Meine Moralinskizze – heute

Meine persönliche Moralinspritze für heute:

Nicht wirken wollen sondern Verstehen (Hannah Arendt)
https://www.youtube.com/watch…

Da mir die Beliebigkeit bisweilen über den Kopf wächst, orientiere ich mich … nicht am Zeitgeist, denn der ist derzeit konfus, sondern an Kopfgrößen, die es schon gab, Individuation zum Beispiel gegen Identität: (Joseph Beuys)

https://www.youtube.com/watch…

Täglich kreist die Neugier mit Blick in die verschiedenen Schatullen der Verausgabung anderer wie um ständig zu ortende heilige Statuen – stattdessen ich mir angewöhnen will, erstmal die eigenen Gründe (neu) zu errichten. Beim Mithören des Gesprächs der Hochkaräter Beuys, Weibel, Ligeti – weiterführende Links im Beitrag selbst, folgende Assoziationen, Doppelpunkt:

– Ein sich bewegendes Ich ist einem Ego im Stillstand vorzuziehen. Einem Ego mit prosperierender Absicht gehe ich aus dem Weg. Geben ist seliger denn Nehmen. Das Ego ist kein reiner Selbstzweck.

– Vielfalt entsteht nicht im Glauben an sie, sondern im Handeln in ihr.

– Abgrenzungen erzeugen i.d.R Zwanghaftigkeit und Ängste. (manchmal auch notwendig als Konsolidierung) Zuwendungen und neudeutsch gesprochen Empathien dagegen Gesellschaftlichkeit, Zuversicht und Selbstbewusstsein im Rahmen der anderen, im Gegenüber! Macht Hoffnung. (Eine Gesellschaft scheint erst dann kohärent, wenn auch seine schwächsten Teilnehmer nicht überrollt, vergesssen oder ausgegrenzt werden – eine Gesellschaft, die sich um die Krankheit ihrer Mitglieder sorgt, ist einer Gesellschaft, die nur die Kraft des Stärkeren hervorhebt und ihr auch noch huldigt, vorzuziehen. Die Kraft jedes Einzelnen ist durch sein Ableben limitiert. Optimal ist das alles nicht.)

– der in sich Gefestigte wirkt häufig steinern hart und unnahbar. Der sich Bewegende erzeugt Schwingung, Resonanz und Neugier. Schwierigkeit: die durch Schauspielerei übertünchte und unsichtbar gewordene Verbohrtheit, die sich gern locker und cool gibt. Enttarnung ist aber nicht mein Geschäft. Denn Schauspielern kann ich ihm auch. (Prinzip Wie du mir so ich dir. Lüge und Verlassenheit)

– Wer nur sich und die Seinigen sieht, ist geblockt durch sich und die Seinigen.

Wünsche: Literatur die inspiriert, und nicht immer Literatur sein will. Denn Geben ist seliger denn Nehmen.

– ja, alles ist beliebig. Auch Regelwerk, Kononisierung, oder Traditionen feststellen, überdenken oder recyclen. Auch ich bin ungefragt zur Welt gekommen, ein Zufall der beliebiger nicht sein kann für mich, ein Zufall, den die Eltern sich wünschten. Der kurze Glücksmoment erzeugt gleich seinen fragenden Geist. Das Kind braucht seine Pfeiler. Diese können eng gesteckt sein oder weit. Das Kind ist ersteinmal seiner eigenen Eltern bewusst. Das Elternhaus bestimmt die ersten Jahre – dann folgt das größere Feld. Und die Verantwortung der anderen für alle. Das Lernen beginnt und hört nie auf. Wer das Ziel vor Augen hat, suche ein neues. Unsere Gesellschaft krankt an ihren Erfolgen. Das ließe sich unendlich weitertreiben. Es treibt mich um.

– warum sich noch an Diskursen beteiligen, die nur dem Erfolgsmodell des Verlautbarers folgen? Warum wieso – wozu. Jede Ideologie braucht Opposition. Freiheit kann nicht bedeuten, dass zwei sagen wie sich 98 zu verhalten haben. Freiheit kann auch nicht bedeuten, das 98 sagen wie sich 2 zu verhalten haben. Demokratie bedeutet nicht gleich die Macht der Vielen über wenige, genausowenig die Macht Weniger über Viele – Demokratie bedeutet jeden Tag aufs Neue suchen, erforschen, Wissen wollen und Horizonte erweitern. Das ist evolutionär weniger revolutionär. Der Mensch hat keine andere Wahl, als sich seiner Umgebung zu widmen, seiner nahen wie fernen. Der Mensch ist individuell aber nicht allein. Auch das hat Moral.

Just three minutes ? was ist Trash ?

Abgesehen davon … dass … ja, dass mir die Berichterstattung über all das … alles … ja, alles .. es geht mir auf den  … (heiligen Geist).  Was willst du? Wieso, wozu? Erklär mir nicht wieder, warum es damals schief ging, wenn du, vor dem Hintergrund des Wissens darüber, mir heute nicht erklären kannst, warum … das alles … ja … schief geht.

Jeder historische Vergleich bekommt Pilze … wirkt wie eine Konstruktion … lässt sich darstellen als Fiktion von etwas … als alternativer Fakt … als Postfakt … als Puderfakt … Donald Duck sucht einen neuen Vornamen … alles ein großer Doppelter Express mit Spritz und wenn du mir noch einmal erklären willst, dass Sex und so … Laufen und so … und sowieso … was willst du?

Nun, guck dir das an:

http://www.rollingstone.com/music/lists/10-best-music-videos-of-2016-w456728/schoolboy-q-groovy-tony-w456738

Vor allem die Links: Olivia Newton-John’s 1981 clip for „Physical.“ (Other leotard-heavy entries over the years include Eric Prydz’s „Call on Me,“ David Banner’s „Play“ and Ariana Grande’s recent SoulCycle promo „Side to Side.“)

Niemand ist kaputter als der da … ich noch mehr … guck ich mir das an, Verzerrung. Ja und? Wie viele Bilder, glaubst du, hintereinander geschnitten, verträgst du pro Sekunde? / es folgt der Echoraum, die Filterblase. After the Sun comes Rain und so … ach so? Ja, so!

Es klingelt das Handy. Was gibt’s? Du störst. Ich schreibe gerade einen Brief an meinen Alptraum.  Hast du das? Nein, verstehe ich nicht, du bist unhöflich. Ach ja? Kitsch mich nicht an!

Außerdem habe ich den Anschluss verpasst … mit meiner Moral. Vom Reden von Anstand und Sitte. Mach’s wie Janet Jackson …. lalalalalalalalalala … Don’t do it … play this tape und pampaboo …

Und du fragst mich, wie bitte konnte das passieren … gestern schon dachte ich, nein, das hat nichts mit Flüchtlingspolitik zu tun  … oder mit  wir schaffen das … sondern mit der Überdrehung der Filmrollen, von Superacht auf stream me need me … love me … that’s the way love goes … zuviel Drehbuch ist im Plot … zu viel Plot im Text … zu viel Dreh in Bild und Ton.

Der Groove ist so was von unmoralisch … nicht wahr? Ja … f* dich Love goes round the world … du musst nicht immer von der Logik der Geschichte ausgehen, sondern von ihrer Hebelwirkung … wenn es so viel Phantasie gibt im Markt, geht sie mit round the world.

Red‘ mir bitte nicht von den Abgehängten und den wütenden Männern, was nur ein Witz ist gegen das, was aus dir wird, wenn du nur eine Stunde vor dem Tape verbringst.

