Ob die Mehrheit des italienischen Volkes wusste: dass die meisten seiner Taten Verbrechen waren? Fast immer wusste es das, aber die Italiener sind so beschaffen, dass sie ihre Stimmen eher dem Starken geben als dem Richtigen, und wenn man sie zwischen Vorteil und Pflicht wählen lässt, entscheiden sie sich, auch wenn sie um ihre Pflicht wissen, für ihren Vorteil. Mussolini, ein mittelmäßiger Typ, grob, ohne jede Kultur, von vulgärer, aber effektvoller Beredsamkeit, war ein perfekter Spiegel der Italiener. Im Innersten schwach, aber Bewunderer der Stärke, entschieden, gegen seine Natur stark zu wirken. Käuflich, korrumbierbar. Ein Schmeichler. Ein Katholik, ohne an Gott zu glauben. Er bestach andere. Eingebildet. Eitel. Gutherzig. Eine simnple, berechenbare Sinnlichkeit. Ein guter Familienvater, aber mit Geliebter. Skeptisch und sentimental. Mit Worten gewalttätig, doch vor der Grausamkeit und der Gewalt floh er und zog Kompromisse, Korruption oder Erpressung vor. An der Oberfläche leicht zu rührern, doch nicht in der Tiefe. Wenn er Gutes tat, dann aus diesem Grunde oder aus Eitelkeit, um seine Macht zu ermessen. Er bezeichnete sich als volkstümlich, um der Mehrheit zu schmeicheln, tatsächlich war er ein Snob und verehrte das Geld. Er hegte tiefe Verachtung für die Menschen, aber ihre Bewunderung tat ihm gut. Wie eine Hure, die sich von einem alten Mann aushalten lässt und dann mit einem jüngeren Liebhaber über ihn lästert, polemisierte Mussolini gegen das Bürgertum und machte sich bei der Masse beliebt. Sie wie die Hure glaubt, von einem jungen Schönen geliebt zu werden, der sie jedoch nur ausnutzt und verlassen wird, wenn sie ihm nicht mehr nützt, verhielt sich Mussolini mit der Masse. Ihn blendete das Prestige bestimmter Begriffe: Geschichte, Kirche, Familie, Volk, Vaterland usw. Die Substanz der Dinge begriff er nicht, er verachtete sie aus Unverständnis. Die Substanz der Dinge begriff er nicht, er verachtete sie aus Unverständnis, aber auch aus Egoismus und Ungeschlachtheit.“

Zitiere ich aus Maika Albath, Rom, Träume – sie wiederum zitiert aus den Tagebüchern Elsa Morantes vom 1.Mai 1945, als Mussolini und seine Geliebte Clara Petacci von Partisanen hingerichtet wurde. Rom die Stadt der Gegensätze. Wo wir überall waren:

Renzo Piano,  Auditorium Parco della Musica

Pier Luigi Nervi, Palazzetto dello Sport

Palazzetto dello Sport

Zaha Hadid – Maxxi Museo Nationale

Derzeit eine absolut empfehlenswerte Ausstellung über Bruno Zevi noch bis zum September. Als über Architektur noch lebendig gestritten und diskutiert wurde. Btw man sich auch für Berlin wieder eine offene Diskussion wünscht und nicht immer nur Leitbilddebatten. Du am Beispiel Rom eine mehr als zweitausendjährige Schichtung ablesen kannst und verfolgen. Du sicher die Frage stellen kannst, wie es möglich ist, ein Forum Mussolini unkommentiert und frei von jeder Wertung öffentlich und nicht bewacht „auszustellen“ – oder zu zeigen. Selbst die Bodenmosaiken dem Duce Referenz erweisen. Oder, Höhepunkt: ein vorbeikommender Jogger sich vor der Duce-Säule bekreuzigt. Da ich im Museum keine Bilder von der Ausstellung geschossen habe, der Katalog mir auch nicht zusagte, hier ein paar Suchergebnisse zu den dort ausgestellten Architekten: Lucio Pasarelli Maurizio Sacripanti, Luigi Pellegrin, Franco Albini, Giovanni Michelucci, Mario Ridolfi and Carlo Mollino last but not least: Bruno Zevi

