Der Ghostwriter ist tot – RIP Philip Roth

Kaum ein Autor dessen Texte beim Lesen so nachhallen – Kann mich erinnern, wenn ich nicht weiterwusste mit dem Eigenen – Roth lesen, zwei Stunden, und das Gehirn, das Herz, der Bauch ist wieder gefüllt. Du kannst ihn aufschlagen wo du willst, es springt dir eine Geschichte entgegen:

S.149 Mein Leben als Mann:

Bevor ich meine Wohnung verließ, verbrachte ich allerdings mehrere Stunden mit dem Abfassen verschiedener Briefe an Susan, in denen ich ihr mitteilte, wohin ich reisen würde – und dann zerriss ich sie alle. Aber was, wenn Susan mich „brauchte“?

s. 67 Portnoys Beschwerden:

„Und gibt es, so wie die Dinge liegen, nicht genug ganze Worte, die man sich hinter geschlossenen Türen zuflüstern kann? Es gibt sie! O ja, es gibt sie! Hässliche und kalte Worte, die nach dem Äther und Alkohol der Krankenhausgänge riechen, Worte mit dem Charme steriler chirurgischer Instrumente, Worte wie Abstrich und Biopsie … Und dann gibt es jene Worte, die ich allein zu Hause, verstohlen im Lexikon nachschlage, nur, um dort zu sehen, als greifbare, augenscheinliche Gewissheit dieser entferntesten aller Wirklichkeiten gedruckt zu sehen, Worte wie Vulva und Vagina und Zervix, Worte, deren präzise Erklärung mir nie wieder als Quelle unerlaubter Lust dienen wird …“

s. 20 The Great American Novel

TOD

„Zehn Tage sind vergangen, vier davon unter einem Sauerstoffzelt, wo ich aus der Bewusstlosigkeit erwachte und mich in eine Frühgeburt verwandelt wähnte. Nicht nur ein ganzes Leben lag vor mir, sondern noch zwei Monate als Dreingabe dazu!“

Endlos kann man diese Bücher durchzitieren, es sind Wendungen und Windungen pro Satz, Richtungswechsel, Mehrfacherzählungen – Assoziationsströme und Bewusstseinsverlagerungen, kaum ein Autor beherrschte das Umfahren von Slalomstangen so gut wie der gestern im Alter von 85 verstorbene Autor Philip Roth!

Geeinigt hat sich die Literaturkritik auf seine Trilogie des Nathan Zuckerman „Der Ghostwriter“, „Zuckermans Befreiung“ und „Die Anatomiestunde“. – Und schließlich der Höhepunkt seiner Kunst: „Der menschliche Makel“ und „Verschwörung gegen Amerika.“ Als schämte er sich sogar für die Verschwörung gegen Amerika, da er schrieb, wie Charles Lindbergh, der berühmte Fliegerheld, Faschistenfreund und Antisemit, im Jahr 1940 einen erdrutschhaften Sieg über Franklin D. Rossevelt erlangt und sich Angst unter den Juden Amerikas ausbreitet, verkündete Philip Roth 2012, keine literarischen Werke mehr zu verfolgen:

„Der Kampf mit dem Schreiben ist vorbei … Jeden Morgen schaue ich auf diesen Zettel (am Computer festgemachter gelber Zettel), und das gibt mir sehr viel Kraft.

Ein Schock für die literarische Öffentlichkeit, ein Schock für mich. Jetzt, auf dem Höhepunkt der Umkehrung von Faktenlage zur reinen Spekulation und der vielfachen Verschwörungen lehnt er sich zurück und bestaunt sein eigenes Werk – dachte ich für mich – jetzt, wo alles gesagt scheint und aus sich herausgepresst, und die Weltgeschichte sich dem selbstprophezeiten Taumel ergibt – schweigt er. Jetzt wäre er nötiger denn je, dachte ich. Allein, es war schon geschrieben, sein Werk vollbracht. Wir können das alles noch einmal lesen.

S. 249 Sabaths Theater

„Jetzt begann sie über die Szene zu lachen, die er ihr so slapstickhaft vorspielte. „No“, sagte sie und tätschelte ihm missbilligend den Oberschenkel. „No loco.“

Diese Schnipsel – wie ich sie liebe. Pro Satz eine Geschichte …

Aus „Mein Mann, der Kommunist“, fällt mir dann eine Postkarte entgegen. Darauf steht: Hallo Du. Das Buch habe ich gefunden, laut Kritiken wäre es ziemlich zynisch. Musst mal sehen, ob du damit was anfangen kannst. Ich denk an dich und freue mich auf Freitag. Kuss … Ich. Wer war dieses Ich. Telefonnummer Gabriel kann ich noch erkennen – wer war Gabriel? Dass space-ige der Postkarte, eine grünglitzernde Spirale, lässt mich Rosa vermuten, vielleicht war es Mara – ich weiß es nicht mehr.

s.123 Mein Mann der Kommunist

„Ich habe Angst vor dir, Ira“, sagte Goldstine. „Ich hatte schon immer Angst vor dir. Du bist ein wilder Mann, Ira. Ich werde nicht warten, dass du mir antust, was du Butts angetan hast. Erinnerst du dich an Butts? Erinnerst du dich an den kleinen Butts? Steh auf und verschwinde, Eisenman. Und nimm den kleinen Arschkriecher mit.“

Typisch wieder. Ein treibender Erzähler, die Wendungen lassen dich erst ruhen, wenn du durch bist? Das Gleichgewicht wahren – die Extreme in einem Satz. Ein Jongleur ungleich schwerer Kugeln – und doch hat man nie das Gefühl, dass er die Balance nicht hinkriegt. Beispiele, Beispiele.

S.145 Amerikanisches Idyll

„Ihre ganze Energie, die Kraft des Widerstands, die sie zuvor anderwertig eingesetzt hatte, trat jetzt ungehindert zutage; und dadurch, dass sie die alte Behinderung einfach ignorierte, erlebte sie nicht nur zum ersten Mal in ihrem Leben das volle Gefühl der Freiheit, sondern auch die berauschende Macht der Selbständigkeit.“

Ich sag’s doch. Endlos zitierbar –

S.155 Der menschliche Makel

„Es machte ihm so viel Spaß, mit ihr zusammenzusein, dass eines Nachts die Wahrheit einfach aus ihm heraussprudelt. Er erzählt ihr sogar, dass er geboxt hat, und auch das ist etwas, dass er Steena nie sagen konnte. Bei Ellie ist das ganz leicht.“

Das Profane mit Sportlichem, das Lächerliche mit Überhöhtem, die Übertreibung mit Konkretem. Niemand konnte das so drängend, pausenlos und so einfach – trotzdem so, dass das Gehirn beim Lesen viele Löcher ausleuchtet, viele Schattenbereiche – wie gesagt. Die Tiefe, ja. Der Sexus. Ja. Die Selbstironie. Ja. Die Reflektion. Die Wandlung. Das Werden, die Charakterbildung, das Kämpfen um Worte – das alles ablesbar in einem mehr als dreißig Bücher dicken Werk. Unvergessen die Jungs, die um die Wette furzen und einem der Typen dabei Festland abging.

Und wenn von einem Namen nur der Ghostwriter bleibt – schon Nathan Zuckerman hatte es mit der Suche nach einer Vaterfigur – durch sich, durch seine Frauengestalten, durch jede Pore atmet oder schimmert ein Spiegel, in der die Täuschungen und Enttäuschungen nebeneinander zu stehen scheinen und zu erkennen sind wie all die inneren Bilder, die dich entweder betrügen oder neu aufstehen lassen. Ein Autor aus dem Vollen. Ein Autor, der es nicht scheute, Triviales wie Sport, Anstrengendes wie Familie und Hintergründiges der Literaten- und Kunstwelt mit der Verruchtheit der Präsidentensuite zu paaren oder zu verflechten. Er muss, sich selbst fortschreibend, beim Verfassen des einen Buchs schon ans nächste gedacht haben. Sich hinters Licht zu führen, um daraus wieder Stoff zu gewinnen.

Jetzt hat er das Licht ausgemacht. Man wird und darf gespannt sein, was der Nachlass hergibt. Das dürfte, bei dem Werk, ein sehr umfangreicher Zettelkasten sein – vielleicht täusche ich mich.

S. 77 Täuschung

„Also, folgende Situation. Zuckerman, meine Hauptfigur, stirbt. Sein junger Biograph isst mit jemandem zu Mittag, und er spricht über seine Schwierigkeiten, mit dem Buch in Gang zu kommen. Er ist auf einen krassen Mangel an Objektivität in der Reaktion der Leute auf Zuckerman gestoßen. Von jedem bekommt er eine andere Geschichte. Es gibt zwei Alpträume für einen Biographen, sagt er. Einer ist, dass du von jedem dieselbe Geschichte bekommst, und der andere ist, dass du von jedem eine andere Geschichte bekommst. (…)“

Nachdem vermute ich einen schlummernden Zettelkasten. Könnte aber auch sein, dass der einsame wilde Mann die letzten Ruhejahre genutzt hat, alle Spuren zu verwischen. Denn es gibt nur einen Zuckerman. Nur einen Philip Roth. Nur einen Ghostwriter. Ruhe Sanft du ständiger Begleiter. Wenn ich einen Autor wirklich hochgeschätzt habe, dann Philip Roth.