Hier. Trink Benzin. Sleep the Heat.

Was willst du mir sagen? – nichts. Punkt und Trash ist das ohne die Frage zu stellen warum wozu. Diese Fragen sind akademischer Natur. Vielleicht will ich darauf hinaus: Mir geht Jesus komplett auf den (heiligen) Geist, denn weder ist Gott tot, noch keine Frau … und was kann ich mit all diesen inneren Schweinereien anfangen vor dem Hintergrund der äußeren Schweinereien?

Weiß ich nicht, spüre, dass ich mir selbst etwas vormache … denn schnell zücke ich den Revolver und zeige auf die anderen, die anderen, die anderen .. all die, die dieses Debakel mit zu verantworten haben. Die schnell schießenden Bilder. Da entsteht romantisch Sehnsucht. Das ist mir zu wenig zu viel. Da hilft kein Rufen? Gewöhn dich dran.

Was möglich ist, wird geschehen. Was denkbar ist machbar. Und deswegen geschieht alles gleichzeitig. Auch das, wogegen du dich nicht zur Wehr setzen kannst.

Meine Frage war: Wie konnte das passieren? Was? Nun die Entdemokratisierung der westlichen Welt. Wieso stelle ich mir diese Frage erst jetzt? Ein Zuviel an Freiheit etwa? Denn das macht sie weich und angreifbar? Oder ist sie nur ein großer Schwamm … eine Blase  … gegen für weder oder noch?

Mach’s wie Janet Jackson’s „That’s the Way Love Goes.“ … lalalalala … oder blablabla … Hallo Welt? Sehen Sie? Der Wähler guckt in die Röhre. Einmal in vier Jahren auf den Wahlschein. Und schon wird die Diktatur moderater? Welche Gefahren siehst du? Willst du schon wieder … relativieren? Differenzieren? Ausformulieren?

Hey Käptn … geht’s noch? Excuse me Sir. Oh, yes. Mam …

Die Diagnose geht so: es ist zu viel … Excuse me … Sorry … How much? Five Dollars.

Plus ein bisschen Rhythmus dazu. Stampf. Elektrosmog und mach mal halblang … du bist nur Fragment.

Wie konnte Weimar kaputt gehen? Nun. Die Frage war sicher vielversprechend, zieht aber nicht. Denn I’m drawn by directors cut … mein Hirn wird sich selbst zum Rätsel.

Da braucht es Zukunftsforscher … die machen Schluss mit Chaos. Das weiterdreht … das kriegst du nicht besorgt. Die Ordnungsliebenden. Kannst du versuchen, als Präsident. Für Ordnung Struktur und Chaosordnung sorgen, wenn du infiziert bist vom Erfolgsmodell des Trash und Porn im Dauerwrestling. Bums, leg ich mich mal hin.

Lass mich also in Ruhe mit deiner Jesus-Moral. Lass stecken die Kreativität um Ästhetik und Erhabenheit … sei minimal-istisch, die andern sind lalalala-lauter. Only a … One-Klick-Wonder. Und was in den Vereinigten Staaten das Weiße Haus bezog, hat Gold in den Haaren – glaubst du, das bleibt relativ das Gleiche wie was wo wie?.

Nein, ich schaue, sehe, alterniere Fakten. Das ist Stone-Washed schnell geschossen … das Wesen von Demokratie ist nicht, dass alles mit allem geteilt wird, sondern alles durch alles geteilt alle Möglichkeiten ergibt, sich in sich selbst zu verlieben.

(Die Antwort auf die Frage: Hat sich die Figur auch mal verliebt?)

Keine Zeit mehr für Porno auf Adorno. Keine Lust mehr auf Versprechungen. Mach dein eigenes Ding! Es geht nicht anders. Hör nicht auf die anderen. Denn die blocken dein Gehirn. Das Schöne an Pop ist, nach drei Minuten ist i.d.R. quicky ausgepoppt.

Pop will eat itself.

 

Ausgang des Artikels: Kate Tempest Europe is lost.

europe-lost

Der Klassiker:

… unter Vorbehalt …

… wie ich das liebe … ich bin überall unterwegs … und krieg immer weniger mit … man schleudert Worte, Sätze, erzeugt Staunen, Entsetzen, Wut, auch davon krieg ich immer weniger mit, weil ich es schon kenne, die immer gleichen Substantive. Manchmal bin auch ich über das Tagesergebnis mehr als erstaunt, wenn ich wieder einmal feststelle, ganz schön verdaddelt habe ich mich.

Wollte ich nicht produktiv werden? Nun bin ich ständig abgelenkt, ich fülle mich ab, und das Gehirn setzt immer mehr auf Durchzug. Null komma null null eins. Promille Alltag im Netz.

Sag jetzt nicht, dass du die Orientierung verlierst. Doch, sage ich. Dich.

Wir schauen uns gemeinsam Filme an, sie dort, ich hier, und ab und an schickt sie mir ein Like. Ich schaue nach und schmunzele über den Inhalt, wahrscheinlich eine Katze.

Die Katze guckt einen Horrorstreifen. Man hört Stöhnen eines Geschlechtsverkehrs, man hört Schüsse, Schreie. Hektisches Möbelrücken. Die Pupillen der Augen weiten sich, sie duckt sich unter, sie bewegt ihren Kopf im Rhythmus der Ereignisse … und ich bin schon ganz in ihrem Kopf.

Da springt sie die Kamera an. Und aus. Vergessen in dem Moment, da sie sprang. Steh auf, sagt sie, geh! Spring! Raus aus diesem Film. Die Gäste kommmen. Häng ihre Mäntel auf. Und aus.

– unter Vorbehalt, in der Hektik des Moments entstanden.

Gib mir Zeit vier Wochen

Bewerfe ich sie mit Blumen, werde ich zum Fußabtreter, auf den sie sich niedersetzt und den Fernseher einschaltet.

… mehrfach drüber nachgedacht, wie man dieses Manuskript angehen soll. Eine Kurzversion könnte die Neugier schnell erfüllen. 1995 – eine Frau liebt einen Mann, plötzlich liebt sie noch einen. Das kann nicht gutgehen. 1998 – Ein Mann liebt eine Frau, plötzlich liebt er noch eine. Das kann nicht gutgehen. 2001. Der Mann liebt eine Frau, er flieht ins Internet, plötzlich liebt er noch eine. Und noch eine. Das kann nicht gutgehen. Wenn du nur das eine willst, und das andere nicht bekommst. Es muss etwas zwischen den Zeilen geben, etwas, warum sie den einen liebt, bevor sie noch einen liebt. Ein Mann liebt die Vielfalt von Bildern, Texten, der Kunst – plötzlich liebt er Inhalte, Gedanken, Ideen, so alt wie Gottes Ohr. Schon könnte ich behaupten. Ein Mann schreibt über sich, so schrieb er über dich. Also: ich bin dieser Mann, schreibe über mich, aber niemand, weiß, wer ich bin? Ich kann es nur so erklären: da meine Bücher niemand liest, muss ich sie so schreiben, dass sie wenigstens mich interessieren … da ich mein Leben gut kenne, wird mich mein Leben, aufgeschrieben, kaum interessieren, außer ich schreibe es so, als sei es ein vollkommen neues Leben. Ein Mann lebt sein Leben, plötzlich lebt er noch eins. So einfach kann es nicht sein – nehme ich das eine Buch in die Hand, will ich ein anderes … schreib‘ einen Krimi, sagt man. Willst du es wissen? Ich liebte eine Frau, dann brachte sie mich um. Man will keinen Krimi lesen über eine Frau, die einen Mann liebt, und plötzlich liebt sie noch einen – ich liebe eine Frau, dann liebe ich noch eine, und plötzlich ist eine zuviel? Das glaubt mir nichtmal ein Heiliger. Schon bin ich verstrickt. Es ist dies eine einfache Geschichte: Ein Mann liebt eine Frau, und plötzlich war sie fort. Ein Mann liebt eine Frau, sie liebt ihn nicht mehr. Ein Mann liebt eine Frau und sie sagt du liebst eine andere. Ein Mann liebt eine Frau und plötzlich liebt er noch eine. Ein Mann liebt eine Frau und ist sich seiner Sache nicht mehr sicher. Eine einfache Geschichte. Ich kann auf all die Vorwürfe keine Antwort geben … ja, ich habe sie nicht gezwungen, sich mit mir auseinanderzusetzen. Aber dass ich mich dafür entschuldigen soll, wie ich mich freuen würde, wenn sie sich mit … ja … womit soll sie sich auseinandersetzen … ein starkes Stück … wie immer, wenn es zu einfach wird. Ich lebte in der Liebe, die nicht zurückkam. Ich unternahm viele Versuche, mich von diesem Irrtum zu befreien … zu befürchten steht, dass sie mich zwar liebt, aber in ihrem Traum verfolgt wird von einer Frau.