Foro Mussolini

DUx Mussolini

Ja, er bekreuzigte sich angesichts dieses steinigen Phallus. (der Schattenmann dort hinten … ;o) Dann das Skulpturenkabinett – was eine Groteske oder Satire auf den Faschismus – wo man es ernst meinte, des männlichen Stärkegefühls, sie stehen dort und schauen grimmig, manch einer wirft Steine. Foro Mussolini

der gleiche hercules im verbund

VIA APPIA Wiki

via alta

Goethe sitzt hier in Front des Grabmals der Caecilia Metella:

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VIA MARGUTTA Wiki

Aus Wiki: Die Gasse wurde 1953 durch das Paar Gregory Peck und Audrey Hepburn in Ein Herz und eine Krone bekannt. In der Via Margutta wohnten unter anderen Giulietta Masina, Anna Magnani, Federico Fellini, Renato Guttuso und Giorgio de Chirico. Früher malten noch in der Nähe Pablo Picasso, Gaspar van Wittel, Jusepe de Ribera, Nicolas Poussin, Pieter van Laer und Peter Paul Rubens.

Das Monumente Emanuele II Wiki, auch Schreibmaschine genannt, von niemandem geliebt, von allen mit Verwunderung bestaunt

Die Villa Farnesina – Raffael und die Renaissance Wiki

Tempietto di Bramante Wiki

Aus Wiki: „Er wurde über der vermeintlichen Kreuzigungsstelle des Apostels Petrus von dem italienischen Renaissance-Baumeister Donato Bramante errichtet, nach dem er auch benannt ist. Die Bedeutung dieses Kirchenbaus liegt in der Zusammenführung eines antiken Peripteros-Tempels mit neuen römischen Architekturelementen in harmonischen und eleganten Proportionen. Der Tempietto gilt als Schlüsselwerk der Architektur der Hochrenaissance, wie auch als Initialbau für den Typ der zentralen Grabeskirche.“

Hin und wieder eine Pasta, ein Spritz oder ein Bier aus der Provinz – der Rotwein – alles in allem eine Stadt, die sich dir auf den ersten Blick wuchtig, architektonisch und ebenso dicht wie kolossal darstellt, und im zweiten Blick erst erschließt, oder seine eigene Geschichte erzählt pro Ort und Straße. Im ersten Blick Menschen, viele, am Petersdom genauso wie in der Via del Corso, hin und wieder das Militär seine Soldaten abstellt, in der U-Bahn, am Plaza Spagna oder an der Villa Medici. Das Chaos im Parlament mit gescheiterter Regierungsbilung sich im Chaos der durch die Gassen quälenden Autos und Motorroller spiegelt, um am nächsten Tag schon eine erfolgreiche Gesprächsbereitschaft der Rechten mit den sogenannten Liberalen (die 5Sterne Bewegung) ohne Berlusconi zu verkünden. Das Gewusel auf den Straßen davon nichts mitbekommen hat. Anfangs wirkten die Römer auf mich unnahbar, städtisch gehetzt – kommst du ein paarmal am gleichen Ort vorbei, wird schon gegrüßt, stehen zwei oder drei zum Gespräch zusammen, ganz perdu. An Rom scheiden sich die Geister, heißt es, die Widersprüche sind unübersehbar. Um die Tiefen zu ersehen oder zu erblicken, werden wir ein zweites Mal hinfahren müssen.

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Petersdom und Vatikan sahen wir nur im Vorübergleiten – zu viele Eintrittssuchende. Michelangelo wurde von den Decken und Wandmalereien des Raffael in der Villa Farnesina mehr als kompensiert.

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Rom Stadtgrundriss:

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Berlin Stadtgrundriss:

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ein Zufall nur?

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Beste Grüße in die Runde!

 

 

Fueilletonitis – von Kantor über Murkx zum Blubber-Bingo

NZZ:

Die russischen Intellektuellen haben sich korrumpieren lassen – Begegnung mit dem Freigeist Maxim Kantor

„Wie seine Farben trägt Kantor auch Geschichte gern opulent auf, wobei er mitunter die Grenze zur Überorchestrierung streift, wenn nicht überschreitet, zumal sein umfangreicher Roman mit einer Mephisto-Gestalt auch ins Phantastische umschlägt und sich geschichtsphilosophischer Spekulation nicht verweigert. Letzteres reiht sich ein in die russische Tradition der essayistischen Erzählung, wie sie etwa Wassili Grossman in «Alles fliesst» gehandhabt hat.“

DIE ZEIT:

Gibt es gar nichts zu sagen?