Life is just a short period of time in which you are alive.

— Philip Roth , Amerikanisches Idyll

 

Nachruf in der FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/nachruf-auf-philip-roth-ein-riese-unter-den-grossen-15602963.html

 

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Rom, Träume – Räume – Bilder

… Mussolini, Faschismus und der Film Noir, Pasolini, Morante, Moravia, Gadda und die Zeit des Dolce Vita. Raffael, Leonardo, Michelangelo. Das alte Rom, das Kaiserrom, das Italienische Rom. Der Vatikan, die Via Alta, der Plaza del Popolo, die spanische Treppe. Zaha Hadid, Peter Eisenman, Bruno Zevi, Lucio Passarelli, Renzo Piano. Das die wenigen Begriffe und Namen, die spontan durch den Kopf geistern. Rom die ewige Stadt. Rom der Puls am Tiber. Rom die Touristen. Rom der Lärm. Rom die Ruhe. Die vielen Kapellen.

Rom, Räume – Mussolini

9783937834658Unbedingt empfehlen will ich das Buch von Maike Albath: Rom, Träume aus dem Berenberg Verlag 2013, damals gelesen, heute gelesen, zwei unterschiedliche Welten gesehen – jetzt wo ich vier Tage in dieser mehr als widersprüchlichen und lauten und schönen wie historisch überladenen Stadt war. Jetzt wo ich mich erinnere und noch einmal lese:

„Ein Volk, das Verbrechen seines Regierungschefs toleriert, wird zum Komplizen dieses Verbrechens. Schlimmer noch: Wenn es sie unterstützt und auch noch applaudiert, wird es sogar zum Verursacher dieser Verbrechen (…) Ob die Mehrheit des italienischen Volkes wusste: dass die meisten seiner Taten Verbrechen waren? Fast immer wusste es das, aber die Italiener sind so beschaffen, dass sie ihre Stimmen eher dem Starken geben als dem Richtigen, und wenn man sie zwischen Vorteil und Pflicht wählen lässt, entscheiden sie sich, auch wenn sie um ihre Pflicht wissen, für ihren Vorteil. Mussolini, ein mittelmäßiger Typ, grob, ohne jede Kultur, von vulgärer, aber effektvoller Beredsamkeit, war ein perfekter Spiegel der Italiener. Im Innersten schwach, aber Bewunderer der Stärke, entschieden, gegen seine Natur stark zu wirken. Käuflich, korrumbierbar. Ein Schmeichler. Ein Katholik, ohne an Gott zu glauben. Er bestach andere. Eingebildet. Eitel. Gutherzig. Eine simnple, berechenbare Sinnlichkeit. Ein guter Familienvater, aber mit Geliebter. Skeptisch und sentimental. Mit Worten gewalttätig, doch vor der Grausamkeit und der Gewalt floh er und zog Kompromisse, Korruption oder Erpressung vor. An der Oberfläche leicht zu rührern, doch nicht in der Tiefe. Wenn er Gutes tat, dann aus diesem Grunde oder aus Eitelkeit, um seine Macht zu ermessen. Er bezeichnete sich als volkstümlich, um der Mehrheit zu schmeicheln, tatsächlich war er ein Snob und verehrte das Geld. Er hegte tiefe Verachtung für die Menschen, aber ihre Bewunderung tat ihm gut. Wie eine Hure, die sich von einem alten Mann aushalten lässt und dann mit einem jüngeren Liebhaber über ihn lästert, polemisierte Mussolini gegen das Bürgertum und machte sich bei der Masse beliebt. Sie wie die Hure glaubt, von einem jungen Schönen geliebt zu werden, der sie jedoch nur ausnutzt und verlassen wird, wenn sie ihm nicht mehr nützt, verhielt sich Mussolini mit der Masse. Ihn blendete das Prestige bestimmter Begriffe: Geschichte, Kirche, Familie, Volk, Vaterland usw. Die Substanz der Dinge begriff er nicht, er verachtete sie aus Unverständnis. Die Substanz der Dinge begriff er nicht, er verachtete sie aus Unverständnis, aber auch aus Egoismus und Ungeschlachtheit.“

Zitiere ich aus Maika Albath, Rom, Träume – sie wiederum zitiert aus den Tagebüchern Elsa Morantes vom 1.Mai 1945, als Mussolini und seine Geliebte Clara Petacci von Partisanen hingerichtet wurde. Rom die Stadt der Gegensätze. Wo wir überall waren:

Renzo Piano,  Auditorium Parco della Musica

Pier Luigi Nervi, Palazzetto dello Sport

Palazzetto dello Sport

Zaha Hadid – Maxxi Museo Nationale

Derzeit eine absolut empfehlenswerte Ausstellung über Bruno Zevi noch bis zum September. Als über Architektur noch lebendig gestritten und diskutiert wurde. Btw man sich auch für Berlin wieder eine offene Diskussion wünscht und nicht immer nur Leitbilddebatten. Du am Beispiel Rom eine mehr als zweitausendjährige Schichtung ablesen kannst und verfolgen. Du sicher die Frage stellen kannst, wie es möglich ist, ein Forum Mussolini unkommentiert und frei von jeder Wertung öffentlich und nicht bewacht „auszustellen“ – oder zu zeigen. Selbst die Bodenmosaiken dem Duce Referenz erweisen. Oder, Höhepunkt: ein vorbeikommender Jogger sich vor der Duce-Säule bekreuzigt. Da ich im Museum keine Bilder von der Ausstellung geschossen habe, der Katalog mir auch nicht zusagte, hier ein paar Suchergebnisse zu den dort ausgestellten Architekten: Lucio Pasarelli Maurizio Sacripanti, Luigi Pellegrin, Franco Albini, Giovanni Michelucci, Mario Ridolfi and Carlo Mollino last but not least: Bruno Zevi

Foro Mussolini

DUx Mussolini

Ja, er bekreuzigte sich angesichts dieses steinigen Phallus. (der Schattenmann dort hinten … ;o) Dann das Skulpturenkabinett – was eine Groteske oder Satire auf den Faschismus – wo man es ernst meinte, des männlichen Stärkegefühls, sie stehen dort und schauen grimmig, manch einer wirft Steine. Foro Mussolini

der gleiche hercules im verbund

VIA APPIA Wiki

via alta

Goethe sitzt hier in Front des Grabmals der Caecilia Metella:

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VIA MARGUTTA Wiki

Aus Wiki: Die Gasse wurde 1953 durch das Paar Gregory Peck und Audrey Hepburn in Ein Herz und eine Krone bekannt. In der Via Margutta wohnten unter anderen Giulietta Masina, Anna Magnani, Federico Fellini, Renato Guttuso und Giorgio de Chirico. Früher malten noch in der Nähe Pablo Picasso, Gaspar van Wittel, Jusepe de Ribera, Nicolas Poussin, Pieter van Laer und Peter Paul Rubens.

Das Monumente Emanuele II Wiki, auch Schreibmaschine genannt, von niemandem geliebt, von allen mit Verwunderung bestaunt

Die Villa Farnesina – Raffael und die Renaissance Wiki

Tempietto di Bramante Wiki

Aus Wiki: „Er wurde über der vermeintlichen Kreuzigungsstelle des Apostels Petrus von dem italienischen Renaissance-Baumeister Donato Bramante errichtet, nach dem er auch benannt ist. Die Bedeutung dieses Kirchenbaus liegt in der Zusammenführung eines antiken Peripteros-Tempels mit neuen römischen Architekturelementen in harmonischen und eleganten Proportionen. Der Tempietto gilt als Schlüsselwerk der Architektur der Hochrenaissance, wie auch als Initialbau für den Typ der zentralen Grabeskirche.“

Hin und wieder eine Pasta, ein Spritz oder ein Bier aus der Provinz – der Rotwein – alles in allem eine Stadt, die sich dir auf den ersten Blick wuchtig, architektonisch und ebenso dicht wie kolossal darstellt, und im zweiten Blick erst erschließt, oder seine eigene Geschichte erzählt pro Ort und Straße. Im ersten Blick Menschen, viele, am Petersdom genauso wie in der Via del Corso, hin und wieder das Militär seine Soldaten abstellt, in der U-Bahn, am Plaza Spagna oder an der Villa Medici. Das Chaos im Parlament mit gescheiterter Regierungsbilung sich im Chaos der durch die Gassen quälenden Autos und Motorroller spiegelt, um am nächsten Tag schon eine erfolgreiche Gesprächsbereitschaft der Rechten mit den sogenannten Liberalen (die 5Sterne Bewegung) ohne Berlusconi zu verkünden. Das Gewusel auf den Straßen davon nichts mitbekommen hat. Anfangs wirkten die Römer auf mich unnahbar, städtisch gehetzt – kommst du ein paarmal am gleichen Ort vorbei, wird schon gegrüßt, stehen zwei oder drei zum Gespräch zusammen, ganz perdu. An Rom scheiden sich die Geister, heißt es, die Widersprüche sind unübersehbar. Um die Tiefen zu ersehen oder zu erblicken, werden wir ein zweites Mal hinfahren müssen.