Nostalgie …

Das Kapitel, in dem Steiner morgens zum Psychiater geht, und am Nachmittag bei seinem Agenten einen halsstarrigen Versuch unternimmt zu erklären, warum ihm die Wirklichkeit dazwischen gekommen sei, zwei Tage nach der Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Seit Monaten versuche er, Ordnung und System zu schaffen, sich an sich selbst aufzurichten, sich noch einmal neu zu erfinden, da schreitet der November vom Oktoberorange ins Wintergrau und liefert einen neuen Chef der Welt, von dem es heißt, er sei Demagoge, Egozentriker – ein Rauschmensch. Steiner habe seinen Namen zur Kenntnis genommen, es kursierten Witze über ausreisewillige US-Boys. Es kursierten Witze über die Betroffenheit, es kursierten Entsetzensschreie … das Klima (das politische), das Klima (die Großwetterlage) … es habe die Wirklichkeit Einzug gehalten und Steiner stehe an der Fußgängerampel: November. Seltsam ruhig nach nunmehr 48 Stunden Ekstase, Hysterie und den bemühten Versuchen zu ergründen, was sich als Flaschengeist freisetzte. Die Betroffenheit. Der verflogene Humor. Die Contenance wahren nicht einfach. Die richtigen Worte finden ebenso verflixt. Da braucht es Gemütsfutter und Stille. Lass sie schreien. Lass sie … es hört eh niemand zu.

Guten Tag, Herr Brunner.

Grüß Sie, Herr Steiner. Was haben Sie uns heute mitgebracht?

Nichts.

Gut. Sehr gut. Wie fühlt sich Nichts an?

Sehr nichtig. Um nicht zu sagen. Schauen Sie selbst. Der Himmel über Berlin. Eine Betondecke.

Grau, grau glüht der Enzian.

Herr Steiner, bitte, konzentrieren Sie sich.

Herr Brunner, bitte unterbrechen Sie mich nicht.

Herr … Herr. Ja Herr. Ich Herr? Wer ist Herr?

Nochmal mein Herr. Was haben Sie uns mitgebracht?

Die Betondecke über unseren Köpfen. Novembergrau.


Das wollte er vom Morgen an korrigieren und überarbeiten und weitertreiben, da kam er auf den Gedanken, ein paar Webseiten abzusuchen. Er sah im Downbeat eine Empfehlung auf Keely Smith: Eine feine Stimme.

 

Passend dazu der Film mit Louis Prima:

… den er sich in Sequenzen anschaute …

Schon traten alte Bekannte auf den Plan, das sind Martin Scorcese und Robert de Niro.

 

Hier: I’m confession‘ but I love you (too) – und so dreht sich das Karussell zurück zu Louis Prima und Keely Smith: https://www.youtube.com/watch?v=O-a8kLtJSJ4

eine Weltreise durch den Blues und Swing der späten Fünfziger. Was für eine heile Welt? Oder doch nur eine Idee davon? – Ein ganzes Buch!

– Das Buch seiner Mutter. Ein Tagebuch aus dem Jahr 1962. Das las er vor nicht weniger als einem Jahr mit Begeisterung. Und überlegte seit Wochen, seinen Roman über die Zeitspanne von 1916/2016 zu treiben. Ahnentafeln haben seine Schwester und er genug. Sie kämen in ihrem Stammbaum ungefähr bis ins 16. Jahrhundert … von Russland in die USA, von Hamburg bis Johannesburg.

Eine Nostalgiereise. Nachdem geklärt war, dass das Tagebuch der Mutter einen Platz in seinem Roman mehr als verdient hatte – er aber feststeckte in 3000 Schritten durch den Grunewald – die Geschichte eines Sammlers – quasi selbstredend – seine Freunde verschwunden – Robert verstorben, seine Eltern kamen ihm vor wenigen Monaten abhanden, seine Frau immer unterwegs – und wenn nun noch J.J.Voskuil Das Büro J.J.Voskuils Büro las, war er bald mehr ein Frans Veen denn ein Maarten Koning. Der arme Frans Veen mehrmals verrückt geworden zu sein schien und ständig Briefe ans andere Ende der Welt schrieb.

The best of 70ties, ein Tape über mehr als 10 Stunden

Im Wechsel der flachen Landschaften, der Verwechslungen, der Dreiecksbeziehungen – die Ausbildungen, das Warten auf Ernüchterung. Heart of Gold ließ Petra im langen Mantel die Straße entlangkommen, gebückt und schwerbepackt, Der Piano Man ließ Billiardtische wiederauferstehen, im Night Fever stehen vier vertrottelte Jugendliche an einer Spelunke an der A45 und werden nicht reingelassen. I will survive bedeutet schreiend Fahrrad fahren. Und Seasons in the Sun heißt das gleiche Fahrrad die Mittelgebirgszüge abgekämpft und vom Regen eingenässt hochschieben. Es riecht nach nassem Haar. Es strömt der Regen auf den Asphalt, während Steiner sich unter die Fichten duckt. Es bräuchte eine Kamera, aber selbst die Kamera würde die Eindrücke verfälschen. Bei Seasons In the Sun musste er tatsächlich unterdrücken, was sich aus der Tiefe der Stirnhöhle einen Weg sucht. Abgefangen von Take A Chance on Me.

Es würde ein Leben nicht reichen, das eigene zu wiederholen.