Jana Hansel erkämpft oder nichtbekämpft die Lethargie der sog. linken Intellektualität mit dem Emporkömmlichen rechter Denke. (der gegenseitige Vorwurf des Pharisäerns der Wirklichkeit Fußfessel Hohn und Spott beschreibt) Niemand traut sich zu widersprechen?

Schaue ich in den Kommentarbereich, sehe ich die üblichen „Gesinnungsethiker, das System der Open Borders, die besserverdienende Libertinage oder die Zerrbilder einer Bourgoisie, den historischen Endkampf und hochfantasierte Interventionen und die Anstellungskörperschaften, die Abkömmlinge der Avantgarde, den Tunnel der Doofheit, den schwarzgrünhellroten Plan, die Jubelrufe der moralkapitalistischen Basis“,

vor allem erkenne ich dick aufgetragen:

liberale, kapitalistische und kulturlinke Werte, ökologischer Landbau, bildungsbürgerliche Milieus, nettes Lifestyle-Accessoire“, dabei dient mir ein einfacher Filter: je höher ein Kommentar bewertet ist, desto sicherer die Fangquote: „warte darauf, dass Günther Grass von den Toten aufersteht und uns mit seiner obligatorischen politischen Grütze überzieht und den verbliebenen rotgrünen Champagnersozialisten ein Lächeln ins Gesicht zaubert“ … oder „Dieses unsägliche Schwadronieren“  (gemeint ist Habermas) und gleich nochmal: ein Dummschwätzer vor dem Herrn – warum ich dazu nichts sagen kann? // Das Niveau, Frau Hansel, das Niveau. Muss ich denn jedes Stöckchen springen? Muss ich?

Der Spiegel:

Der rechte Glaube

Es gibt Christen in der AfD – und Rechte in den Kirchen. Wie bringen sie ihren Glauben in Einklang mit Hetze und Rassismus? Was nicht passt, wird passend gedacht. von Annette Langer

„Der Schutz des ungeborenen Lebens, das traditionelle Familienbild und die Ablehnung der Homosexualität sind Themen, die die AfD für einige Christen attraktiv machen“, sagt der Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge. „Aber diese Gläubigen wissen nicht, was sie alles miteinkaufen. Sie werden zum Feigenblatt für eine Partei, die die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie demontieren will.“

Sueddeutsche Zeitung:

Attackieren! Ignorieren! Argumentieren!

Mit dem Einzug der AfD ist der Ton im Bundestag rauer geworden. Die anderen Parteien wählen sehr unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem neuen Gegner. Von Stefan Braun und Jens Schneider, Berlin

„Eines hat sich mit dem Einzug der AfD in den Bundestag auf alle Fälle geändert: die anderen Parteien werden ganz neu herausgefordert. Sie müssen teilweise beißende Kritik über sich ergehen lassen. Sie müssen mehr denn je auf die Einhaltung der Regeln achten, um dem Vorwurf zu begegnen, sie würden die Rechte der AfD einschränken, sie mithin diskriminieren. Und sie müssen sich jeden Tag neu überlegen, wie sie auf Anwürfe und Provokationen reagieren.“

Die Presse:

Nazis & Goldmund: Was (rechte) Sprache verrät

„Wörter sind Waffen. Wir holen sie uns zurück“, so Steinbuch. „Aber nicht, um Feindbilder zu zementieren, sondern: Wie können Literatur und Kunst zu einer emanzipierten, kritikfähigen Gesellschaft beitragen? Auch, zu hinterfragen: Was heißt ein Wort wie Freiheit oder Demokratie heute noch?“, ergänzt Arzt. Im täglichen Fluss immer neuer Meldungen verursacht eine problematische Aussage vielleicht einen kurzen Aufschrei, Aufregung verebbt schnell wieder. „Wir aber machen halt und sagen: Schaut, dieses Wort, dieser Satz ist gefallen“, erklärt er. Steinbuch pflichtet bei: „Wir wollen die Komplexität von Begriffen vor Augen führen, so, dass man anfängt, nachzudenken.“ Link zu den Poeten hier (der im Artikel funzt net)

Der Tagesspiegel:

Genial verdorbener Witz – Tristam Shandys Lawrence Sterne für 98 Euro

„Für Goethe und Nietzsche war er „der schönste Geist“ und „der freieste Schriftsteller“ seiner Zeit. Lessing, einer seiner begeisterten Leser, hätte dem bereits mit Mitte fünfzig Verstorbenen gern fünf Jahre seines Lebens abgetreten, „und hätt ich auch gewiss gewußt, dass mein ganzer Überrest nur acht oder zehn betrüge, mit der Bedingung aber, dass er hätte schreiben müssen, gleich was, Leben und Ansichten oder Predigten oder Reisen.“

Außerdem im Tagesspiegel:

Unser Mann im Kinosaal

Das „Schreibheft“ präsentiert den Schriftsteller Graham Greene als Filmkritiker.