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Petersdom und Vatikan sahen wir nur im Vorübergleiten – zu viele Eintrittssuchende. Michelangelo wurde von den Decken und Wandmalereien des Raffael in der Villa Farnesina mehr als kompensiert.

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Rom Stadtgrundriss:

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Berlin Stadtgrundriss:

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ein Zufall nur?

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Beste Grüße in die Runde!

 

 

Fueilletonitis – von Kantor über Murkx zum Blubber-Bingo

NZZ:

Die russischen Intellektuellen haben sich korrumpieren lassen – Begegnung mit dem Freigeist Maxim Kantor

„Wie seine Farben trägt Kantor auch Geschichte gern opulent auf, wobei er mitunter die Grenze zur Überorchestrierung streift, wenn nicht überschreitet, zumal sein umfangreicher Roman mit einer Mephisto-Gestalt auch ins Phantastische umschlägt und sich geschichtsphilosophischer Spekulation nicht verweigert. Letzteres reiht sich ein in die russische Tradition der essayistischen Erzählung, wie sie etwa Wassili Grossman in «Alles fliesst» gehandhabt hat.“

DIE ZEIT:

Gibt es gar nichts zu sagen?

Jana Hansel erkämpft oder nichtbekämpft die Lethargie der sog. linken Intellektualität mit dem Emporkömmlichen rechter Denke. (der gegenseitige Vorwurf des Pharisäerns der Wirklichkeit Fußfessel Hohn und Spott beschreibt) Niemand traut sich zu widersprechen?

Schaue ich in den Kommentarbereich, sehe ich die üblichen „Gesinnungsethiker, das System der Open Borders, die besserverdienende Libertinage oder die Zerrbilder einer Bourgoisie, den historischen Endkampf und hochfantasierte Interventionen und die Anstellungskörperschaften, die Abkömmlinge der Avantgarde, den Tunnel der Doofheit, den schwarzgrünhellroten Plan, die Jubelrufe der moralkapitalistischen Basis“,

vor allem erkenne ich dick aufgetragen:

liberale, kapitalistische und kulturlinke Werte, ökologischer Landbau, bildungsbürgerliche Milieus, nettes Lifestyle-Accessoire“, dabei dient mir ein einfacher Filter: je höher ein Kommentar bewertet ist, desto sicherer die Fangquote: „warte darauf, dass Günther Grass von den Toten aufersteht und uns mit seiner obligatorischen politischen Grütze überzieht und den verbliebenen rotgrünen Champagnersozialisten ein Lächeln ins Gesicht zaubert“ … oder „Dieses unsägliche Schwadronieren“  (gemeint ist Habermas) und gleich nochmal: ein Dummschwätzer vor dem Herrn – warum ich dazu nichts sagen kann? // Das Niveau, Frau Hansel, das Niveau. Muss ich denn jedes Stöckchen springen? Muss ich?

Der Spiegel:

Der rechte Glaube

Es gibt Christen in der AfD – und Rechte in den Kirchen. Wie bringen sie ihren Glauben in Einklang mit Hetze und Rassismus? Was nicht passt, wird passend gedacht. von Annette Langer

„Der Schutz des ungeborenen Lebens, das traditionelle Familienbild und die Ablehnung der Homosexualität sind Themen, die die AfD für einige Christen attraktiv machen“, sagt der Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge. „Aber diese Gläubigen wissen nicht, was sie alles miteinkaufen. Sie werden zum Feigenblatt für eine Partei, die die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie demontieren will.“

Sueddeutsche Zeitung:

Attackieren! Ignorieren! Argumentieren!

Mit dem Einzug der AfD ist der Ton im Bundestag rauer geworden. Die anderen Parteien wählen sehr unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem neuen Gegner. Von Stefan Braun und Jens Schneider, Berlin

„Eines hat sich mit dem Einzug der AfD in den Bundestag auf alle Fälle geändert: die anderen Parteien werden ganz neu herausgefordert. Sie müssen teilweise beißende Kritik über sich ergehen lassen. Sie müssen mehr denn je auf die Einhaltung der Regeln achten, um dem Vorwurf zu begegnen, sie würden die Rechte der AfD einschränken, sie mithin diskriminieren. Und sie müssen sich jeden Tag neu überlegen, wie sie auf Anwürfe und Provokationen reagieren.“

Die Presse:

Nazis & Goldmund: Was (rechte) Sprache verrät

„Wörter sind Waffen. Wir holen sie uns zurück“, so Steinbuch. „Aber nicht, um Feindbilder zu zementieren, sondern: Wie können Literatur und Kunst zu einer emanzipierten, kritikfähigen Gesellschaft beitragen? Auch, zu hinterfragen: Was heißt ein Wort wie Freiheit oder Demokratie heute noch?“, ergänzt Arzt. Im täglichen Fluss immer neuer Meldungen verursacht eine problematische Aussage vielleicht einen kurzen Aufschrei, Aufregung verebbt schnell wieder. „Wir aber machen halt und sagen: Schaut, dieses Wort, dieser Satz ist gefallen“, erklärt er. Steinbuch pflichtet bei: „Wir wollen die Komplexität von Begriffen vor Augen führen, so, dass man anfängt, nachzudenken.“ Link zu den Poeten hier (der im Artikel funzt net)

Der Tagesspiegel:

Genial verdorbener Witz – Tristam Shandys Lawrence Sterne für 98 Euro

„Für Goethe und Nietzsche war er „der schönste Geist“ und „der freieste Schriftsteller“ seiner Zeit. Lessing, einer seiner begeisterten Leser, hätte dem bereits mit Mitte fünfzig Verstorbenen gern fünf Jahre seines Lebens abgetreten, „und hätt ich auch gewiss gewußt, dass mein ganzer Überrest nur acht oder zehn betrüge, mit der Bedingung aber, dass er hätte schreiben müssen, gleich was, Leben und Ansichten oder Predigten oder Reisen.“

Außerdem im Tagesspiegel:

Unser Mann im Kinosaal

Das „Schreibheft“ präsentiert den Schriftsteller Graham Greene als Filmkritiker.

„Nein, so geht Filmkritik wirklich nicht mehr: so hopplahopp ohne Gespür für den ersten Satz gleich ins Meinen hineingesprungen. So wertungsversessen vor jedem Bemühen, Tonfall und Atmosphäre szenisch zu veranschaulichen. Und zum Teil so glanzlos heruntergefiedelt, als wüsste der Autor dieser Texte aus den Jahren 1928 bis 1941 nicht, welche Möglichkeiten intelligenter Journalismus bietet. Wie kommt es, dass es trotzdem ein Vergnügen ist, Graham Greene bei der Arbeit zuzusehen?

Ein nicht unerheblicher Reiz besteht sicher darin, den britischen Weltklasseerzähler in unkonzentrierteren Momenten zu ertappen – und gleichzeitig zugeben zu müssen, dass sich auch im Parlando eine erstaunliche Beobachtungsgabe versteckt.“

Standard:

Künstliche Intelligenz als Poetin: Als die Maschine lernte, Klassiker zu sein

Computer schreibt Gedicht im Standard

Auf den ersten, flüchtigen Blick erregt das untenstehende Opusculum keine besondere Aufmerksamkeit. Ein Geheimnis hüllt gleich die Anfangsstrophe in ein diffus verschwimmendes Licht. „Auf der Flucht gezimmert in einer Schauernacht“: Es fällt schwer, diese Aussage nicht für selbstbezüglich zu halten. Häufig genug machen moderne Texte von der Möglichkeit Gebrauch, von sich selbst zu sagen, was es mit ihnen auf sich hat. Um den Leser nur umso gezielter hinters Licht zu führen. –

Sonnenblicke auf der Flucht

Auf der Flucht gezimmert in einer
Schauernacht.
Schleier auf dem Mahle
Säumliche Nahrung, dieses Leben.