 

 

 

aus der roten Tüte

 

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Was ein Chaos. Gib es wenigstens zu! Du bist mitten in der Nacht erwacht und dachtest, du müsstest all das auf zwei Handlungsstränge reduzieren. Die Geschichte um den Bruder. Die Busfahrer. Alles andere bleibt draußen. Der Zusammenhang zwischen Busfahrer und Bruder stellt sich über die Handlung dar. Der Bruder deiner Kindheit längst verstorben, durch dein ruckartiges Anstoßen des schaukelnden Bruders … da warst du selbst noch minderjährig und hast deinen Bruder ins Jenseits befördert, ohne es zu wissen, denn damals traten nach diesem Sturz des Bruders von der Schaukel die Erwachsenen auf den Plan und schubsten und zerrten dich vom Tatort weg, während sie sich um den auf dem Wiesengrund liegenden Bruder kümmerten. Deine Schwester noch heute beteuert, er sei damals gestorben. Du noch heute beteuerst, er sei nur von der Schaukel gefallen und niemals gestorben. Denn vor nicht wenigen Tagen sei dir dein Bruder im Internet erschienen, dort präsentierte er sich quietschfidel als Inhaber einer IT-Firma und postete lauter kluges Zeug zum Thema künstliche Intelligenz. Deine Schwester behauptete, er sei tot. Du behauptetest er sei lebendig. Und beginne schon, dich in deine Alpträume hinein zu verfolgen. Dein Bruder stellte dir im Internet nach. Du werdest noch verrückt von all diesen dir nachstellenden Figuren aus dem Internet, ob real oder virtualisiert, ob echt oder ob als Avatar. Du müsstest das alles mal mit Flynn Brunner klären. Doch der, wissen wir aus einem anderen Buch, ist ebenfalls längst verstorben.  – Stimmt das denn? Ist es nicht vielmehr so, dass nur Rainer sich das wünschte: einen toten Flynn Brunner, der ja für Rainer so eine Art Vaterfigur war.

Sehen Sie, würde Flynn Brunner sagen. Sie schweifen ab. Konzentrieren Sie sich. Hier. Ich schenke Ihnen ein Mobilè. Und jetzt beschreiben Sie jeden Morgen erstmal ein Mobilè. In einem Mobilè ist genug Bewegung, die es erstmal abzubilden gilt, bevor Sie hier wieder in Pontius bis Pilatus-Geschichten abdriften.

Ich drifte nicht ab, würdest du antworten, ich surfe. Ich browse von Fenster zu Fenster.

Ja, aber es kann Ihnen keiner mehr folgen, würde Flynn antworten.

Doch, ich! Wäre deine Antwort.

Das hängt damit zusammen, dass Ihnen die inneren Bilder gegenwärtig sind, während die anderen, Ihre potentiellen Leser, diese inneren Bilder nicht kennen. Sie denken, Sie würden ein Brainstorming machen und nicht erzählen, was wirklich geschah. Sie sollten, wenn Sie schon einen Leser von Ihrer Arbeit überzeugen wollen, wenigstens die Grundregeln der Verortung berücksichtigen. Ort: Berlin. Uhrzeit Tag und Jahr. Und vielleicht noch eine Hand. Hier meine Hand. Ich reiche Ihnen meine Hand. Wir sitzen Höhe Nollendorfplatz. In meinem Besprechungszimmer. Dunkle Regalwände. Zimmerhoch. Die abertausend Bücher um mich herum. Und ich reiche Ihnen nochmal diese Hand. Jetzt schauen Sie bitte hier. Ich schenke Ihnen ein Mobilè. Dieses Mobilè bitte ich Sie morgens, eh Sie irgendetwas unternehmen, zu beschreiben. Und wenn Sie dieses Mobilè beschrieben haben, beschreiben Sie es gleich noch einmal. Das wird Ihnen helfen, sich zu konzentrieren, glauben Sie mir.

Würde Flynn Brunner sagen. Aber Flynn Brunner ist in einem der anderen Bücher längst verstorben. Also habe ich mir das mit Flynn Brunner wieder nur ausgedacht, es mir so vorgestellt. Er reicht mir seine Hand. Ich reiche ihm meine Hand. Wir setzen uns und sitzen uns gegenüber. Er interessiert sich wieder für meinen Bruder. Ich aber will ihm meine Schwierigkeiten mit den Bussen erklären. Flynn soll mir ein Mittel an die Hand geben, dass mich gegen die Busse besser bestehen lässt. Ich brauche kein Mobilè, Herr Brunner, würde ich sagen. Ich brauche handfeste Vorschläge, wie ich gegen die Busse überlebe und was ich gegen Sie unternehmen kann. Herr, so helfen Sie mir! Flynn Brunner würde sehr ernst gucken. Vielleicht sogar ironisch. Er würde mich fragen, warum ich ständig ablenken will und ich würde ihm entgegnen:

Weil ich alle meine Geschichten durcheinander bringe, ja, gleichzeitig in mir verspüre und keine Chronologie in sie hineinbekomme. Manchmal will ich meine Geschichte von Geburt an erzählen. Dann will ich sie aus der Retroperspektive erzählen, dann höre ich, dass die modernen Autoren immer nur das Präteritum kennen, und schon quält mich die Gegenwart. Die Gegenwart der Busfahrer. Die Gegenwart meiner versäumten Erzählungen. Die Abwesenheit einer Lovestory. Ich will eine Lovestory schreiben, Herr Brunner, so verstehen Sie mich doch! Sie waren es, der bei jeder Lesung eines neuen Autors immer wieder rief:

Und, hat sich die Figur auch mal verliebt?

Ja, hat sie. Aber sie schämt sich inzwischen sosehr für dieses Verliebtsein, sie will darüber nicht mehr reden.

Sehen Sie, und schon sind Sie abgedriftet. Wer bitte, in Herr Gotts Namen, will Ihnen noch folgen?

Deswegen nochmal von vorn. Es gibt die Busfahrer. Es gibt meinen Bruder. Und zwischen diesen Polen will ich changieren.

Weil Sie die Pole falsch gewählt haben. Sie wollen Neu Guinea mit Grönland paaren, merken Sie nicht, das das nicht funktioniert?

Was heißt hier funktionieren? Es funktioniert doch nichts mehr nach Adam Riese. Ein großes Chaos allenthalben. Reinstes Chaosmanagement. Nicht wahr?

Passen Sie auf. Ich habe heute noch 36 Minuten Zeit für Sie. Wir müssen innerhalb von 36 Minuten eine Lösung finden für Ihr Problem.

Wie kommen Sie auf 36 Minuten?

Nun, 45 Minuten Sitzung pro Woche. Und eine Seite liest man in 3 Minuten. 9 Seiten sitzen wir schon zusammen, macht 36 Minuten, die uns bleiben.

Bei Ihrem Lesetempo vielleicht. Aber in meinem Lesetempo lese ich 3 Seiten in einer Minute.

Sehen Sie? Das ist zu unpräzise. Zu schnell. Dieses Querlesen ist Ihr Problem. Und bedeutet gleich auch eine Beschleunigung, der sie erliegen.

Falsch. Solange Sie und ich hier nur Allgemeinplätze ausarbeiten oder beleuchten, brauchen wir nicht präzise lesen, sondern können lesend verfliegen.

Schauen Sie bitte nochmal aufs Mobilè.

Ja?

Das sind leise Bewegungen. Leichte Bewegungen. Hin- und Her-Bewegungen.

In vier Farben, warum sind das Fische und keine Vögel?

Damit so Chaoten wie Sie mich genau das fragen. Fliegende Fische machen es Ihrem Hirn schwer, sich zu konzentrieren. Konzentrieren Sie sich auf die Bewegung und nicht auf die Wesensart des Mobilès.

Herr Flynn Brunner?

Ja?

Sie wollen mich wohl verschaukeln.

Sehen Sie und schon ist wieder eine Minute von der Uhr. Wie kommen wir nun mit Gewinn aus dieser Sitzung?

Keine leichte Frage. Also. Busse hier. Bruder dort. Und noch immer eine offene Erzählung … denkt nach. Eine offene Erzählung … Das Büro mit Rainer Schmid. Die Lovestory mit Rosa Schnell. Beziehungsweise die Nicht-Love-Story. Denn ich kam nie zum Zug.