„Nein, so geht Filmkritik wirklich nicht mehr: so hopplahopp ohne Gespür für den ersten Satz gleich ins Meinen hineingesprungen. So wertungsversessen vor jedem Bemühen, Tonfall und Atmosphäre szenisch zu veranschaulichen. Und zum Teil so glanzlos heruntergefiedelt, als wüsste der Autor dieser Texte aus den Jahren 1928 bis 1941 nicht, welche Möglichkeiten intelligenter Journalismus bietet. Wie kommt es, dass es trotzdem ein Vergnügen ist, Graham Greene bei der Arbeit zuzusehen?

Ein nicht unerheblicher Reiz besteht sicher darin, den britischen Weltklasseerzähler in unkonzentrierteren Momenten zu ertappen – und gleichzeitig zugeben zu müssen, dass sich auch im Parlando eine erstaunliche Beobachtungsgabe versteckt.“

Standard:

Künstliche Intelligenz als Poetin: Als die Maschine lernte, Klassiker zu sein

Computer schreibt Gedicht im Standard

Auf den ersten, flüchtigen Blick erregt das untenstehende Opusculum keine besondere Aufmerksamkeit. Ein Geheimnis hüllt gleich die Anfangsstrophe in ein diffus verschwimmendes Licht. „Auf der Flucht gezimmert in einer Schauernacht“: Es fällt schwer, diese Aussage nicht für selbstbezüglich zu halten. Häufig genug machen moderne Texte von der Möglichkeit Gebrauch, von sich selbst zu sagen, was es mit ihnen auf sich hat. Um den Leser nur umso gezielter hinters Licht zu führen. –

Sonnenblicke auf der Flucht

Auf der Flucht gezimmert in einer
Schauernacht.
Schleier auf dem Mahle
Säumliche Nahrung, dieses Leben.

Die heiligen Lippen der Schande. *grrrrrrrrr

Im Tagespiegel:

Schwätzer, Trolle, Wortverdreher

Wie für unsere Zeit geschrieben: Mit „Humbug und Variationen“ des Rumänen Caragiale ist einer der großen Spötter der Weltliteratur zu entdecken:

„Von Ion Luca Caragiales Feder zum Rrrumänen geadelt, besitzt er nicht viel Haltung, dafür Meinungen im Übermaß. Im Politischen eignet ihm ein haltloser Wankelmut, dem nur der patriotische Blick auf den äußeren Feind Einhalt gebietet. Im Privaten hält er es ähnlich. Denn nachdem er sich aus den Hitzen der Jugend ins Phlegma der mittleren Jahre geflüchtet hat, verteidigt er mit schlitzohriger Sturheit nur den müden Anschein seiner bürgerlichen Ehre. Die wahre Rrrumänin ist nicht besser. Sie hält sich nur dafür. Mit ein paar Brocken Französisch macht sie auf Dame von Welt, lebt ansonsten aber in der tiefsten Provinz ihres geltungssüchtigen Herzens, und das am liebsten auf Kosten anderer.“

Zum Buzzword-Bingo, auch Bulshit-Bingo oder Besprechungs-Bingo gibt es auf Wikipedia Passendes.

Was bleibt? Der Schwarm der Schmarrn. Der Schaum der Löffel. Das Helium frisst die Luft. Das Selbstzeugnis als Programm. So sammeln sich die Fragen. Alles sichtbar. So viele der Fragen – die Antworten warten auf den nächsten Crash. Das Fatale am System, es wird auch die treffen, die ihn herbeizitieren. Die Uhr steht täglich kurz vor Zwölf. Egal an welchem Ende der Welt du dich befindest.

 

Schönwetter Blues – I should have a Party

unverkennbar der Sommer kommt!