Die heiligen Lippen der Schande. *grrrrrrrrr

Im Tagespiegel:

Schwätzer, Trolle, Wortverdreher

Wie für unsere Zeit geschrieben: Mit „Humbug und Variationen“ des Rumänen Caragiale ist einer der großen Spötter der Weltliteratur zu entdecken:

„Von Ion Luca Caragiales Feder zum Rrrumänen geadelt, besitzt er nicht viel Haltung, dafür Meinungen im Übermaß. Im Politischen eignet ihm ein haltloser Wankelmut, dem nur der patriotische Blick auf den äußeren Feind Einhalt gebietet. Im Privaten hält er es ähnlich. Denn nachdem er sich aus den Hitzen der Jugend ins Phlegma der mittleren Jahre geflüchtet hat, verteidigt er mit schlitzohriger Sturheit nur den müden Anschein seiner bürgerlichen Ehre. Die wahre Rrrumänin ist nicht besser. Sie hält sich nur dafür. Mit ein paar Brocken Französisch macht sie auf Dame von Welt, lebt ansonsten aber in der tiefsten Provinz ihres geltungssüchtigen Herzens, und das am liebsten auf Kosten anderer.“

Zum Buzzword-Bingo, auch Bulshit-Bingo oder Besprechungs-Bingo gibt es auf Wikipedia Passendes.

Was bleibt? Der Schwarm der Schmarrn. Der Schaum der Löffel. Das Helium frisst die Luft. Das Selbstzeugnis als Programm. So sammeln sich die Fragen. Alles sichtbar. So viele der Fragen – die Antworten warten auf den nächsten Crash. Das Fatale am System, es wird auch die treffen, die ihn herbeizitieren. Die Uhr steht täglich kurz vor Zwölf. Egal an welchem Ende der Welt du dich befindest.

 

Schönwetter Blues – I should have a Party

unverkennbar der Sommer kommt!

Aus der Abteilung Blues and Roots Zoe Schwarz Blue Commotion trocken irdisch kraftvoll, very british – ;o) UK-Blues-Award !! Qobuz: Zoe Schwarz Blue Commotion ; Artists Homepage Paul Robinson drums, Pete Whittaker piano, Rob Koral guitar, Zoe Schwarz vocal Reviews: „The bluesy vocals of Zoë Schwarz have won a significant following. Her combination with the […]

über Zoe Schwarz Blue Commotion + Others — Verhoovens Jazz

bei dem Wetter ! Schönen Sonntag noch und kommt gut in die Woche, nehmt euch die Platte mit aufs Ohr und genießt den Sommer !  Further on up the Road – meinetwegen auch das

Die Beste Clapton Platte aller kannst du sagen was du willst:

eigentlich wollte ich was anderes posten. Mal wieder Text liefern. Die Musiker aber haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt, wo die Laune ganz obenauf ist (noch ein Tipp: JOGGEN ist das Beste für Leib, Seele und Kopf! Macht das, wenn ihr den Blues habt. Nehmt eure Beine in die Arme und lauft um die Blöcke. Gerade Sonntags morgens, die Stadt so schön müde und leer, der Brain vom Kopf in die Füße rutscht und weglaufen will! Du bist mal für eine Weile all deiner Ansprüche befreit.)  – will ich gar nichts mehr sagen. Außer: Kopf hoch. Ich spring wieder in den Garten, ja. Further on up the Road. Schmeiß doch das ganze Grummeln Grübeln und Nachdenken mal in die Spree! Wenigstens für heute! Morgen ist Montag, morgen erst. Heute ist SONNENTAG!

Osteroratorium und Johannes Passion

Wer die Hinweise zur Matthäuspassion verpasst hat, kann hier noch mal nachlesen: (die Hinweise zur Johannes Passion wollte ich gestern platzieren, aber es gab kaum Internet in unserem Haus, deswegen heute zu Ostern. Ostern nun die Auferstehung zum Thema hat, und weniger die Leidensgeschichte Jesu. Tatsächlich hat Bach ein Osteroratorium geschrieben, mit Pauken und Trompeten, aber auch schönen ruhigen und tragenden Passagen. Eine fast schon ansteckende Heiterkeit „Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtigen Füße, Erreichet die Höhle, die Jesum bedeckt! Lachen und Scherzen Begleitet die Herzen, Denn unser Heil ist auferweckt.“ Zum Text. Und wer hören/sehen will (ist auch sonst ein ziemliches Gerassel und Geklimper auf der Aufnahme, find ich aber schon wieder sympathisch):

https://www.youtube-nocookie.com/embed/rVP7mU47doA

Ich möchte noch mal Bezug nehmen auf Die Johannes Passion. Sie zählt neben der doppelchörigen Matthäuspassion, dem Weihnachtsoratorium, dem Magnificat und der h-Moll Messe zu den großen Choralwerken der Leipziger Jahre Johann Sebastian Bachs. Was dieser Passion allerdings fehlt ist eine absolute Gestalt. Bach nahm wieder und wieder Änderungen vor, konzeptionell, im Detail. Die so entstandenen Fassungen lassen das Werk auch heute noch als eine der rätselhaftesten und zugleich faszinierendsten seiner Schöpfungen erscheinen. (Aus dem Booklet des Albums von Konrad Junghänel.)

Anerkannte Aufführung aus 2000 vom Bach Collegium Japan:

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Bach collegium Japan, Chor und Orchester des Bachcollegiums Japan, mit 50 Musikern und Musikerinnen, wie es zu Zeiten Bachs üblich war.

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

St John Passion, BWV 245 (1724)

Midori Suzuki, soprano
Robin Blaze, countertenor
Gerd Türk, tenor
Stephan MacLeod, bass baritone
Chiyuki Urano, bass

Bach Collegium Japan
Masaaki Suzuki, conductor

Japan, Tokyo, Suntory Hall in Tokyo, 2000

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Zu Inhalt und Werkgestalt und der verschiedenen Fassungen verweise ich unbedingt auf Wikipedia – „Die Texte der Arien sowie der Chöre in den Sätzen 1, 22 und 39 entstammen weder der Bibel noch überlieferten Kirchenliedern. Ihr Verfasser ist unbekannt und die Bach-Forschung geht davon aus, dass diese frei hinzugedichteten Texte nicht von einem einzigen Librettisten stammen. Insbesondere gibt es keine gesicherten Hinweise darauf, dass Bach selbst ihr Autor wäre“ Den gesamten Text gibt es hier.

Hier noch eine wunderbare Aufnahme, diesmal wieder ohne Chor, und doch so großartig:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/i7HtIJjlJSc

Itay Jedlin – Conductor Maïlys de Villoutreys – Soprano Chantal Santon Jeffery – Soprano Lucile Richardot – Alto Leandro Marziotte – Alto Vincent Lièvre-Picard – Tenor David Munderloh – Tenor Stephen Collardelle – Tenor Nicolas Brooymans – Bass Tomáš Král – Bass Johann Sebastian Bach – BWV 245 „St. John Passion“ Recording from the „Festival d’Ambronay“, 2014

Für die Stereoanlage/das Wohnzimmer zu empfehlen:

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FonoForum: „Überhaupt profitiert die Einspielung des Cantus Cölln unter Konrad Junghänel von einer ganz natürlichen Expressivität. Eine so selbstverständliche Sprachformung – der auch das Orchester folgt – kann erst dann entstehen, wenn die barocke Klangrede allen Beteiligten längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das gilt für die dramatischen Chöre und kontemplativen Choräle (traumhaft: „In meines Herzens Grunde“) ebenso wie für die Arien und Hans Jörg Mammels Evangelistenbericht.“

Und somit allen Frohe OSTERN!

ps … ich kann mich im Netz kaum bewegen, ein einziges Gzucke und gGerucke, der Provider hat das noch nicht im Griff offenbar. Sucht wohl noch nach Süßigkeiten

 

 

Matthäus Passion – hoch3

Einmal im Jahr Und setze dich mit Tränen nieder.

Zitat:

„… damit dieses eine wohlklingende Harmonie gebe zur Ehre Gottes und zulässiger Ergötzung des Gemüts … alle Musik … nur zu Gottes Ehre. Wo dieses nicht in acht genommen wird, da ist’s keine eigentliche Musik, sondern ein Geplärr und Geleyer.“

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), deutscher Komponist, Organist, Hofkapellmeister, Musikdirektor der Stadt Leipzig

Die Musik Bachs als vollkommene und unvergängliche Schönheit.

„Er schreibt tonal, aber ohne Farbexzesse. Er besitzt eine unendliche Palette an Grautönen … Der Frieden und die Andacht der letzten Fuge sind überwältigend. Er moduliert nie im konventionellen Sinn, lässt aber den Eindruck eines expandierenden Universums entstehen. Glenn Gould über Johann Sebastian Bach, über die Kunst der Fuge, in „Jenseits der Zeit“, Film von Bruno Monsaingeon, arte, 13. Mai 2005.