Es fehlt vor allem der Hinweis, was Michael Dom in ihrem Skript noch sucht. Was huscht der da rum? Hat er Ihnen nicht längst verboten, ihn noch zu erwähnen?

Wollen Sie mich ärgern? Ich habe längst Bekanntschaft gemacht mit Andreas Buchweizen.

Der kann genauso raus. Den brauchen wir nicht.

Aber er hat noch keine Rolle zugewiesen bekommen.

Deswegen kann er raus. Micha Dom raus. Andreas Buchweizen raus. Und Frau Rosa Schnell brauchen wir auch nicht. Sie sind allein, verstehen Sie, allein. Es gibt nur noch Lutze Steiner. Selbst meine Wenigkeit, Flynn Brunner, längst aus Ihrem Leben. Vergessen Sie das nicht. Wir haben ein bis zwei große Defizite in Ihrem Leben. Sie haben sich einfach für die falschen Freunde entschieden. Wir brauchen Freunde.

Und, was ist mit meiner Frau?

Wie, das müssten Sie selbst am besten wissen.

Nun, die ist nie da, und wenn sie da ist, laufen wir überkreuz.

Was heißt überkreuz?

Nun, sie kümmert sich um ihre Sachen, ich mich um meine und ansonsten läuft der Fernseher. Eine echte Lovestory, erzählt von ihrem Ende.

Warum lassen Sie sich nicht scheiden?

Was würde das ändern?

Sie hätten vielleicht eine Baustelle weniger.

Oder eine mehr. Kennen Sie den Film Le Chat. Ist das nicht grausam? Da leben zwei alte Menschen vor sich hin und alles, was sie verbindet, ist die Katze.

Nein. Alles, was ihn ans Leben bindet, ist die Katze. Und die wird von ihr erschossen, wenn ich mich recht erinnere.

Ja, und dann sprechen sie nur noch über Notizzettel miteinander, ist das nicht furchtbar?

Und Sie wollen mir nun sagen, dass Sie mit Ihrer Frau auch nur noch über Zettel sprechen?

So ähnlich. Mir immer nur Schnitzlers Traumnovelle durch den Kopf will. Der Unterschied zwischen Fridolin und mir ist: er hat etwas erlebt auf seinen Streifzügen durch die Nacht, und will es als Traum ausgeben, während ich nichts erlebe und mich nur noch auf die Nacht freue, in der ich träume.

 

torbogen

The Doors – Dance on Fire — Blütensthaub

über The Doors – Dance on Fire — Blütensthaub

nur nicht schwach werden … der Tag hat gerade erst begonnen – unter einer grauen Betondecke über dem Himmel Berlins. Habe nun wieder viel gelesen von Anfängerpech und unprofessionell genutzter Sprache.

Da wird vor allem der Trash und Kitschvorwurf immer wieder geweckt. Als gäbe es ein besser von dem oder dem … als müsste man sich noch immer dafür entschuldigen, dass es einmal Trash und Vogue und Schickse und Junk immer gleichzeitig zum Einwerfen und Wegwerfen gab. Das kann man mir nicht zum Vorwurf machen, denn längst bin ich der Trash der eigenen Geschichte.

Ob sich Hunde vor geköpften Hühnern fürchten oder Vater das eben geschlachtete Vieh einfach nicht mehr festhalten konnte. Ob dir ein Van oder ein Jim Morrison begegnete … ist das was anderes als ein Bruce Springsteen oder eine Sonic Youth?

Der Rock n‘ Roll hat sich längst in die Fasern deiner verschenkten Kleider festgesetzt. Nun trägt ein anderer sie durch die Straßen. Und du brauchst nicht jeden Tag nochmal versuchen, das zu erklären, es ändert nichts an der Geschichte vom Strickpullover, dem Cowbowstiefel, dem Schnauzbart. Das alles haftete, klebte und schlabberte an dir herum, incl. Stiefel.

Das alles war Fetisch nur. Für andere eine Art Religion. Ein Ausversehen. Und nun stell dir vor, deine Mutter würde im Kleid aus 1962 rumlaufen. Sie wäre plötzlich die coolste Mama aller. Orange. Leuchtend. Über den Knien. Leider kann sie das nicht mehr.

Achso, das mit dem professionell oder weniger professionell. Es heißt immer an der Treppe erkennst du den Architekten. Ebenso erkennst du den Schriftsteller an seinen Adjektiven. Ich durchforste meine Adjektive gelehnt gedehnt oder subadverbial zerlegt … grauen … unprofessionell …  geköpften … geschlachtete … verschenkten … und kann erstmal nichts Anstößiges entdecken, außer dass sie etwas der grauen Novemberstimmung übernommen haben. Haben sie?

Im Hintergrund nun diese Hippiemucke … ist das noch immer Hippiemucke? Ist das nicht zeitlos? Für immer großartig? Ist das nicht einfach nur simply the best?

Es ist wiedererkennbar. Immer wieder. Da saß ich im Film The Doors in der Oststraße und wir knutschen den ganzen Film über … sahen niemanden, nur unsere verliebte Dunkelheit mit diesem unvergesslichen Sound. Wir knutschten vier Wochen, fünf und entschieden uns für eine andere Geschichte. Trotzdem taucht sie wieder auf, wenn ich das höre.

Suzanne oder Gerdi. Wie hieß sie gleich? Soll ich sie wirklich suchen gehen in meinem Tagebuch? Natürlich weiß ich noch, wie sie hieß, denn dafür knutschten wir einfach zu lang und intensiv.

Und so könnte ich diese vier fünf oder sex Wochen noch einmal überprüfen gehen. Wieviel davon war Hippie? Wieviel davon war schon broken hero?

Wieviel davon hat überhaupt wenn nur in meinem Kopf stattgefunden? Weiß ich noch die Holztreppe? Weiß ich noch ihre Rufe? Weiß ich noch ihre Beschleunigung? Weiß ich noch ihr Einschlafen, ihr Teetrinken, ihr Kartenspiel, ihre Vorliebe für okkultische Vorhersagen? Weiß ich denn wer ich war in der Geschichte?

So könnte ich das anfangen. Und weiß, das ist alles zu wenig. Es ist schon allein diese Ausgangspostion eines Ich, das zufällig auf The Doors gestoßen wird, eine klägliche. Wir wünschen uns mehr Drive. Mehr Autofahrten. Mehr Stimmung, Atmo und alles, was die Jahre von diesen unterscheidet.

Heute wirkt der November dunkel nach. Gestern war es nur ein Tag auf dem Kalender. Und vorgestern hießen die Doors noch: meine Langspielplatte, Doors Live hat sich der U. eingesackt. Irgendwann traf ich ihn in der Düsseldorfer Altstadt. Ich in Turnschuhen und abgeschmissenen Jeans, er im Mantel des schon immer Erfolgreichen …. von meiner The Doors Live keine Spur. Dunkelblau. Eher eine der schlechteren Scheiben. Trotzdem in den Besitz übergegangen von U. U. könnte heute der aus Robert Musils Mann ohne Eigenschaften sein. Wir stellen uns einen Ulrich vor, wie er jeden Tag das gleiche macht und trotzdem wirkt wie ein Zirkusbesucher.

Herr. Stopp Mijn Herr. Das hier ist ein Blog. Dies hier kennt Publikum. Zwei oder drei pro Tag. Sie sind wahrscheinlich längst abgebogen. Da oben, als wir noch knutschten. Spätestens beim Namen Musil sind die Vorhänge geschlossen und die Dunkelheit der Stadt kriecht ins Zimmer. This is The End, my only friend, the End.