Aus der Abteilung Blues and Roots Zoe Schwarz Blue Commotion trocken irdisch kraftvoll, very british – ;o) UK-Blues-Award !! Qobuz: Zoe Schwarz Blue Commotion ; Artists Homepage Paul Robinson drums, Pete Whittaker piano, Rob Koral guitar, Zoe Schwarz vocal Reviews: „The bluesy vocals of Zoë Schwarz have won a significant following. Her combination with the […]

über Zoe Schwarz Blue Commotion + Others — Verhoovens Jazz

bei dem Wetter ! Schönen Sonntag noch und kommt gut in die Woche, nehmt euch die Platte mit aufs Ohr und genießt den Sommer !  Further on up the Road – meinetwegen auch das

Die Beste Clapton Platte aller kannst du sagen was du willst:

eigentlich wollte ich was anderes posten. Mal wieder Text liefern. Die Musiker aber haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt, wo die Laune ganz obenauf ist (noch ein Tipp: JOGGEN ist das Beste für Leib, Seele und Kopf! Macht das, wenn ihr den Blues habt. Nehmt eure Beine in die Arme und lauft um die Blöcke. Gerade Sonntags morgens, die Stadt so schön müde und leer, der Brain vom Kopf in die Füße rutscht und weglaufen will! Du bist mal für eine Weile all deiner Ansprüche befreit.)  – will ich gar nichts mehr sagen. Außer: Kopf hoch. Ich spring wieder in den Garten, ja. Further on up the Road. Schmeiß doch das ganze Grummeln Grübeln und Nachdenken mal in die Spree! Wenigstens für heute! Morgen ist Montag, morgen erst. Heute ist SONNENTAG!

Osteroratorium und Johannes Passion

Wer die Hinweise zur Matthäuspassion verpasst hat, kann hier noch mal nachlesen: (die Hinweise zur Johannes Passion wollte ich gestern platzieren, aber es gab kaum Internet in unserem Haus, deswegen heute zu Ostern. Ostern nun die Auferstehung zum Thema hat, und weniger die Leidensgeschichte Jesu. Tatsächlich hat Bach ein Osteroratorium geschrieben, mit Pauken und Trompeten, aber auch schönen ruhigen und tragenden Passagen. Eine fast schon ansteckende Heiterkeit „Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtigen Füße, Erreichet die Höhle, die Jesum bedeckt! Lachen und Scherzen Begleitet die Herzen, Denn unser Heil ist auferweckt.“ Zum Text. Und wer hören/sehen will (ist auch sonst ein ziemliches Gerassel und Geklimper auf der Aufnahme, find ich aber schon wieder sympathisch):

https://www.youtube-nocookie.com/embed/rVP7mU47doA

Ich möchte noch mal Bezug nehmen auf Die Johannes Passion. Sie zählt neben der doppelchörigen Matthäuspassion, dem Weihnachtsoratorium, dem Magnificat und der h-Moll Messe zu den großen Choralwerken der Leipziger Jahre Johann Sebastian Bachs. Was dieser Passion allerdings fehlt ist eine absolute Gestalt. Bach nahm wieder und wieder Änderungen vor, konzeptionell, im Detail. Die so entstandenen Fassungen lassen das Werk auch heute noch als eine der rätselhaftesten und zugleich faszinierendsten seiner Schöpfungen erscheinen. (Aus dem Booklet des Albums von Konrad Junghänel.)

Anerkannte Aufführung aus 2000 vom Bach Collegium Japan:

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Bach collegium Japan, Chor und Orchester des Bachcollegiums Japan, mit 50 Musikern und Musikerinnen, wie es zu Zeiten Bachs üblich war.

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

St John Passion, BWV 245 (1724)

Midori Suzuki, soprano
Robin Blaze, countertenor
Gerd Türk, tenor
Stephan MacLeod, bass baritone
Chiyuki Urano, bass

Bach Collegium Japan
Masaaki Suzuki, conductor

Japan, Tokyo, Suntory Hall in Tokyo, 2000

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Zu Inhalt und Werkgestalt und der verschiedenen Fassungen verweise ich unbedingt auf Wikipedia – „Die Texte der Arien sowie der Chöre in den Sätzen 1, 22 und 39 entstammen weder der Bibel noch überlieferten Kirchenliedern. Ihr Verfasser ist unbekannt und die Bach-Forschung geht davon aus, dass diese frei hinzugedichteten Texte nicht von einem einzigen Librettisten stammen. Insbesondere gibt es keine gesicherten Hinweise darauf, dass Bach selbst ihr Autor wäre“ Den gesamten Text gibt es hier.