Adorno, der BACH gegen seine Liebhaber verteidigt: “ … an BACH halten sich alle, die des Glaubens wie der Selbstbestimmung entwöhnt, oder ihrer nicht mehr fähig, nach Autorität suchen, weil es gut wäre geborgen zu sein – sie genießen Die Ordnung seiner Musik, weil sie sich unterordnen dürfen – (Ironiefalle, denn Adorno verteitigt Bach durchaus als modernen Strukturalisten, wenn du so willst, muss ich jetzt nicht weiter ausführen – denn es geht um Jesus auf dem Weg zum Kreuz, nirgends so vollendet dargestellt wie in Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion aus dem Jahr 1727)
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Thomaskirche in Leipzig: Ort der Uraufführung im Jahr 1727
 Matthäus Passion Herreweghe 1998:

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NZZ: über den Auftritt in der Tonhalle 2017: „Nun, nochmals 18 Jahre später, kann man in der Tonhalle in gewisser Hinsicht den Endpunkt dieser Entwicklung erleben: eine Wiedergabe, die in jeder Hinsicht reflektiert und entsprechend ausgewogen wirkt – so sehr, dass man sie ohne grössere Korrekturen wiederum auf Platte bannen könnte.“

Sueddeutsche Zeitung: „es ist doch sehr schön, es ist so schön, er erinnert inzwischen an den alten Yoda aus „Star Wars“, ist also gütig und weise, aber auch sehr achtsam und genau. Alles ist äußerst filigran, was bei der außerordentlichen Qualität der Musiker, gerade bei den vielen solistisch zu begleitenden Passagen, mit Leichtigkeit gelingt.so schön.“

Persönliches Fazit: Eine sehr ausgeglichene Inszenierung, es erscheinen Orchester, Chor und Solisten und Solistinnen sehr gut auf einander abgestimmt. Eine solide Gangart, ohne emotionale Überhöhung und Dramaturgie. Wer nicht erschüttert werden will, sondern der Passionsgeschichte in Respekt und Abstand folgen will, wird hier nicht enttäuscht.

Auf Youtube stehen die aktuellste Aufnahme 2017 zur Verfügung oder die von 2013 von 3sat aus der Kölner Philharmonie:_

Matthäuspassion von Ton Koopman von 2005

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Im Deutschlandfunk: “ Johannespassion aggressiver als Matthäuspassion – Koopman: Ich glaube, das sind beide unglaubliche Chef d’Oeuvre, richtige Höhepunkte seiner Arbeit. Johannespassion, ich glaube, man kann auch sagen, die aggressivere. Die Musik ist aggressiv, das Volk ist noch mehr beschäftigt, dass Christus ans Kreuz soll. Ich finde als Holländer, dass zum Beispiel auch das Wort „Jüden“ – mit Umlaut – eigentlich kräftiger, aggressiver klingt als „Jude“ in der Matthäuspassion. Ich weiß nicht, ob das stimmt für einen Deutschen, aber jedenfalls ich als Nichtdeutscher empfinde das so. Der Text ist in der Matthäuspassion doch etwas lieber.“

Und weil es schwierig ist, zu dieser Aufnahme gescheite Stimmen zu sammeln, beschränke ich mich auf einen allgemeinen Artikel in der NZZ über die Matthäus Passion, und verrate gerne auch, dass die Ton Koopmann Aufnahme meine Lieblingsaufnahme ist, weil Die Solisten und Solistinnen: Ein großer Evangelist: Jörg Dürmüller ein ebenso großer Christus: Ekkehard Abele. Was ein Sopran: Cornelia Samuelis Was ein Alt: Bogna Bartosz, Prima Tenor Paul Agnew Kräftiger Bass: Klaus Mertens / jedes der gesungene Worte glasklar und verständlich.

Das Orchester: auf das Nötigste beschränkt und reduziert. Die Intonation leicht beschwingt, trocken. Die Arien werden nicht etwa übertönt oder überschattet, sondern ins Gewölbe der St. Joris Kirche quasi hineingehoben. Getragen von immer weich mitlaufenden Basslinien. Großes Lob gehört auch den Tontechnikern!

Der Chor: Der Amsterdam Baroque Choir (sic!) Und schließlich Ton Koopman selbst. Mitreißend. Immer hellwach. Immer in ganzer Person und Intelligenz präsent. Das springt über.

 

St. Matthew Passion McCreesh (2003)

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Ohne Chor – acht Solisten und Solistinnen übernehmen!

The Guardian „The dramatic impact of this unique new version of the St Matthew Passion is astonishing, thanks not only to the incisiveness of the performance under Paul McCreesh, but to the vivid immediacy of the recorded sound, with words exceptionally clear. “ ;

Die Zeit „Und ziemlich keuchend wickelt Mc-Creesh manche Arie ab, etwa Gebt mir meinen Jesum wieder. Bis auf den fabelhaften Mezzo Magdalena Kozená, die ergreifend scheue Sopranistin Deborah York und den Evangelisten Mark Padmore sind die Chorsolisten, aus deren Reihen natürlich sämtliche Arien, Dialoge und sogar die Christus-Partie bestritten werden, ein wenig überfordert; eine Plage ist das hohle Timbre von Susan Bickley“;

Klassikakzente: „Bei all den Aufführungen des Stücks an einer Vielzahl von Spielorten, mit einer ausgezeichneten Solistenriege und in wohlüberlegter Aufstellung kam das oft beschworene Problem der klanglichen Unausgewogenheit überhaupt nicht auf. Im Gegenteil: Endlich einmal konnte man Bachs brillanten Holzbläsersatz, der von großen Chören oft überdeckt wird, überhaupt hören. Vor allem trat der Text, der eigentliche Kern der lutherischen Musik, mit eindringlicher Klarheit und Lebendigkeit zutage.“

Mein persönliches Fazit: Wer das Orchester in seinen Details hören möchte ist hier gut aufgehoben, wer die Choräle in seiner Fülle möchte, wird sie vermissen, da hilft es auch nicht, dass man den Nachhall offenbar nochmal nachträglich „reingeplustert“ hat, vom Gesamteindruck: kann nicht wirklich nachvollziehen, warum diese Aufnahme in den Himmel gelobt wurde, wo sie offenbar im Kirchengewölbe hängengeblieben scheint. Ein Versuch war es wert.

 


 

Weiterführende Aufnahmen, die ich gern noch hören will.

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  • Künstler: Amaryllis Dieltiens, Siri Karoline Thornhill, Tim Mead, Gerd Türk, Julian Podger, Charles Daniels, Kampen Boys Choir, The Netherlands Bach Society, Jos van Veldhoven
  • Label: DDD, 2010
  • Bestellnummer: 4950817
  • Erscheinungstermin: 1.3.2013
  • FonoForum: „Der Chor der Niederländischen Bachvereinigung singt homogen und textverständlich und ist auch in den Massenszenen hellwach; das Orchester artikuliert ebenfalls sprachhaft und bringt die Farbigkeit der historischen Instrumente zum Leuchten. Als Solisten versammelt die Aufnahme einige der begehrtesten Barockinterpreten unserer Zeit, wie etwa Gerd Türk als souveränen Evangelisten oder Peter Harvey als menschlichen Jesus. Die Sopranistin Siri Karoline Thornhill berührt mit ihrer schlichten Darbietung der Arie „Blute nur, du liebes Herz“ – und phrasiert dabei mit natürlicher Musikalität.“

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  • Künstler: Stolte, Burmeister, Schreier, Rotzsch, Adam, Gewandhausorchester Leipzig, Erhard & Rudolf Mauersberger
  • Label: Berlin, ADD, 1970
  • Bestellnummer: 8182203
  • Erscheinungstermin: 21.2.2005
  • klassik. com: „Lupenreine Intonation in der Höhe, gepaart mit bestechender Transparenz der Faktur – Der Zusammenklang mit den beiden Chören ist herausragend ausgewogen, ebenso mit den Solisten. Berlin Classics präsentiert Bachs musikalischen Kultgegenstand in einer diesem Gegenstand würdigen Verpackung.“

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  • Künstler: Christoph Pregardien, Michael Schade, Christine Schäfer, Dorothea Röschmann, Arnold Schoenberg Chor, Wiener Sängerknaben, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt
  • Label: DDD, 2000
  • Bestellnummer: 3667736
  • Erscheinungstermin: 30.3.2007
  • G. Willmes in FonoForum: »Die herrliche Besetzung steht stellvertretend für Harnoncourts interpretatorisches Konzept: Kulinarik ist das höchste Gebot, der einstige Asket hat keine Angst mehr vor schönen Tönen. Harnon- courts Tempi sind dabei noch zügiger geworden, das Spiel des Concentus musicus zupackender und virtuoser, die Artikulation vitaler. Selbst die Choräle wirken emotional hoch aufgeladen. «

————-zur Geschichte, dem Text, den Details ist der Wikipedia Artikel sicherlich der mit Abstand umfangreichste auf den ersten Blick und auch sehr zu empfehlen.

Text der Matthäus Passion einsehbar hier: Incl. natürlich dem Schlusschor schlechthin:

Wir setzen uns mit Tränen nieder
und rufen dir im Grabe zu,
ruhe sanfte, sanfte ruh.
Ruht, ihr ausgesognen Glieder,
euer Grab und Leichenstein
soll dem ängstlichen Gewissen
ein bequemes Ruhekissen
und der Seelen Ruhstatt sein,
höchst vergnügt schlummern da die Augen ein. 