Ich weiß nicht. Ich auch nicht. Freu dich. Freue mich. Wechsel doch einfach die Position. Du bist nicht mehr ich und ich ist schon gar nicht mehr da. U. ist Ulrich und Ulrich nennen wir Conrad. Conrad ist mit C. geschrieben und könnte einen Konflikt mit dem Elektronikbauteileverkaufsladen ergeben. Nennen wir den Conrad also Rainer. Aber Rainer hieß schon dein anderer Romanheld. Der immer derselbe Rainer war. Dann nenn ihn wieder Helge. Den hast du inzwischen aus all deinen Büchern rausgeschmissen, warum?

Ich weiß nicht. Ich auch nicht. Und nun? Ja, was nun? Ich wollte schon seit mehr als vier Stunden über meinem Blunatek gelehnt haben. Den oder Das habe ich nichtmal geöffnet bis jetzt. Schießt mir das Hirn einen Sternenhimmel in Form von The Doors.

Ich find die Musik noch immer großartig. Ich auch.

———————————— noch nachzuholen:

Gestern Abend hat mich ein 14 Jähriger belehrt, ich sei eine Schwuchtel, wir kriegen euch noch alle, sagte er. Geh erstmal pissen, meinte ich. Geh du doch pissen, meinte er. Da hörte ich eine Frau schreien: was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid, rief sie. Ich: Meinen Sie mich? Sie: Nein den Dreckslöffel da. Löffel schrie: Was mischt du dich da ein? Hey, Löffel, rief ich, weißt du, was man mit mir gemacht hat, als ich so ein Hosenscheißer war wie du: man hat mich in den Keller gesetzt. Ohne Wasser. Was redest du da für eine Scheiße, rief Löffel. Die gleiche Scheiße wie du, du Großmaul. Halt’s Maul, du Schwuchtel, rief er. Können wir das bitte jetzt lassen? Die Frau wieder. Wer wir? rief er. Weißt du was, rief ich. Du gehst pissen, ich geh pissen. Aber beide in die entgegengesetzte Richtung, ja? Fuck you. Rief er. Selber, rief ich. Nachts auf der Straße. Soll ich auch das Tonband vorspielen? O-Ton und jetzt wieder er.

———————————–Blunatek bin ich ungefähr hier stehengeblieben:

08.09 (2004). Mehr als vier Stunden am Hafen. Leute beobachten. Beim Bäcker Brot und eine Tüte Kekse, mit Weintrauben, Pfirsich, Käse und Tüte Chips.

 

Figuren. Rotweiße große und elegante Segelyacht, drei Insassen, offenbar Bigboss, Körper eines Wales, schmächtiger Smutje und junge dunkelhaarige Hübsche, die sich zum Fotografieren auf der Yacht hin und her wälzt. Verschwinden mal unter Deck, tauchen wieder auf, er inzwischen neu eingekleidet, sie noch immer in schwarz mit arschbetonender Bluejeans; vorstellbar, dass das Flitterwochen sind, vorstellbar, dass er an der Börse rummacht, dass er Anteile an der Formel 1 hat, vorstellbar, alles.

 

Figuren. Daneben die Yacht eines Norwegers, wie er langweiliger, schmollender und von Aufrichtigkeit und Sauberkeit nicht durchtränkter sein kann, sein Sohn schießt die Bilder, und noch ein Sohn, schon graumeliert, streckt seinen allerdings auch nicht mehr astralkörpernes Etwas auf Deck der Länge nach aus, nicht ohne an sich herabzublicken.

 

Figuren. Einen Ginsterbusch entfernt sitzt ein vielleicht 50jähriger Obdachloser, trinkt seinen Wein und summt Seemannslieder.

 

Figuren. Ein britisches Paar, sie asiatischer Herkunft, er wiederum wie Bigboss mit walartiger Wampe, wo hat dieser Bison so eine aparte, grazile und auch schüchterne Frau kennengelernt, am College, auf Reisen? Sie scheinen inkompatibel. Sie scheint ihn aber zu mögen, umfasst ihn beim Fortgehen an der Hüfte. Aber was gilt so eine Geste schon? Vielleicht sucht sie Halt, nein, mit einem Anflug von Heiterkeit wirft sie ihm ein Handtuch über den Hals, wahrscheinlich hat er sich wie ich den Hals verbrannt.

 

Für heute ist sonnenschonendes Verhalten angesagt, denn meine Haut ist reichlich aggressiert von der Sonne, oder ist es doch das Sonnenschutzmittel, denn überall, wo ich es einsetzte, schlägt die Haut (vor allem an den Armen und am Hals) Blasen, sieht aus wie die Felsenkratertypologie der Umgebung.

 

 

Sprachensprechstunde

Anlass der Bewirtung war Der Klassenkampf von oben, ein Versuch, den Phänomenen der Nichtwählbarkeit eines Populisten die Doch-Wählbarkeit durch breite Massen zuzuschreiben. Gesehen auf einem Facebook-Account. Dieser sich gern hin und wieder äußert. Ich dachte, meine Meinung sei gefragt. Einmal im Schrank, all die Bücher, hin und wieder stürmisch und explosiv fordernd … das Gehirn zu verstehen sucht, alles komprimieren will … es gibt Substantive: ich wollte nachschauen … und sah: Freund hat sich verabschiedet. Die Substantive hat er mitgenommen. Ich auf Krawall gebürstet, wollte etwas sagen … zum Artikel. Und hatte auf dem IPad folgendes geschrieben:

und nun? wenn die Ignoranz links ist, die Arroganz rechts, der einfache Leo aber den wählt, der seine Sprache spricht, ohne zu wissen, dass er nochmehr verarmt, so ist der Buhmann doch wieder bei den Arrivierten, denen, die, siehe Artikel, einfach nicht die Sprache sprechen der gedeckelten und verschaukelten Wähler. Leo empfindet die Arroganz des Pussy-und Hot-Dog-Sprechers als Leitbild praktikabler, das schützt ihn vor Vereinnahmung, macht ihn immun gegen links, deswegen scheidet Links für ihn aus. Arme Tante SPD. Der Neoruck linksliberal bricht ihr das Genick. Und das Geräusch hierzu liefert der Triumph eines Trump.

Ich wollte noch Absätze einfügen. Wollte ich, auf meinem Ipad. Und drückte Return, schon war der Text öffentlich. Und eilte aus der Küche ins Wohnzimmer, schnellstens meinen Rechner einschalten und die Setzung des Runt nochmal prüfen … hatte mein Account keine zwei Minuten später neu geöffnet … und sah mit Erstaunen. Kommentar gelöscht. Wieder zurück zum Ipad, schnell noch die Beweislage sichern, meinen noch markierten Artikel kopiert und über Email an mich selbst verschickt, nicht dass ich meine Mühe wieder ans Nirwana verlor. Wollte dem Herrn noch mein Beileid, Mitleid, meine Betroffenheit übermitteln, da sah ich, ich könne ihm nichts senden, komische Freundschaft. Das Rätsel des Tages.

Frage. Hat er in mir, dem Text, einen Nazi gesichtet, einen Verdächtigen, einen, der die Wortwelt verdreht? Durfte ich das Wort Frontsau nicht verwenden? Ich recherchiere: Frontsau: In der harmlosen Variante ist das der Sänger einer Band. In der rabiateren Variante ein T5 Panzer. Ich hörte diesen Begriff das erste Mal von LW im Büro, da hatte ich selbst den Verdacht, es sei etwas faschistoides darin … er, Mitarbeiter LW, sei eine Frontsau, hatte er gesagt … eine Behauptung, die ihn zur Frontsau machte, niemand sonst sprach so. (und sehe, dass die Frontsau längst getilgt ist, sie nur im Kopf nachhallt.)