Hier noch eine wunderbare Aufnahme, diesmal wieder ohne Chor, und doch so großartig:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/i7HtIJjlJSc

Itay Jedlin – Conductor Maïlys de Villoutreys – Soprano Chantal Santon Jeffery – Soprano Lucile Richardot – Alto Leandro Marziotte – Alto Vincent Lièvre-Picard – Tenor David Munderloh – Tenor Stephen Collardelle – Tenor Nicolas Brooymans – Bass Tomáš Král – Bass Johann Sebastian Bach – BWV 245 „St. John Passion“ Recording from the „Festival d’Ambronay“, 2014

Für die Stereoanlage/das Wohnzimmer zu empfehlen:

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FonoForum: „Überhaupt profitiert die Einspielung des Cantus Cölln unter Konrad Junghänel von einer ganz natürlichen Expressivität. Eine so selbstverständliche Sprachformung – der auch das Orchester folgt – kann erst dann entstehen, wenn die barocke Klangrede allen Beteiligten längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das gilt für die dramatischen Chöre und kontemplativen Choräle (traumhaft: „In meines Herzens Grunde“) ebenso wie für die Arien und Hans Jörg Mammels Evangelistenbericht.“

Und somit allen Frohe OSTERN!

ps … ich kann mich im Netz kaum bewegen, ein einziges Gzucke und gGerucke, der Provider hat das noch nicht im Griff offenbar. Sucht wohl noch nach Süßigkeiten

 

 

Matthäus Passion – hoch3

Einmal im Jahr Und setze dich mit Tränen nieder.

Zitat:

„… damit dieses eine wohlklingende Harmonie gebe zur Ehre Gottes und zulässiger Ergötzung des Gemüts … alle Musik … nur zu Gottes Ehre. Wo dieses nicht in acht genommen wird, da ist’s keine eigentliche Musik, sondern ein Geplärr und Geleyer.“

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), deutscher Komponist, Organist, Hofkapellmeister, Musikdirektor der Stadt Leipzig

Die Musik Bachs als vollkommene und unvergängliche Schönheit.

„Er schreibt tonal, aber ohne Farbexzesse. Er besitzt eine unendliche Palette an Grautönen … Der Frieden und die Andacht der letzten Fuge sind überwältigend. Er moduliert nie im konventionellen Sinn, lässt aber den Eindruck eines expandierenden Universums entstehen. Glenn Gould über Johann Sebastian Bach, über die Kunst der Fuge, in „Jenseits der Zeit“, Film von Bruno Monsaingeon, arte, 13. Mai 2005.

Adorno, der BACH gegen seine Liebhaber verteidigt: “ … an BACH halten sich alle, die des Glaubens wie der Selbstbestimmung entwöhnt, oder ihrer nicht mehr fähig, nach Autorität suchen, weil es gut wäre geborgen zu sein – sie genießen Die Ordnung seiner Musik, weil sie sich unterordnen dürfen – (Ironiefalle, denn Adorno verteitigt Bach durchaus als modernen Strukturalisten, wenn du so willst, muss ich jetzt nicht weiter ausführen – denn es geht um Jesus auf dem Weg zum Kreuz, nirgends so vollendet dargestellt wie in Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion aus dem Jahr 1727)
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Thomaskirche in Leipzig: Ort der Uraufführung im Jahr 1727
 Matthäus Passion Herreweghe 1998:

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NZZ: über den Auftritt in der Tonhalle 2017: „Nun, nochmals 18 Jahre später, kann man in der Tonhalle in gewisser Hinsicht den Endpunkt dieser Entwicklung erleben: eine Wiedergabe, die in jeder Hinsicht reflektiert und entsprechend ausgewogen wirkt – so sehr, dass man sie ohne grössere Korrekturen wiederum auf Platte bannen könnte.“

Sueddeutsche Zeitung: „es ist doch sehr schön, es ist so schön, er erinnert inzwischen an den alten Yoda aus „Star Wars“, ist also gütig und weise, aber auch sehr achtsam und genau. Alles ist äußerst filigran, was bei der außerordentlichen Qualität der Musiker, gerade bei den vielen solistisch zu begleitenden Passagen, mit Leichtigkeit gelingt.so schön.“

Persönliches Fazit: Eine sehr ausgeglichene Inszenierung, es erscheinen Orchester, Chor und Solisten und Solistinnen sehr gut auf einander abgestimmt. Eine solide Gangart, ohne emotionale Überhöhung und Dramaturgie. Wer nicht erschüttert werden will, sondern der Passionsgeschichte in Respekt und Abstand folgen will, wird hier nicht enttäuscht.