Zur Mythen- und Legendenbildung um dies Werk gehört sicher die Wiederaufführung durch Felix Mendelssohn Bartholdy 1827 in Berlin. (Vielleicht noch diese kleine PDF des SWR dazu.) Zur Frage, warum geweint wird … hier eine Seminarbarbeit.

„Hörer weinen, weil die Passion allgemeine Dimensionen des menschlichen Lebens und der Beziehungen in ihm in metaphorischer Weise dramatisiert, insbesondere Schicksale der Eltern-Kind-Beziehung, Objektverlust und Trauerprozess; Schuld, Reue, Vergebung; Versöhnung und Wiedervereinigung; schließlich Anerkennung des eigenen Todes.“

 

 

 

 

steht das Glück auf einem Flügel

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Albert Feser (1901 – 1993) Stilleben mit Büchern, Vase und Schale, 1946 Oil on Cardboard

bald werden Adjektive
auf die Waage gelegt
liegen wach und
drohen im Plural
sinkend ein Fluch

bald werden Adjektive
genesen zu Spesen
lagen auf Tresen
ich spüre die Knochen
deiner Meinung
bis auf die Haut

bald waren Spesen
Flügel los als
hätte man sie
zu häufig gehört

bald war ich
und glaubend
sag nicht
du auch

[.]

 

Feuilletonitis

Jeden Abend sitzen wir am Tisch und krauseln die Stirn über das Horrorkabinett aus Übersee, und sehen das Loch in der Wand. Mein WOCHENRÜCKBLICK durch die Feuilletons (solange es sie noch gibt, sollten wir uns ihrer erfreuen! – Hinweise zum Überleben von Kunst Kultur und Vielfalt bitte beim Heimatministerium einreichen !;o!

Und bohre mich durch Artikel. Kann es trotzdem mit niemandem rekapitulieren, da auch sie hin und wieder da sind, wo ich nicht bin. Der Hammer der im Loch der Wand verschwand. Und rede noch immer von Sinnlichkeit, von Haptik, von Gerüchen in Worten. Das wahre Erleben echten Seins. Blicke in den Nachrichtenspiegel. Sehe

NZZ
„Ulysses“-Neuedition: „Rechtlich ist die Sache tot“ James Joyce’s „Ulysses“ Oder. Deutschlandfunk Zehn Jahre Übersetzungsarbeit umsonst Zehn Jahre haben Forscher die deutsche Übersetzung von James Joyce’s „Ulysses“ überarbeitet. Nun darf der Suhrkamp Verlag das Werk nicht veröffentlichen. Bitterlich. Die Erbin Wollschlägers stelle sich quer. Da soll was an einen Forschungsstand der 40 jährigen Literaturwissenschaft um James Joyce angepasst werden. Erinnert ans Büro von J.J. Voskuil. Müssen Kulturgrenzen finden, erfinden. Es hängen die Nachgeburten der Pferde in Bäumen. (Wenn es heißt, es gehe um kleine Korrekturen (immerhin 5000 ?! … um so kleine Dinge … die der Wollschläger freier übertragen hat … Dinge, die für den normalen Leser nicht sichtbar wären … Sagt Landgrebe (der Chef von Suhrkamp). Schade, Oh wirkliche 10 Jahre Arbeit, ein Lebensprojekt „zunichte gemacht.“ Frage mich, machen die die Verträge immer erst nach der Arbeit? Wirtschaftlich sei es zumindest nicht ausschlaggebend. Dann aber doch eine wissenschaftliche Ausgabe. Widersprüchlich das alles. Unerhört sozusagen in aller Öffentlichkeit die Erbin von Wollschläger drüberzukanzeln. Gehört sich nicht! (alles weitere bei Jochen Kienbaum von lust auf lesen.de, habe ich gestern „gefischt“)

FAZ
Wie die Amsel schwarz wurde Esther Kinsky „Hain“

„Denn es ist diese Ambivalenz, dieses unangestrengt Durchscheinende, diese schimmernde Bedeutungsvielfalt“ „Der Verlust des Anfangs“ Was hat er gesagt?  „die kursive Einleitung dieses Geländeromans schlägt den Ton an, der durch das übrige Buch hallt, wenn sie den Raum zwischen Leben und Tod als etwas eigenes beschreibt, etwas, das in keinem der beiden Zustände ganz aufgeht.“ Was hat er gesagt. Vom Leben im Sterben oh. Ich schätze Esther Kinsky sehr, habe „Am Fluß“ gelesen wie Brot. Tolles Buch, wirklich großes Buch, und vermute auch dieses ist ein sprachlich ansprechend gutgroßes Buch. Lass sie erstmal den Preis in Leipzig gewinnen. Suhrkamp wird dann ein bisschen was um die Ulysses Ausfälle davon kompensieren können. Was eine Not ums unangestrengt Durchscheinende. Um diese schimmernde Bedeutungsvielfalt. Ich ohnmächtig geworden ich.

Frankfurter Rundschau
Zwangspolitisierte Dichter Der „Fall Simon Strauß“ und Eugen Gomringers Zeilen an der Hochschul-Fassade in einer Debatte in Berlin. (Will und kann es fast nicht mehr … tue es trotzdem … schon so viele Wochen „durchgekaut“ und noch ein Wasserglas gesehen ohne Sturm, eisgefrorene Diskurse ein Luxus. „Er habe den Eindruck, dass man eine Gesinnungsprüfung von ihm erwarte, sagt Simon Strauß. Da hat er zum ersten Mal das Wort am Dienstagabend im Aufbau-Haus. Die eng gestellten Stuhlreihen (Sic!) im TAK, dem Untergeschoss des Gebäudes am Berliner Moritzplatz, sind gut gefüllt. „Ja, ich esse Fleisch, ja, ich lese Ernst Jünger, aber nein: Ich habe nichts mit der AfD zu tun. Und nein: Ich glaube, ich eigne mich auch nicht als Posterboy der Neuen Rechten.“ Oh Topf oh Schnitzel. Zitat: „„Wenn ich über Politik nachdenke, hat das für mich keinerlei tagespolitischen Aspekt“, sagt Simon Strauß. So stelle ich es mir vor. Ein Dichter weiß was zu sagen, nämlich dass es schwer ist was zu sagen, deswegen er es sagen muss, damit was gesagt sei. Das kann man auch als Haltung bezeichnen. Flutscht mir sowas von durch die Finger.

Frankfurter Rundschau
Debakulöses Dasein
Andreas Maier setzt seine elfteilige Heimatsaga so famos wie profund fort.

Der Standard
Peter Stamm: Einer, der in die Fiktion entkommen ist
Der Autor lässt in seinem neuen Roman „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt(.) einen Erzähler auf seinen Doppelgänger treffen. Der komplexe Roman, der die Frage nach Realität und Fiktion aufwirft, überzeugt nur bedingt – Peter Stamm wird gern als Meister der Lakonie bezeichnet sowie als einer, der das schlichte dem klingenden Wort vorzieht und dabei nicht auf Effekte, sondern auf erzählerische Substanz setzt.

Der Spiegel weiß es immer auch

Liebe braucht keinen Überbau
Es geht um Grundsatzfragen über die Liebe im Roman des Schweizers Peter Stamm. Konstellation verstaubt, Erkenntnisse reichhaltig.

Zur Abwechslung: Die Alben der Woche in der Süddeutschen Zeitung

Es wird schließlich ernst im Deutschlandfunk: „Das ist wie eine Kulturrevolution von oben“ In Polen fliegen nun schon Autoren aus dem Kanon: Mein lieblingswerter Witold Gombrowicz (unbedingt zu empfehlen Trans-Atlantik) ist auch dabei. „(…) Bruno Schulz, Witold Gombrowicz, das ist Joseph Conrad, von dem viele gar nicht wissen, dass er Pole war – Kapuściński. Das sind also die offeneren, ein bisschen unabhängigen, freieren Geister, und da werden jetzt die Schulbücher eben ersetzt durch die nationalistischeren oder den nationalistischen Denkern sozusagen, mehr auf Linie erscheinenden Autoren. Das ist tatsächlich in Polen eine ziemlich alte Idee.“

Oh Abendland oh Christenheit.

NZZ
Unermüdlich dichtet das Maschinchen
Digitale Literatur – was war das noch? Damals, tief in den neunziger Jahren, schwärmten Literaturwissenschafter von der Hyperfiktion, von Texten ohne Zentrum, durch die sich der Leser selbst seine Pfade schlagen und per Link beliebig von Abschnitt zu Abschnitt gelangen konnte. Was aber einigen als Zukunft der Literatur erschien – in der sich vor allem liebgewonnene Konzepte der Postmoderne wiederfinden liessen –, war bald zu einem Genre ohne Leser und, schlimmer noch, ohne Produzenten geworden. Es gibt sie nicht mehr.

NZZ
Jesus tanzt in goldenen Schuhen
Auf Bibeltreue hat sich der Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee nicht eingeschworen in seinen Jesus-Romanen. Der bewusst blass getönten Darstellung setzt er im zweiten Band irritierende Akzente auf.