Ich lehne mich zurück. Der Nazivorwurf ist im Wort Frontsau nicht offensichtlich, nur verborgen. Er ist, wenn schon, in den letzten Sätzen erkennbar: Es wird von Neoruck geschrieben, von Genickbruch und dem Geräusch dessen durch einen Triumph. Das würde ich so nicht nochmal schreiben. Wobei … als wir am Abend bis in die Puppen vor dem Fernseher saßen, sind uns mehrere Männer und Frauen abhanden gekommen, einfach hingerichtet, getötet, gestorben. Seit MB gesagt hat, dass er auf Bücher stehe, in denen auf der ersten Seite vom Töten die Rede ist, ist mir suggeriert, man müsse mit drastischen Worten an die Wirklichkeit ran. Der Plot ist dem Töten ausgeliefert. Das Schreien von Bösewichtern, die durch Straßen ziehen, das Übliche. Hat Freund Facebook mehrfach in seine Bücher gebaut, was regt er sich noch auf?

Nun, weißt du es? Regt er sich auf? Weil dir die Begriffe missraten. Der Herr hat einen süffisanten Blick, er kritisiert gern an Linken herum. So, dachte ich, ja, die Linken haben ein Problem, sind Teil des Problems. In Übersee hörten wir das Megaphon einer polternden Sprache und bekommen jetzt Angst vor dem Verlust unserer großzügigen Freibeuterei, die doch abgesichert schien durch eine Alles-ist-schöne-Welt-Sprache. Schön. Wie schön.

Mir schwebte im Schädel, dass Journalisten des Cicero den Außenminister Deutschlands (Frank Walter Steinmeier) nicht mehr als Bundespräsidenten wollen, weil er sein Entsetzen über den Wahlsausgang der USA öffentlich machte.

Es sei nunmal  Aufgabe der Journalisten, sich zu echauffieren, die Politiker sollen Politik machen und Fehler … damit es zu berichten lohnt. Die vierte Gewalt, die öffentliche Empörung, soweit. Sich als Verhooven über Journalisten aufregen, gehört abgestraft. Verhooven soll klatschen, Applaus spenden und liken und jubeln. Freunde kritisiert man nicht, Freunde belügt man. Man feiert sie.

Das nährt den Verdacht, dass Verhooven Lügenpresse meint, wenn er Journalisten Versprecher nachweist oder sich einer Überheblichkeit bewusst wird, indem er über den Sprech der Journalisten rummault. Merke: Journalisten im Auftrag der Wahrheit brauchen Unterstützung, keine Fallschirme. Keine kritischen Fragen. Nicht dass wieder alles so falsch ist, dass selbst das Gegenteil dessen nicht wahr wird.

Weißt du. Es darf sich niemand bewegen, ohne dass die Kamera auf ihm ruht … ihm eine falsche Vokabel unterläuft … die Wahrheitsfinder wollen lackschuhbesohlte und leutselige Vertreter, fehlerfrei gebügelt – irren verboten. Da kam Trump sah und siegte. Hat sie in ihre Schreibstuben verjagt. Wie aufgescheuchte Hühner machen sie sich das jetzt gegenseitig zum Vorwurf.

Ich saß vor den Toten im Fernsehen: Wir schalteten den Ton runter, verdächtigten uns der Schwerhörigkeit. Dort flitzten und flogen die Kugeln. Röchelten und starben die Kehlen. Verblutete Fleisch. Die Zombierung am Abend. Ein Inferno des Klagens. Gefühlt vierzig Tote. Erschöpft vom Anblick der von Steinen und Wagenhebern Erschlagenen, von Gürtelschlangen Erdrosselten, von Gottes Zorn Erleuchteten. Und schlief eine unruhige Nacht. Viermal, fünfmal erwachte ich und sah einen Stein. Ein Schläger näherte sich mir. Zweimal. Ein drittes Mal. Es wurde Sonntag.

Ich stand vor dem Waschspiegel und sah hinter Bartstoppeln hervortretend Rotaugen. Dieser Mann hat eine Rechnung offen, mit wem? Wollte vergessen. Sich entschuldigen. Nicht im Plan. Lassen wir das. Schon wieder das Schlachten. Diesmal mit Plan. Nazis jagen. Bis ans rechte Ende der Welt. Die Trumpologen in der Überzahl. Eine dunkle Wolke über dem Himmel von Berlin. Facebook ist schuld. Die Parallelwelt schon wieder.

Punkt Punkt Komma Strich, das ist eine längeres Komma, nur eine Pause … ein langes Gesicht. Zerstritten am Sonntag. Oh Schriftsteller oh Graus. Nein, er ertrage keine Schriftsteller, hat er gesagt. Allein die Vorstellung, dass Schriftsteller schreiben und arbeiten, während er vorlese und seine Zeit verschwende, mache ihn krank. Die Schriftsteller wieder. Wenn wir nicht bald ein Reintegrationsprogramm finden all der Arbeitslosen, die schreiben … können wir den Laden dicht machen. Welchen? Den Schrifstellerladen, es werden immer mehr. Was redest du? Nun, ich schreibe.

Du auch? Wirklich beruhigend.

 

 

 

 

 

The day after tomorrow

Im Kern der Sache ahne ich, was der Alex wieder sagen will – dass die neuen Rechten vor allem erstmal nur sich selbst feiern, den Underdog dabei zu ihrem Untertan machen und als Stimmvieh missbrauchen … und dass sie ebensowenig irgendeinen Pups machen werden, dass die Unterschicht zur Mittelschicht aufsteigt … also dumm bleibt dumm und reich bleibt reich. Alle anderen dürfen arbeiten.

Nun. Ich selbst komme aus der Unterschicht, und fühlte mich noch nie von irgendjemandem unserer sog. Intelligenz unterstützt, nie. Weder von Grün, noch von Rot, noch von Schwarz, von Braun schon gar nicht. Von Niemandem. Es waren meine Eltern, es waren meine Lehrer, es waren meine Freunde. Sehr unterschiedliche Freunde, von rechts bis links, von grün bis blau. Die Elite jedoch, ob rotbraungrünoderschwarz kümmerte sich einen Kehricht um sowas wie kleiner Junge aus der Unterwelt. Damals hießen unsere Könige Schmidt, Wehner, Genscher, Kohl und Dregger, Strauß.

Inzwischen weiß es das einfachste Gemüt: Das Bosse-Genosse-Gedöns der oberen Zehntausend spricht nicht mehr Ottos Sprache. Die Sprache hat das Volk verloren. Das ist schon hier um die Ecke auf Bezirksbürgermeisterebene zu spüren. Die Sprache des Volkes? Nachmittagsprogramme werden unbeaufsichtigt in alle Wohnzimmer gesendet … und hier im öffentlichen Netz tummeln sich die Tümmler? Die arme Armeleutepartei mal wieder. Immer druff. Jaja. Selber schuld.

Wer nun kümmert sich um die, die nachts und sonstwann die Straßen saubermachen oder die Kühe schlachten? Ach, das machen alles die Unterprivilegierten aus dem Ausland? Ist das so? Selbst wenn dem so ist, was wird das für eine Geschichte … dürfen die nicht auch ihre Stimme erheben? Wird das so? Und wenn ich, sagen wir mal zwei oder drei Nebenjobs habe … wie sehr bin ich dann noch in der Lage, irgendjemandem zu folgen? Brauch‘ ich dazu etwa einen Intellektuellenausweis?