Auf Youtube stehen die aktuellste Aufnahme 2017 zur Verfügung oder die von 2013 von 3sat aus der Kölner Philharmonie:_

Matthäuspassion von Ton Koopman von 2005

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Im Deutschlandfunk: “ Johannespassion aggressiver als Matthäuspassion – Koopman: Ich glaube, das sind beide unglaubliche Chef d’Oeuvre, richtige Höhepunkte seiner Arbeit. Johannespassion, ich glaube, man kann auch sagen, die aggressivere. Die Musik ist aggressiv, das Volk ist noch mehr beschäftigt, dass Christus ans Kreuz soll. Ich finde als Holländer, dass zum Beispiel auch das Wort „Jüden“ – mit Umlaut – eigentlich kräftiger, aggressiver klingt als „Jude“ in der Matthäuspassion. Ich weiß nicht, ob das stimmt für einen Deutschen, aber jedenfalls ich als Nichtdeutscher empfinde das so. Der Text ist in der Matthäuspassion doch etwas lieber.“

Und weil es schwierig ist, zu dieser Aufnahme gescheite Stimmen zu sammeln, beschränke ich mich auf einen allgemeinen Artikel in der NZZ über die Matthäus Passion, und verrate gerne auch, dass die Ton Koopmann Aufnahme meine Lieblingsaufnahme ist, weil Die Solisten und Solistinnen: Ein großer Evangelist: Jörg Dürmüller ein ebenso großer Christus: Ekkehard Abele. Was ein Sopran: Cornelia Samuelis Was ein Alt: Bogna Bartosz, Prima Tenor Paul Agnew Kräftiger Bass: Klaus Mertens / jedes der gesungene Worte glasklar und verständlich.

Das Orchester: auf das Nötigste beschränkt und reduziert. Die Intonation leicht beschwingt, trocken. Die Arien werden nicht etwa übertönt oder überschattet, sondern ins Gewölbe der St. Joris Kirche quasi hineingehoben. Getragen von immer weich mitlaufenden Basslinien. Großes Lob gehört auch den Tontechnikern!

Der Chor: Der Amsterdam Baroque Choir (sic!) Und schließlich Ton Koopman selbst. Mitreißend. Immer hellwach. Immer in ganzer Person und Intelligenz präsent. Das springt über.

 

St. Matthew Passion McCreesh (2003)

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Ohne Chor – acht Solisten und Solistinnen übernehmen!

The Guardian „The dramatic impact of this unique new version of the St Matthew Passion is astonishing, thanks not only to the incisiveness of the performance under Paul McCreesh, but to the vivid immediacy of the recorded sound, with words exceptionally clear. “ ;

Die Zeit „Und ziemlich keuchend wickelt Mc-Creesh manche Arie ab, etwa Gebt mir meinen Jesum wieder. Bis auf den fabelhaften Mezzo Magdalena Kozená, die ergreifend scheue Sopranistin Deborah York und den Evangelisten Mark Padmore sind die Chorsolisten, aus deren Reihen natürlich sämtliche Arien, Dialoge und sogar die Christus-Partie bestritten werden, ein wenig überfordert; eine Plage ist das hohle Timbre von Susan Bickley“;

Klassikakzente: „Bei all den Aufführungen des Stücks an einer Vielzahl von Spielorten, mit einer ausgezeichneten Solistenriege und in wohlüberlegter Aufstellung kam das oft beschworene Problem der klanglichen Unausgewogenheit überhaupt nicht auf. Im Gegenteil: Endlich einmal konnte man Bachs brillanten Holzbläsersatz, der von großen Chören oft überdeckt wird, überhaupt hören. Vor allem trat der Text, der eigentliche Kern der lutherischen Musik, mit eindringlicher Klarheit und Lebendigkeit zutage.“

Mein persönliches Fazit: Wer das Orchester in seinen Details hören möchte ist hier gut aufgehoben, wer die Choräle in seiner Fülle möchte, wird sie vermissen, da hilft es auch nicht, dass man den Nachhall offenbar nochmal nachträglich „reingeplustert“ hat, vom Gesamteindruck: kann nicht wirklich nachvollziehen, warum diese Aufnahme in den Himmel gelobt wurde, wo sie offenbar im Kirchengewölbe hängengeblieben scheint. Ein Versuch war es wert.

 


 

Weiterführende Aufnahmen, die ich gern noch hören will.