Süddeutsche Zeitung
Im Deutschen Herbst verhärten sich die Fronten
1977 übergießt sich Hartmut Gründler in Hamburg mit Benzin und zündet sich an – aus Protest gegen die Atomkraft. Der Autor Nicol Ljubić hat daraus einen Roman gemacht. Tief deutsch und beeindruckend.

Zur Abwechslung Das Album der Woche in der FAZ: Hoffnungsmaschine: Läuft bei mir von Erdmöbel

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Der Spiegel Ein Leben zäh wie Gletscher Norbert Gstrein lässt in „Die kommenden Jahre“ eine Ehe zerfließen. Und drischt auf die Doppelmoral unserer Gesellschaft ein.

Der Tagesspiegel kümmert sich um was keiner sieht Kratzen und schaben Friedrich Christian Delius erzählt in brillant rasender Jazzprosa von der „Zukunft der Schönheit“. Ein New Yorker Jazzclub Mitte der sechziger Jahre. Ein junger Schriftsteller aus Deutschland besucht mit zwei Freunden ein Konzert des Saxofonisten Albert Ayler. Die Wildheit der Musik, das Jaulen und Heulen, der mal scharfe, mal vermeintlich holprige Rhythmus, kurzum: Aylers Free Jazz löst bei ihm zunächst einen ästhetischen Schock aus. (Ich stand gestern vor dem Regal und hatte ein 92Seiten Bändchen für 16 Euro in der Hand. Das war mir ein bisschen wenig.)

Zur Abwechslung Die Pop-Alben der Woche im Soundcheck des Tagesspiegel

https://www.youtube-nocookie.com/embed/KgD0B0puL_k

in der NZZ:

Alle haben den Blues

Anstrengend wird es im Deutschlandradio, ich die Schnellsprecheinlagen nur noch bedingt durchhalte. „Die Begierde als revoltierendes Element“ Foucault lesen mit Joseph Vogl – Immerhin kommt mal sowas hier auf: „Auf der anderen Seite, glaube ich, kann man bestimmte Bewegungen erkennen, insbesondere in behüteten Gesellschaften wie etwa an den Universitäten, wo eine hohe Aufmerksamkeit auf Verhaltensweisen gelegt wird, in denen sich die Wiederholung eines polizeilichen Blicks manifestiert. Das heißt: Wer sagt was zu wem in welcher Sekunde mit welchem Ton? Und welche Anklagen können bei dieser oder jener Geste geführt werden?“ Die Soziotope die sich selbst bedingen und verhindern. (Und Problem an Buchmenschen: sehen sie einen anderen Menschen müssen sie offenbar alles was sie gelesen haben auf einmal los werden)

NZZ
Monika Maron erzählt von Berlin, als bräche hier gleich ein Krieg aus Eine alleinstehende Frau und ihre Krähe bilden ein seltsames Paar in einer seltsamen Zeit: Monika Maron schreibt einen Roman mit alarmistischem Furor.

Tagesspiegel
Das Büro der Zukunft Der schwarze Romantiker Georg Klein entwirft in seinem Roman „Miakro“ eine postapokalyptische Arbeitswelt.

Die Welt
Philip Roths Frankenstein, made in USA Ein Professor verheddert sich in den Fallstricken der Political Correctness und kriegt die „Kleinlichkeit der Menschen“ zu spüren: Mit „Der menschliche Makel“ lieferte Philip Roth sein Meisterwerk ab. (Abgesehen davon, dass Philip Roth sich nicht mehr aussagen/ausschreiben wollte, was ich umso bedauerlicher finde, als auch das nichts hilft)

Deutschlandfunk
Eine weltliche Bibelgeschichte
Mit „Die Schulzeit Jesu“ setzt der südafrikanisch-australische Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee seine Jesus-Trilogie fort.

Zur Abwechslung hat der Deutschlandfunk Keith Jarretts Neustart von 1998 am Ohr. Die Aufnahme kann ICH sehr empfehlen

after-the-fall

DIE LISTEN

Zehn beste Bücher beim ORF:

Arno Geiger: Unter der Drachenwand  (Hanser)

Milena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie, (Klaus Wagenbach)

Iwan Turgenjew: Väter und Söhne, (dtv)

Norbert Gstrein: Die kommenden Jahre , (Hanser)

Clemens J. Setz: Bot, (Suhrkamp)

Die Zeit
Abgedankt und auferstanden?
Stefan Kutzenberger und Clemens J. Setz fragen in neuen Büchern: Ist er nun tot oder heilig, der gute alte Autor? Das ist in einem Fall hochkomisch, im anderen quälend.

Esther Kinsky Hain – Geländeroman, (Suhrkamp)

Thomas Stangl: Fremde Verwandtschaften, (Droschl)

Mareike Fallwickl: Dunkelgrün, fast schwarz, (Frankfurter Verlagsanstalt)

Margit Schreiner: Kein Platz mehr, (Schöffling)

Fernando Aramburu: Patria, (Rowohlt)

Maxim Kantor: Rotes Licht, (Zsolnay)

 

DIE SWR-Bestenliste

Esther Kinsky Hain

Norbert Gstrein: Die kommenden Jahre

Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen

Die Zeit
Eine sehr präzise Klinge
Anja Kampmanns bemerkenswerter Debütroman „Wie hoch die Wasser steigen“

Angelika Klüssendorf: Jahre später

Hans Pleschinski: Wiesenstein

Joshua Cohen: Buch der Zahlen

Arno Geiger: Unter der Drachenwand

Gert Loschütz: Ein schönes Paar

Samanta Schweblin: Sieben leere Häuser

Szczepan Twardoch: Der Boxer

Zur Abwechslung: Die hier bitte gerne weitersagen!

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Die Welt
Wer es eindeutig mag, ist hier im falschen Buch

Das seltsamste Buch eines seltsamen Schriftstellers: Heimito von Doderers „Die Merowinger“ ist nur ein Nebenwerk, bekannter ist seine „Strudlhofstiege“. Doch der beschriebene Exzess ist höchst modern.

Süddeutsche Zeitung
Im Viertel des Fantasten Gabriel García Márquez
Den Lesern des Literatur-Nobelpreisträgers ist Cartagena vertraut. Wie aber sieht es in der kolumbianischen Hafenstadt heute tatsächlich aus? Ein Besuch.

Die Zeit
Engel und Emigranten
Rumäniens aktuelle Literatur ist geprägt von Lakonie und genauen Milieuschilderungen. Im März präsentiert sie sich auf der Leipziger Buchmesse.

NZZ
Wie Martin Suter uns Literaturkritiker das Fürchten lehrt Zum 70igsten von Martin Suter  Er zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Gegenwart. Die Kunst der Unterhaltung beherrscht er wie nur wenige. Nun wird Martin Suter siebzig – und stellt uns noch immer vor viele Rätsel.

Deutschlandfunk
Julia Franck und Wolfram Eilenberger im Streitgespräch Muss Literatur politisch sein – und wenn ja, wie?

Ich würde nochmal auf James Joyce zurückkommen wollen. Richtig. Immer erst was du kennst und trotzdem nicht weißt … Auch im Joyce kann man sich verlaufen. Erinnere mich an meinen Aufenthalt in Triest. Dort traf Joyce auf Svevo. Erst Joyce machte Svevo bekannt, was ein Mentor! So bekannt, dass die Triestiner tatsächlich noch eine Statue von Italo Svevo (Aron Hector Schmitz, genannt Ettore Schmitz) in ihre Stadt stellten.

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LESENSWERT, bzw. LEBENSWERT: wirklich wahr: bei Manesse Aus Zenos Welt

Zenos Gewissen von Italo Svevo

Auch bei Diogenes

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Streichergebnisse aus BLUNATEK

Bei mir steht unterm Wochenende folgendes zu Buche

Streichergebnisse

Ich konnte schreiben, was ich wollte, ich erzielte Streichergebnisse und Schieflagen. Ich bemühte mich, langsam zu denken und langsam zu schreiben und erzielte langsame Schieflagen und langsame Streichergebnisse.

*Die Bilder zeigen Arbeiten aus dem Jahr 93/94, abfotografiert aus den Restbeständen kreativer Phasen

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Röhre durchs Hirn

Sollte ich zugeben, dass ich unter dem Einfluss ungeheurer Buchstabenmengen stand und der erneute Versuch anstand zu sondieren, zu filtern, abzuscheiden und auszusortieren. Was im Kopf abgeht zur gleichen Zeit. Fasst man den Fokus eng genug, könnten die abertausend Kurzpassspiele im Kopf zu mehr als tausend Kurzpasssätzen umformuliert werden. Wir müssten unser Okular vom Frühstück erheben, wollen wissen, wohin unsere Leute verschwinden. Jetzt droht Rosa zu verschwinden. Sie hat Michas Tüte. Mit all dem Befremdlichem darin. Was nicht von ihm, Rainer, ist. Das aber kann Rosa nicht wissen. Ich muss es mit ihr klären, ein Missverständnis, ein Zufall, Michas Unglück, ein Unfall.