Dann schaltet Ottonormalkeks, ich, kaputt von Arbeit und Kollegen, den Fernseher ein, was sehe ich? Ein einziges Rumgekeile. Wie geil ist das denn, die sind ja noch schlimmer drauf als ich. Wer von diesen Prügelfetischisten hat nun recht? Ach der mit der dicken Lippe? Der hat letzte Woche schon was dazu gesagt. Kenn‘ ich schon. Und der da mit der schwarzen Locke? Ach, der redet immer so abgehoben. Und der da mit der Brille. Vergiss es, der geht lieber ins Kino. Und die da, die einzige Frau, was will die? Nun. Frau sein. Hat ein sehr ausgleichendes Gemüt. Spricht sogar erwachsen. Ja. Die Frau find‘ ich super. Ach, die ist von der falschen Partei? Das gibt es doch nicht. Doch. Gibt es. Aber wieso ist die dann so schlau? Na, weil die anderen doof sind, kapier das doch. Nein, ich kapier das nicht.

Die wollen doch nur … ihren Arsch retten. Dass man dafür Geld bekommt? Hätte ich gewusst, dass dumm Reden reicht, wäre ich dumm geblieben, und könnte jetzt reich werden. So habe ich mir das alles angehört und bin inzwischen zu schlau für diese Sprüche … Lenin, was nun? Nun, glauben, dass die alle nur ihre Posten haben wollen … ein zweites Gehalt … mein Geld. Meine Steuern … Glaubst du wirklich?

Denkt Otto. Denkt Sabine. Otto, kannst du mal die Klappe halten? Wieso? Nun, die sprechen über Russland. Was, Russland? Wo? Nun, es geht um Nazis. Wieso? Befreit haben uns die Russen. Ach was … die Russen sind auch so … wie? Na autoritär und elitär und rechtsaußen und orthodox … ups? Ja, alles neu.

Punkt. Aus, du Prolet, ruft eine Stimme. Mach hier nicht den Trump … ruft die Stimme. Die sind schon alle wieder abgeschaltet, da … die Intellektuellen, die Eliten, die Was sind die Überhaupt? Auf jeden Fall hören sie dir nicht mehr zu, sie sagen schon wieder Frame zu mir. Oder Fake, oder Junk, oder Message in a Bottle. Silicon Valley. Pizzabrot. Native Narrative. Die wollen mich doch ablinken?!

Fakts ist: Fakt. Faktenlage. Ja Fakt ist. Fakt. Das fliegt uns alles um die Ohren, warum? Weil hier der eine den anderen nach Belieben beschimpft, betitelt und belatschert. Der Proletensprech in mir würde ganz andere Worte dafür finden, aber das richtet sich wieder gegen mich und nicht gegen die, die ich beschimpfen und beleidigen will … weil das gerade so ein tolles Spiel geworden ist, jeder beleidigt jeden. Angry man.

Sie suhlen sich nur … im Schlamm der Nachbarn … merkst du das?

Diese Kultur hier, rechtslinksrotblau oder wie sie heißen will, Kellerkultur. Weinkeller. Kohlenkeller. Große Sause. Brause. Lexikon.

Da wirst du mit deiner Fresse nichts mehr ausrichten. Nichts reißen. Sieh endlich ein, dass du ein Loser bist. Ein Loser. Faktisch ein Loser. Rentner und Loser. Ein Faktotum. Passt. Die sind alle zu schnell. Ich langsam. Was soll das werden? Geh lieber sterben.

Warte. Warte. Da ist noch jemand. Der sieht aus wie mein Nachbar? Der Nachbar? Ja, der Nachbar. Der gibt es dem jetzt mal zurück. Meinst du, der schafft das? Der ist dem doch intellektuell ausgeliefert. Was heißt hier intellektuell? Du brauchst kein Hirn für sowas, sondern klare Worte. Kann der nichts gegen machen.

Pass auf, geht los. Der sagt einfach, dass rechtsreaktionär genauso linksreaktionär sein kann. Und rechtsautoritär gleich linksautoritär. Und rechts wie links ist doch dummes Zeug, nur anders. Warum dann nicht Gott wie Teufel. Warum nicht Engel wie Flegel. Warum? Guck. Der ist konservativ. Sagt der einfach ja und? Guck, sagt der: Der ist ein Nazi sagt der: Sagt der anderen Ja und? Was willst du, was ändert das?

Das ändert nix. Außer dass du plötzlich Nazi bist. Obwohl linksradikal. Früher war Putin Sozialist, heute Christ. Früher war Gott Helmut heute Merkel. Was ändert das?

Guck. Ich bin keine Frau. Du auch nicht? Und was ist die? Nun, sowas wie ein weiblicher Bruder. Komm hör auf jetzt mit dem Stuss. Wir sind alles arme Leute und niemand hört uns zu.

Warte. Jetzt sagt er warum wir, ja wir … was sind wir? Schweigende Mittemehrheit … wir, die schweigende Mittemehrheit hätten die Demoskopen verarscht. Wir hätten denen nie gesagt, dass wir radikal sind.

Dass unsere Gesinnung noch immer ganz schön rechts ist und links und grün und blau und schmückt die radikale undsoweiter … dass … ja und? Dann behalt‘ das halt für dich. Die anderen wissen sowieso viel besser wer wir sind. Sie haben uns längst durchschaut. Und warum fühlen sie sich trotzdem abgelinkt? Nun, wahrscheinlich haben sie die falschen Fragen gestellt. Guck, die sind ganz selbstkritisch. Sie fragen sich andere Fragen. Die eine Frage da: Wie konnte das passieren? Ja. Da schauen sie betroffen … und so weiter.

Pöbelt und hackt hier nicht immer aufeinander rum. Geht aufeinander zu. Sagt er plötzlich. Gebt den Nazis eine Chance … sagt er … sich zu benehmen … auch ein Nazi ist ein Mensch, sagt er. Glaubst du, die meinen dich? Nein, niemals. Ich bin kein Nazi. Nie gewesen. Ich bin ohne Schuld! Ich sage zwar immer und glaube auch zu wissen, was der andere denkt, aber das schließt mit ein, dass ich ausgeschlossen bin, wenn mich jemand fragt, ob ich ein Nazi bin. Komm, Schluss jetzt, ist alles im Kasten, wiederholt sich nur ständig, in Schüben, alle zwanzig Jahre …  linksliberale-grünbraunblaue Mittelstandsglückseligkeit mit ein bisschen Krisensalz in Wunden. Fuck Fuck Donald Duck. Das wird schon … Wird. Nur gut, dass ich nicht weiß worum es geht. Na, worum geht es wohl? Das kann ich dir nicht verraten. Bei der nächsten Wahl dann, vielleicht … werden es die anderen richten. Ja. Die Anderen. Immer die anderen.

 

Lass sie schreien …

… November. Seltsam ruhig nach nunmehr 48 Stunden Ekstase, Hysterie und den bemühten Versuchen, etwas zu ergründen, was sich als Schrecken darstellt. Die Betroffenheit scheint groß. Der Humor verflogen. Die Contenance wahren nicht einfach. Die richtigen Worte finden ebenso verflixt. Da braucht es Gemütsfutter und Stille. Lass sie schreien. Lass sie einfach … bis sie niemand hört.

diesen Link habe ich radiohoerer zu vedanken. Besten Dank dafür!