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  • Künstler: Amaryllis Dieltiens, Siri Karoline Thornhill, Tim Mead, Gerd Türk, Julian Podger, Charles Daniels, Kampen Boys Choir, The Netherlands Bach Society, Jos van Veldhoven
  • Label: DDD, 2010
  • Bestellnummer: 4950817
  • Erscheinungstermin: 1.3.2013
  • FonoForum: „Der Chor der Niederländischen Bachvereinigung singt homogen und textverständlich und ist auch in den Massenszenen hellwach; das Orchester artikuliert ebenfalls sprachhaft und bringt die Farbigkeit der historischen Instrumente zum Leuchten. Als Solisten versammelt die Aufnahme einige der begehrtesten Barockinterpreten unserer Zeit, wie etwa Gerd Türk als souveränen Evangelisten oder Peter Harvey als menschlichen Jesus. Die Sopranistin Siri Karoline Thornhill berührt mit ihrer schlichten Darbietung der Arie „Blute nur, du liebes Herz“ – und phrasiert dabei mit natürlicher Musikalität.“

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  • Künstler: Stolte, Burmeister, Schreier, Rotzsch, Adam, Gewandhausorchester Leipzig, Erhard & Rudolf Mauersberger
  • Label: Berlin, ADD, 1970
  • Bestellnummer: 8182203
  • Erscheinungstermin: 21.2.2005
  • klassik. com: „Lupenreine Intonation in der Höhe, gepaart mit bestechender Transparenz der Faktur – Der Zusammenklang mit den beiden Chören ist herausragend ausgewogen, ebenso mit den Solisten. Berlin Classics präsentiert Bachs musikalischen Kultgegenstand in einer diesem Gegenstand würdigen Verpackung.“

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  • Künstler: Christoph Pregardien, Michael Schade, Christine Schäfer, Dorothea Röschmann, Arnold Schoenberg Chor, Wiener Sängerknaben, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt
  • Label: DDD, 2000
  • Bestellnummer: 3667736
  • Erscheinungstermin: 30.3.2007
  • G. Willmes in FonoForum: »Die herrliche Besetzung steht stellvertretend für Harnoncourts interpretatorisches Konzept: Kulinarik ist das höchste Gebot, der einstige Asket hat keine Angst mehr vor schönen Tönen. Harnon- courts Tempi sind dabei noch zügiger geworden, das Spiel des Concentus musicus zupackender und virtuoser, die Artikulation vitaler. Selbst die Choräle wirken emotional hoch aufgeladen. «

————-zur Geschichte, dem Text, den Details ist der Wikipedia Artikel sicherlich der mit Abstand umfangreichste auf den ersten Blick und auch sehr zu empfehlen.

Text der Matthäus Passion einsehbar hier: Incl. natürlich dem Schlusschor schlechthin:

Wir setzen uns mit Tränen nieder
und rufen dir im Grabe zu,
ruhe sanfte, sanfte ruh.
Ruht, ihr ausgesognen Glieder,
euer Grab und Leichenstein
soll dem ängstlichen Gewissen
ein bequemes Ruhekissen
und der Seelen Ruhstatt sein,
höchst vergnügt schlummern da die Augen ein. 

Zur Mythen- und Legendenbildung um dies Werk gehört sicher die Wiederaufführung durch Felix Mendelssohn Bartholdy 1827 in Berlin. (Vielleicht noch diese kleine PDF des SWR dazu.) Zur Frage, warum geweint wird … hier eine Seminarbarbeit.

„Hörer weinen, weil die Passion allgemeine Dimensionen des menschlichen Lebens und der Beziehungen in ihm in metaphorischer Weise dramatisiert, insbesondere Schicksale der Eltern-Kind-Beziehung, Objektverlust und Trauerprozess; Schuld, Reue, Vergebung; Versöhnung und Wiedervereinigung; schließlich Anerkennung des eigenen Todes.“

 

 

 

 

steht das Glück auf einem Flügel

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Albert Feser (1901 – 1993) Stilleben mit Büchern, Vase und Schale, 1946 Oil on Cardboard

bald werden Adjektive
auf die Waage gelegt
liegen wach und
drohen im Plural
sinkend ein Fluch

bald werden Adjektive
genesen zu Spesen
lagen auf Tresen
ich spüre die Knochen
deiner Meinung
bis auf die Haut

bald waren Spesen
Flügel los als
hätte man sie
zu häufig gehört

bald war ich
und glaubend
sag nicht
du auch

[.]