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Entwurf für eine Tunnelanlage aufgrund Albert Speers Planung und teilweiser Ausführung  unterm Tiergarten

Es sind die Gedanken die kreuzquer springen wie Erdvögel von einem Baum zum anderen. Micha, mal was anderes. Was hast du mit DJ gemacht? Was fragst du, einen Text natürlich.

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Der Japanische Garten im Tiergarten am anderen Ende der Anlage

Während DJ über der Deckenkonstruktion umherläuft, die schöne Vegetation des Tiergartens über der Halle begutachtet und die Oberlichter zu suchen scheint. Die Gärtner und Pförtner unter sich. Die Wahrheiten, unter sich.

Mann sitzt im Museum und vertröstet sich mit Bildern, guck, da ist ein neuer Buchstabe. [W L wie leicht.] wir haben unseren Brain gefüllt, und sehen zu, dass wir die Kurve kriegen, hey, Rainer, bestell dem Micha einen Gruß, wollen hoffen, dass es geträumt ist, dieser Irrwitz, und was damit zusammenhängt, die Geschichte, und was damit zusammenhängt.

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Die Eingangssituation vor dem Reichstag

Das heißt, dass ich all das getrost wegschmeißen kann?

Wahrscheinlich.

Das heißt auch, dass ich mich von Metaphysischem und Philosophischem trennen muss, vom Pathos, vom Schmuck. Bitte keine Wahrheiten mehr, die sind wie vorgefertigte Zäune, Mauern, ein Wildbach mit nur der Andeutung einer mehr als zwanzig Zentimeter tiefen Furt – setz das in Anführungsstriche und du hast die Ironie ohne Mitleid. 

Hier Panofsky, dort der Dürer. Dr Brombeerdorn im Fuß. Ich glaub‘ nicht, dass ich für ihn interessant bin …

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Ungefähre Modellsimulation des Raums 13 /auch Nullraum genannt, ca 45 Meter tief in der Erde

Solltet ihr was anderes im Kopf haben, gebt Bescheid. Meine Zeit ist knapp. Und weiter so heißt wahrscheinlich, wir sind eh bald unter uns – es gibt viele Argumente für euch, die gleichen gegen euch. Wenn nun jemand feststellt, dass ihm dieser Text oder die Gesamtheit aller Texte auseinander zu fliegen droht – ein Desaster, schlimmer noch als das einstürzende Projekt unterm Tiergarten – Rainer, kurze Frage. Ist das wirklich verloren?

https://www.youtube-nocookie.com/embed/pGnDL8e4jLM – Scanner/Thronne of Hives

Man kennt sich von der Universität, trifft sich in Kneipen, treibt Sport, es werden Geschäftsmodelle erläutert, schließlich sitzt man im gemeinsamen Büro, kaum Aufträge, das schon ist die ganze Geschichte.

Klar erlebt man … zum Beispiel den Großauftrag unter dem Tiergarten, über ein Jahr zieht er sich.

BOMb THe Bass …

https://www.youtube-nocookie.com/embed/OKRJfIPiJGY  -BAUHAUS Bella Lugosi’s Dead

Hier nämlich steht gar nichts fest. Erinnere mich an die Zeit, da Micha und ich sehr intensiv im Internet rumwühlten auf der Suche nach Bekannten und Geschäftspartnern, man sei an vielen Geschichten hängen geblieben, die sich nicht erfüllten, die zu sprunghaft waren, zu kurzlebig, zu spontan. Die Erinnerung an eine Zeit, da man dem Internet immer größere Bedeutung beimaß und inzwischen jeder zweitklassige Gott [Micha] oder jeder drittklassige Trottel [Rainer] glaubten, dort das Glück zu finden, schon geschah, was nur das Internet ermöglicht, man diskutierte und stritt mit Leuten, durch die man auf der Straße hindurchgucken würde, legte sich mit allen möglichen Leuten an, erregte sich, schaltete das Netz ein, und wieder aus, wollte durch die Pipe steigen und dem Gegenüber seine Meinung in Form einer Gestreckten reinfahren, stattdessen sah man sich einer Traube Feindseligkeit gegenüber und verbarg die eigene Identität, oder das, was man glaubte zu sein, verbarg sich hinter einem Haufen anonymer Profile und Scheinidentitäten, ein Figurenkabinett, das sich zur Not mit sich selbst unterhielt, sich vervielfältigte, sich kopierte und sich Eigenschaften aneignete, die vorher nicht da waren, das Persönliche wird zum Multiplen, das Multiple zum Verzweigten, die Erkenntnis des Subjekts mutiert zum Vielfachen der Gefühle, dem der anderen, vom Authentischen zum Allgemeinen, vom Baum zum Strauch, die Sache mit dem Ich, das schwindet in Fragmenten, den Steinen und den Scherben, als Identität in Mehrdeutigkeit verstummt.

BOMb THe Bass …

https://www.youtube-nocookie.com/embed/F1kWbtZR5PA – Nils Pedder Molvaer Khmer

Wir verkürzen: dass Literatur Sprache, Vermittlung, Symbol sei. Dass alles Form sei. Dass alles Text sei. Dass ich verstehe …

Sie treten vermehrt auf die Straße, Menschen ohne Zähne im Mund, mit Gulaschsuppe auf öffentlichen Plätzen. Plus Schöngeist.

Bingo. Telefon. Bitte? Der Robert. Man sieht Rainer telefonieren, hört aber nichts, die Neugier bleibt ergebnislos. Wenn Rainer sich erhebt und mit dem Handy das Weite sucht, damit niemand mithören kann. Er beteuert, dass er niemanden stören will.

Ich weiß, ich habe Angst vor deinem zweiten Gesicht.

Das Internet macht uns den Text kaputt, sagt meine zweite Stimme. Mit deinen Internetauftritten machst du dir dein ganzes Schreiben zunichte. Ihr spielt Paranoia, Verwechslung, Chaotisieren und … auf den Monitor prusten – sich schütteln vor Freude am Trash – der Text aber ist nicht von der Qualität, wie du sie dir versprochen hast mit deinem ich lass jetzt die anderen für mich schreiben, ich will wieder lesen!

BOMb THe Bass …

https://www.youtube-nocookie.com/embed/X6bsoyT86LE – Bert Kaempfert Safari Song

Du willst nicht lügen jetzt … aber die Wahrheit erträgst selbst du nicht mehr … du fängst an, dich in deinem antizipierten Grab umzudrehen, eine Formulierung, die viel zu lange in deinem Kopf groß wurde, Sich-in-seinem-Grab-umdrehen. Statt sich ins Leben einzudrehen.

die Wortwürfel- und Buchstabenfalle, andere nennen das Akrobatik, Hochseilartistik oder Zauberei.

Im Sommer sahen wir uns auf einem Fest. Er stand da in welken Kleidern, in Erinnerung ist sein schwerfälliger Gang. Ich stand mittenmang der abgefüllten Mannschaften und füllte mich selbst ab. Er stand dort am Türrahmen und unterhielt sich mit einer ausdrücklich angenehmen Bestimmtheit.

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Ich lag im Bett und spürte Samstag. Samstag einkaufen, ein verlorener Samstag, und gleich so nüchtern. In meiner Küche riecht es seit Tagen nach abgestandenem Käse, lang nichts gehört von meiner Nachbarin, ihren mitternächtlichen Prügeleien. Nun fürchtete ich, sie könnte unter meiner Küche in der Ecke … nein. Die Vorstellung allein, dieses junge Ding sei nun gefallen … und … als ich ein Geschoss tiefer nach den Fenstern schielte, ob geöffnet oder geschlossen, fand ich sie geschlossen vor, wahrscheinlich war sie im Urlaub. Wo aber kam der abgestandene Geruch her. Wie Höhlenkäse, schlimmer. Im Garten das rufende Tschilpen der Jungvögel.

BOMb THe Bass …

https://www.youtube-nocookie.com/embed/DWmE8T09-G4 – Charles Mingus – Groove Haitian Fight Song

Was ist vom Schreibkursus geblieben … Rolfs Bart … Werners Vogelnest … Simon, der nie da war. Die Häuser stumpf und ruhig. Weihnachtsbeleuchtung. Ein Fabrikgelände. Die Stadt am Meer, die zu einem orangen Punkt verschwindet. Gunar setzt sich neben mich, und betrachtet mich von der Seite. Wir stimmen darin überein, dass Cello ein fantastisches Instrument sei, ich sage: Klavier und Cello können sich ungemein beflügeln. An Land ging es in die Ausstellung. Wie geschaffen für die Blicke zueinander, unser Gespräch fand eine Anknüpfung in der Musik. Erst nachdem ich ihn in den Arm nahm, und wir nebeneinander zur Ruhe kamen, sprachen wir von der Dauer einer Empfindung, in den Unterschieden nicht erkennbar.